Region in Spanien

Extremadura: Städte & Highlights

Extremadura ist die Region, die selbst viele Spanien-Kenner auslassen, und genau das ist ihr größter Vorteil. Hier steht das besterhaltene römische Theater Spaniens, eine komplette mittelalterliche Altstadt ohne eine einzige moderne Antenne im Blick, und dazwischen liegen Eichenweiden, über denen Geier kreisen. Massentourismus gibt es nicht.

Auf dieser Seite bekommst du den kompletten Überblick: die drei wichtigsten Städte, die Dörfer der Konquistadoren, der Nationalpark Monfragüe für Vogelbeobachtung, der beste Eichelschinken Spaniens und eine Route, die sich in vier bis fünf Tagen fahren lässt. Dazu die wichtigste Regel für die Region: Meide den Hochsommer.

Extremadura: Städte & Highlights
Foto: Octopus at Slovenian Wikipedia, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Provinzen2: Cáceres und Badajoz
  • HauptstadtMérida
  • WelterbeMérida, Altstadt von Cáceres, Kloster Guadalupe
  • LandschaftDehesa, Eichenweiden mit Ibérico-Schweinen
  • Beste ReisezeitMärz bis Mai, Oktober und November
  • AnreiseAuto ab Madrid oder Sevilla, jeweils rund drei Stunden

Der Charakter der Region

Extremadura liegt im Westen an der Grenze zu Portugal und ist die am dünnsten besiedelte Region des spanischen Festlands. Prägend ist die Dehesa: eine offene Kulturlandschaft aus Stein- und Korkeichen, unter denen Ibérico-Schweine Eicheln fressen und Rinder grasen. Sie sieht aus wie eine gepflegte Parklandschaft und ist doch reine Nutzfläche.

Dazu kommt eine seltene Konzentration an Geschichte. Die Römer bauten hier mit Emerita Augusta eine ihrer wichtigsten Städte auf der Halbinsel. Im 16. Jahrhundert zogen die berühmtesten Konquistadoren von hier nach Amerika, darunter Francisco Pizarro aus Trujillo und Hernán Cortés aus Medellín. Ihr Gold steckt heute in den Palästen der Altstädte.

Die wichtigsten Städte

1 Mérida

Die Hauptstadt der Region ist das römische Zentrum Spaniens. Das Theater aus dem ersten Jahrhundert vor Christus ist so gut erhalten, dass dort im Sommer noch immer klassische Stücke aufgeführt werden. Daneben liegen Amphitheater, Circus, Diana-Tempel und eine römische Brücke über den Guadiana. Das Nationalmuseum für römische Kunst von Rafael Moneo ist allein die Anreise wert. Alles Praktische findest du unter Mérida.

2 Cáceres

Die Altstadt von Cáceres ist ein kompletter mittelalterlicher Stadtkern hinter einer Mauer aus maurischer Zeit, mit Wehrtürmen, Adelspalästen und Kopfsteinpflaster. Es gibt kaum ein modernes Element im Blickfeld, weshalb hier regelmäßig Filme und Serien gedreht werden. Auf den Türmen nisten Störche, ihr Klappern ist der Soundtrack der Stadt.

3 Badajoz

Die größte Stadt der Region ist weniger hübsch, aber spannend als Grenzstadt. Die Alcazaba gehört zu den größten erhaltenen maurischen Festungsanlagen Europas, und von den Mauern blickst du weit über den Guadiana. Badajoz ist außerdem der beste Ausgangspunkt für einen Abstecher nach Portugal, Elvas liegt nur wenige Kilometer entfernt.

4 Trujillo

Ein Dorf mit einer der schönsten Plaza Mayor Spaniens, über der ein Reiterstandbild von Francisco Pizarro steht, dem Eroberer des Inkareichs. Rundherum stehen die Paläste, die seine Verwandten vom amerikanischen Gold bauen ließen. Oberhalb liegt eine maurische Burg mit Blick über die Dehesa. Trujillo ist klein genug für einen halben Tag und gut genug für eine Übernachtung.

5 Plasencia und Guadalupe

Plasencia im Norden hat zwei Kathedralen, eine alte und eine nie fertiggestellte neue, und ist das Tor zum Jerte-Tal. Guadalupe liegt versteckt in den Bergen und besitzt ein Kloster, das Welterbe ist und Jahrhunderte lang das wichtigste Wallfahrtsziel Spaniens war. Beide Orte lohnen den Umweg.

Tipp: Übernachte in Extremadura in den Paradores. In Trujillo, Cáceres, Mérida, Guadalupe und Zafra sind sie in alten Klöstern, Palästen und Burgen untergebracht und oft günstiger als in Andalusien. Mehr dazu auf unserer Seite zu den Paradores in Spanien.

Natur: Monfragüe und das Jerte-Tal

Der Nationalpark Monfragüe zwischen Plasencia und Trujillo ist eines der besten Reviere Europas für Greifvögel. Am Aussichtspunkt Salto del Gitano stehst du einem Felsen gegenüber, in dem Gänsegeier und Mönchsgeier brüten, dazu kommen Schwarzstörche und der seltene Spanische Kaiseradler. Ein Fernglas gehört unbedingt ins Gepäck, gute Beobachtungen gelingen aber auch ohne.

Nördlich davon liegt das Jerte-Tal, wo über eine Million Kirschbäume stehen. Wenn sie Ende März blühen, färbt sich das ganze Tal weiß. Das ist ein spektakuläres Naturschauspiel und der einzige Moment, in dem es in Extremadura eng werden kann, also früh Unterkunft buchen. Wilder geht es in La Vera und in den Hurdes zu, mit Naturbecken zum Baden im Sommer.

Die Orte der Konquistadoren

Kaum eine Region hat die Geschichte Amerikas so geprägt wie diese. Aus Trujillo stammen Francisco Pizarro und Francisco de Orellana, der als erster Europäer den Amazonas befuhr. Hernán Cortés wurde in Medellín geboren, wo heute ein römisches Theater freigelegt wird. Vasco Núñez de Balboa, der den Pazifik von Amerika aus erblickte, kam aus Jerez de los Caballeros im Süden.

Die Spuren siehst du überall: Wappen an Hausfassaden, Klöster mit amerikanischem Silber und Kirchen, die für ein Dorf viel zu groß sind. Ein besonderer Ort ist das Kloster Yuste in der Sierra de Gredos, in das sich Kaiser Karl V. nach seinem Rücktritt zurückzog und wo er 1558 starb. Es liegt zwischen Kastanienwäldern und ist bis heute erstaunlich schlicht.

Essen: Schinken, Käse, Paprikapulver

Extremadura liefert einen der besten Eichelschinken Spaniens. Die Ibérico-Schweine laufen in der Dehesa frei und fressen im Herbst Eicheln, das gibt dem Fleisch seinen nussigen Geschmack. Fast ebenso berühmt ist die Torta del Casar, ein Schafskäse, der so cremig ist, dass du ihn oben aufschneidest und mit dem Löffel isst.

Dazu kommt das geräucherte Paprikapulver aus La Vera, das vielen spanischen Gerichten ihre Farbe und Rauchnote gibt, sowie Wein aus der Ribera del Guadiana. In den Dörfern isst du einfach und gut: migas, Lamm, Zicklein und im Herbst Wildgerichte.

Routenvorschlag für vier bis fünf Tage

Die klassische Runde lässt sich von Madrid oder von Andalusien aus einbauen. Tag 1: Cáceres mit einem Abend in der Altstadt. Tag 2: Trujillo und Nachmittag in Monfragüe. Tag 3: Mérida mit römischem Theater und Museum. Tag 4: Guadalupe oder Badajoz, je nach Richtung. Tag 5 als Puffer für das Jerte-Tal oder Plasencia.

Extremadura passt außerdem hervorragend als Zwischenstopp auf dem Weg von Madrid nach Sevilla. Statt fünf Stunden Autobahn machst du zwei entspannte Tage daraus. Weitere Ideen dafür stehen unter Spanien-Highlights.

Achtung: Von Ende Juni bis Anfang September wird es hier regelmäßig über 40 Grad heiß, Extremadura zählt zu den heißesten Regionen Spaniens. Plane die Reise auf Frühjahr oder Herbst. Wer trotzdem im Sommer kommt, sollte Besichtigungen auf den frühen Morgen und den späten Abend legen.

Praktisch: Anreise und Fortbewegung

Ein Auto ist in Extremadura fast unverzichtbar. Die Städte liegen weit auseinander, und die schönsten Ecken erreichst du nur über Landstraßen. Von Madrid nach Cáceres fährst du rund drei Stunden, von Sevilla nach Mérida etwa zweieinhalb. Die Zugverbindungen sind langsamer als in anderen Regionen, Busse verbinden aber die größeren Städte zuverlässig.

Unterkünfte sind günstig, Restaurants ebenfalls, und Warteschlangen kennst du hier nicht. Wer typische spanische Städte ohne Gedränge sucht, findet in Extremadura das beste Preis-Leistungs-Verhältnis des Landes. Alle weiteren Landesteile findest du unter Regionen Spaniens.

Häufige Fragen

Lohnt sich eine Reise nach Extremadura?

Ja, wenn du Geschichte, Natur und Ruhe magst. Du bekommst das besterhaltene römische Ensemble Spaniens in Mérida, eine komplette mittelalterliche Altstadt in Cáceres und mit Monfragüe eines der besten Vogelreviere Europas. Dazu sind Unterkünfte und Restaurants günstig und du teilst dir die Sehenswürdigkeiten mit sehr wenigen anderen Besuchern.

Wie viele Tage braucht man für Extremadura?

Vier bis fünf Tage reichen für die Hauptrunde aus Cáceres, Trujillo, Mérida und Monfragüe. Mit einer Woche kommst du zusätzlich nach Guadalupe, ins Jerte-Tal und nach Badajoz. Als Zwischenstopp zwischen Madrid und Sevilla funktionieren auch zwei Tage, dann konzentrierst du dich auf Cáceres und Mérida.

Wann ist die beste Reisezeit für Extremadura?

Frühjahr und Herbst. Von März bis Mai ist die Dehesa grün, die Kirschblüte im Jerte-Tal fällt meist auf Ende März, und die Temperaturen sind angenehm. Oktober und November sind ebenfalls gut. Der Hochsommer ist mit regelmäßig über 40 Grad hart, der Winter mild, aber feucht und mit kurzen Tagen.

Was ist die schönste Stadt in Extremadura?

Cáceres gewinnt bei den meisten Besuchern, weil die ummauerte Altstadt fast vollständig mittelalterlich geblieben ist und abends beleuchtet spektakulär wirkt. Mérida ist für Geschichtsinteressierte die erste Wahl wegen der römischen Bauten. Trujillo ist der schönste kleine Ort mit einer der eindrucksvollsten Plazas des Landes.

Braucht man in Extremadura ein Auto?

Praktisch ja. Die Städte liegen weit auseinander, Monfragüe, Guadalupe und die Dörfer sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum zu erreichen und die Zugverbindungen sind langsam. Busse verbinden Cáceres, Mérida und Badajoz zuverlässig, für alles andere brauchst du einen Mietwagen. Die Straßen sind gut ausgebaut und angenehm leer.