Auf einen Blick
- HauptstadtBarcelona
- Provinzen4 (Barcelona, Girona, Tarragona, Lleida)
- SprachenKatalanisch und Spanisch, beide Amtssprache
- UNESCO-WelterbeWerke von Gaudí, römisches Tarraco, Kloster Poblet
- Beste ReisezeitMai, Juni, September und Anfang Oktober
- AnreiseFlug nach Barcelona oder Girona, AVE ab Madrid
Was Katalonien ausmacht
Katalonien fühlt sich anders an als der Rest Spaniens, und das ist keine Marketingfloskel. Katalanisch ist hier gleichberechtigte Amtssprache, Straßenschilder und Speisekarten sind oft zuerst auf Katalanisch. Spanisch versteht selbstverständlich jeder, aber ein „bon dia“ statt „buenos días“ kommt gut an. Statt Flamenco tanzt man am Sonntag vor der Kathedrale die Sardana, und im Sommer bauen Vereine bei Festen menschliche Türme, die Castells.
Geografisch reicht die Region von den Pyrenäen bis zum Ebro-Delta. In gut zwei Stunden fährst du vom Skigebiet an den Strand. Diese Vielfalt macht Katalonien zur wohl praktischsten Region für eine erste Spanienreise, weil du Stadt, Küste und Berge ohne lange Etappen verbinden kannst.
Barcelona
Barcelona trägt die Region, und das merkt man im Sommer deutlich. Die Pflichtprogramme sind die Sagrada Família, Gaudís unfertige Kirche mit den Farbfenstern, und der Park Güell mit Blick über die Stadt. Beide funktionieren nur mit Zeitfenster-Ticket, das du vorab buchst, spontan an der Kasse geht dort seit Jahren nichts mehr.
Der schönere Teil der Stadt liegt für uns abseits davon: das gotische Viertel mit seinen Innenhöfen, der Markt La Boqueria am frühen Morgen, das Meeresviertel Barceloneta und der Hügel Montjuïc. Wie du drei Tage sinnvoll aufteilst und welche Fehler du vermeidest, steht in unseren Barcelona-Tipps. Nimm Taschendiebe ernst, das ist in Barcelona ein reales Thema, mehr dazu in unserem Beitrag über Sicherheit in Barcelona und Madrid.
Girona
Girona ist der beste Tagesausflug ab Barcelona und für viele die schönere Stadt. Der Schnellzug braucht gut eine halbe Stunde. Am Fluss Onyar stehen die bunten Häuserfassaden, dahinter beginnt eine der besterhaltenen jüdischen Altstädte Europas: enge Steingassen, Treppen, hohe Mauern. Auf der Stadtmauer kannst du ein Stück über den Dächern laufen.
Die Kathedrale hat das breiteste gotische Kirchenschiff der Welt und eine Freitreppe, die du aus „Game of Thrones“ kennen könntest. Girona ist außerdem eine ernsthafte Essensstadt, ein guter Grund, hier auch zu übernachten statt nur durchzulaufen.
Tarragona
Tarragona war als Tarraco die Hauptstadt der römischen Provinz Hispania Citerior, und davon steht mehr als in jeder anderen spanischen Stadt. Das Amphitheater liegt direkt über dem Strand, dazu kommen Zirkus, Forum, Stadtmauer und das Aquädukt Pont del Diable vor der Stadt. Das Ensemble gehört zum UNESCO-Welterbe.
Danach setzt du dich in die Altstadt über dem Meer oder gehst an die Strände der Costa Daurada, die flacher und familienfreundlicher sind als die Buchten im Norden. Mit dem Regionalzug bist du ab Barcelona in gut einer Stunde da.
Gut zu wissen: Für Tagesausflüge ab Barcelona brauchst du kein Auto. Die Rodalies-Nahverkehrszüge fahren im Halbstundentakt nach Girona, Tarragona und in Richtung Küste, Tickets kaufst du am Automaten im Bahnhof.
Die Costa Brava
Die Costa Brava beginnt bei Blanes und zieht sich bis zur französischen Grenze. Anders als an vielen spanischen Küsten wechseln sich hier Steilküste, Pinienwald und kleine Fischerorte ab, große Bettenburgen stehen vor allem im Süden. Je weiter du nach Norden fährst, desto ruhiger und schöner wird es.
Nördlich von Barcelona wird die Küste felsig. Kiefern wachsen bis ans Wasser, dazwischen liegen kleine Buchten, die Calas. Der Küstenwanderweg Camí de Ronda verbindet sie und ist die schönste Art, die Costa Brava zu sehen, ohne im Stau zu stehen.
Cadaqués ganz im Norden ist das weiße Postkartendorf am Ende einer kurvigen Passstraße, ruhig und teuer, mit Dalís Wohnhaus in der Nachbarbucht Portlligat. Lloret de Mar im Süden ist das Gegenteil: Partyort mit großen Hotels, der aber mit den Gärten von Santa Clotilde und der Burg über der Bucht auch ruhige Ecken hat. Wähle bewusst, die beiden Orte sprechen komplett unterschiedliche Reisende an.
Das Dalí-Dreieck
Salvador Dalí hat seine ganze Biografie in dieser Ecke Kataloniens hinterlassen, und drei Orte bilden zusammen das sogenannte Dalí-Dreieck. Herzstück ist das Dalí-Museum in Figueres, das der Künstler selbst als begehbares Gesamtkunstwerk gestaltet hat und in dem er auch begraben liegt.
Dazu kommen sein Wohnhaus in Portlligat bei Cadaqués, das nur mit Zeitfenster und kleinen Gruppen zu besichtigen ist, und das Schloss Púbol, das er seiner Frau Gala schenkte. Alle drei an einem Tag ist machbar, aber hektisch. Wir würden Figueres und Portlligat verbinden und dafür in Cadaqués übernachten.
Berge, Klöster und Natur
Eine knappe Stunde hinter Barcelona ragt der Sägezahnberg Montserrat auf, mit dem Benediktinerkloster und der schwarzen Madonna, dem wichtigsten Wallfahrtsort Kataloniens. Hinauf geht es mit Zahnradbahn oder Seilbahn, oben starten Wanderwege zu Aussichtspunkten über der Ebene.
Weiter nördlich beginnen die Pyrenäen mit dem Nationalpark Aigüestortes, Bergseen und romanischen Kirchen im Vall de Boí. Am anderen Ende der Region liegt das Ebro-Delta, flach, weit und voller Vögel. Und zwischen Barcelona und Tarragona zieht sich das Weinland Penedès, Heimat des Cava.
Essen und Trinken
Die katalanische Küche ist eine der besten Spaniens und läuft nicht über Tapas, sondern über geteilte Vorspeisen und ordentliche Hauptgerichte. Zum Standard gehören pa amb tomàquet, geröstetes Brot mit Tomate und Olivenöl, dazu Schinken oder Käse. Typisch sind außerdem Fideuà, eine Paella-Variante mit kurzen Nudeln, Escalivada aus geschmorten Paprika und Auberginen und im Winter Calçots, gegrillte Frühlingszwiebeln mit Romesco-Sauce.
Getrunken wird Cava aus dem Penedès südwestlich von Barcelona, dazu kommen kräftige Rotweine aus dem Priorat. In den Küstenorten der Costa Brava ist Fisch die naheliegende Wahl, im Landesinneren eher Fleisch und Reisgerichte. Reserviere in Girona und in guten Barcelonaer Restaurants ein paar Tage vorher, spontan wird es schwierig.
Routenvorschlag für eine Woche
Starte mit drei Nächten in Barcelona und plane einen davon für Montserrat ein. Danach mit dem Zug oder Mietwagen nach Girona für eine Nacht, weiter an die Costa Brava mit zwei Nächten in Cadaqués und dem Dalí-Museum in Figueres auf dem Weg. Zum Abschluss eine Nacht in Tarragona, bevor du in Barcelona zurück zum Flughafen fährst.
Willst du mehr Strand, streichst du Tarragona und bleibst länger an der Costa Brava. Für Bergfans lohnt sich stattdessen ein Abstecher in die Pyrenäen, dafür brauchst du aber ein Auto.
Beste Reisezeit und Anreise
Mai, Juni und September sind die besten Monate: warm genug zum Baden, aber ohne die Menschenmassen und die Hitze des Hochsommers. Juli und August sind an der Küste voll und teuer, in Barcelona zusätzlich schwül. Der Winter ist mild, für Städtereisen völlig in Ordnung, zum Baden aber zu kühl.
Barcelona-El Prat ist der wichtigste Flughafen, Girona wird von Billigfliegern angesteuert und liegt näher an der Costa Brava. Ab Madrid fährt der AVE in etwa zweieinhalb bis drei Stunden nach Barcelona, Tickets über Renfe. Innerhalb der Region reicht die Bahn für die Städte, für die Buchten der Costa Brava und die Pyrenäen ist ein Mietwagen die bessere Wahl.
Tipp: Buche die Sagrada Família und den Park Güell als Erstes, danach das Hotel. Beliebte Zeitfenster sind in der Hauptsaison Wochen vorher weg, und die restliche Tagesplanung hängt an diesen Uhrzeiten.
Häufige Fragen
Wie viele Tage braucht man für Katalonien?
Für Barcelona allein solltest du drei volle Tage einplanen. Mit einer Woche schaffst du die Stadt plus Girona, die Costa Brava und das Dalí-Museum entspannt. Zehn Tage reichen, um zusätzlich Tarragona und einen Abstecher in die Pyrenäen unterzubringen. Für ein reines Städte-Wochenende genügen zwei Nächte in Barcelona mit einem Tagesausflug.
Spricht man in Katalonien Spanisch oder Katalanisch?
Beides ist Amtssprache. Im Alltag hörst du je nach Ort mal mehr Katalanisch, mal mehr Spanisch, in Barcelona mischt sich alles. Als Reisender kommst du mit Spanisch und Englisch überall zurecht, in der Gastronomie ohnehin. Beschilderung und Speisekarten sind häufig katalanisch, die Wörter sind aber meist gut zu erraten.
Was ist die schönste Stadt in Katalonien nach Barcelona?
Für uns Girona. Die Altstadt ist kompakt, die Stadtmauer begehbar, das jüdische Viertel eines der besterhaltenen Europas, und die Stadt ist deutlich entspannter als Barcelona. Wer sich für Antike interessiert, wird in Tarragona glücklicher, dort liegt ein römisches Amphitheater direkt über dem Meer. Cadaqués ist das schönste Dorf, aber eben kein Städteziel.
Lohnt sich die Costa Brava?
Ja, wenn du die richtigen Orte wählst. Die Küste zwischen Begur und Cadaqués besteht aus Felsbuchten mit klarem Wasser und ist über den Küstenweg Camí de Ronda erwandbar. Die großen Hotelorte im Süden wie Lloret de Mar sind eine andere Welt und eher etwas für Partyurlaub. Im Juli und August wird es überall voll, Mai, Juni und September sind angenehmer.
Kommt man in Katalonien ohne Auto zurecht?
Für Barcelona, Girona und Tarragona reicht die Bahn völlig, die Nahverkehrszüge fahren dicht getaktet und sind günstig. Auch Figueres und Montserrat erreichst du bequem per Zug. Sobald du an die kleinen Buchten der Costa Brava oder in die Pyrenäen willst, wird ein Mietwagen sinnvoll, weil Busse dort selten fahren. Eine Kombination aus Bahn für die Städte und Auto für die Küste funktioniert gut.






