Region in Spanien

Kantabrien: Städte, Highlights & Tipps

Kantabrien ist die kleine Region zwischen dem Baskenland und Asturien, und sie packt auf kurzer Strecke erstaunlich viel zusammen: eine elegante Hafenstadt, mittelalterliche Dörfer aus Stein, Gaudí am Meer, die berühmteste Höhlenmalerei Europas und die Ostflanke der Picos de Europa.

Die ganze Region besteht aus einer einzigen Provinz, und du kommst von der Küste in gut einer Stunde ins Hochgebirge. Genau das macht sie zum idealen Stück einer Nordspanien-Rundreise. Auf dieser Seite findest du die Städte, die Höhepunkte an der Küste und im Landesinneren, eine Routenidee und die praktischen Dinge zu Reisezeit und Anreise.

Kantabrien: Städte, Highlights & Tipps
Foto: Diego Delso, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • HauptstadtSantander
  • GrößeEine einzige Provinz, rund 200 Kilometer Küste
  • UNESCO-WelterbeHöhle von Altamira und weitere Höhlen mit Felskunst
  • GebirgeOstteil der Picos de Europa mit der Region Liébana
  • Beste ReisezeitJuni bis September
  • AnreiseFlughafen Santander, Fähre aus England, Bus ab Madrid oder Bilbao

Was Kantabrien ausmacht

Kantabrien gehört zum grünen Spanien: milde Temperaturen, viel Regen, Weiden bis an die Klippen. Anders als in Andalusien reist du hier nicht wegen der Sonnengarantie, sondern wegen der Landschaft und weil im August alles halb so voll ist wie am Mittelmeer. Spanische Familien wissen das längst, deshalb sind die Küstenorte im Hochsommer trotzdem gut gebucht.

Die Region ist kompakt. Von Santander bis an die Grenze zu Asturien fährst du rund eine Stunde, ins Gebirge etwa genauso lang. Damit kannst du an einem Tag morgens an einem Sandstrand stehen und nachmittags auf 1.800 Metern über einem Talkessel. Diese Nähe von Meer und Bergen ist der eigentliche Reiz.

Santander

Santander ist die Hauptstadt und eine der elegantesten Küstenstädte Spaniens. Ein Großbrand hat 1941 weite Teile der Altstadt zerstört, deshalb wirkt das Zentrum moderner als anderswo. Dafür hat die Stadt eine großartige Lage an einer geschützten Bucht, breite Promenaden und mit dem Sardinero einen Stadtstrand, an dem früher der Königshof Sommer machte.

Auf der Halbinsel Magdalena steht der ehemalige Königspalast in einem Park, in dem du in einer knappen Stunde einmal herumläufst, mit Meerblick auf beiden Seiten. Am Hafen liegt das Centro Botín, ein Kulturbau über dem Wasser. Für Essen gehst du in die Markthallen und die Bars der Calle Peña Herbosa. Zwei Nächte sind hier gut angelegt.

Comillas

Comillas ist der überraschendste Ort der Region. Ein reich gewordener Marquis holte im 19. Jahrhundert katalanische Architekten an diese Küste, und so steht hier El Capricho, ein früher Bau von Antoni Gaudí mit Sonnenblumenkacheln und Turm. Es ist eines der wenigen Gaudí-Werke außerhalb Kataloniens.

Dazu kommen der Palacio de Sobrellano und die Universidad Pontificia auf dem Hügel, ein wuchtiger Backsteinbau mit Blick über den Ort. Der Strand liegt unterhalb, das Zentrum besteht aus Steinhäusern mit Wappen. Ein Tag reicht, für einen ruhigen Übernachtungsort ist Comillas aber eine gute Wahl.

Santillana del Mar und Altamira

Santillana del Mar ist ein komplett erhaltenes Dorf aus Kopfsteinpflaster, Herrenhäusern und einer romanischen Stiftskirche. Spanier nennen es den Ort der drei Lügen, denn heilig ist es nicht, flach auch nicht, und am Meer liegt es schon gar nicht. Tagsüber ist es voll mit Bustouristen, am frühen Abend gehört es fast dir allein. Genau deshalb lohnt hier eine Übernachtung.

Zwei Kilometer weiter liegt die Höhle von Altamira mit ihren rund 15.000 Jahre alten Bisonmalereien, die als Sixtinische Kapelle der Steinzeit gilt. Die Originalhöhle ist zum Schutz der Malereien für den normalen Besuch geschlossen. Im Museum siehst du dafür die Neocueva, eine millimetergenaue Nachbildung, die den Raumeindruck erstaunlich gut trifft. Für uns ist das trotzdem ein Pflichtstopp.

Gut zu wissen: Kantabrien hat neben Altamira weitere Höhlen mit echter Steinzeitkunst, die du betreten darfst, etwa El Castillo bei Puente Viesgo. Die Plätze sind streng begrenzt, reserviere ein paar Tage vorher.

Die Küste

Kantabriens Küste wechselt zwischen langen Sandstränden und Steilküste. Westlich von Comillas liegt der Playa de Oyambre in einem Naturpark, dahinter San Vicente de la Barquera, ein Fischerort mit Burg und langer Brücke, hinter dem an klaren Tagen die schneebedeckten Picos aufragen. Das ist einer der schönsten Ausblicke Nordspaniens.

Östlich von Santander folgen Somo und Langre mit Surfstränden, dann Laredo mit einer kilometerlangen Bucht und Castro Urdiales mit gotischer Kirche direkt über dem Hafen, schon fast im Baskenland. Zum Baden ist das Wasser frisch, im August aber durchaus erträglich.

Liébana und die Picos de Europa

Im Südwesten der Region beginnt das Tal Liébana, das über die enge Schlucht Desfiladero de La Hermida erreicht wird. Hauptort ist Potes, ein Bergstädtchen mit Steinbrücken und Markttag. Von dort führt die Straße nach Fuente Dé, wo eine Seilbahn in wenigen Minuten auf rund 1.800 Meter fährt. Oben stehst du direkt am Rand des Kalkmassivs, mit Wanderwegen in alle Richtungen.

Das Kloster Santo Toribio de Liébana im selben Tal ist einer der wenigen Orte mit einem eigenen Heiligen Jahr. Wenn du weiter in die asturische Seite der Picos willst, fährst du von Potes über den Pass nach Cangas de Onís, eine der schönsten Bergstraßen Spaniens.

Achtung: Die Seilbahn Fuente Dé hat im Sommer lange Wartezeiten, weil die Kabine klein ist. Sei früh da oder komm am späten Nachmittag, und plane oben genug Zeit ein, die letzte Talfahrt ist früher, als viele denken.

Natur, Käse und Orujo

Im Landesinneren lohnt der Wildpark Cabárceno, ein rekultivierter Tagebau, in dem Tiere in weiten Gehegen leben und den du mit dem Auto durchfährst. Für Höhlenfans ist El Soplao mit seinen ungewöhnlichen Kristallformationen die zweite große Adresse neben den Malereihöhlen. Und in den Bergdörfern wie Bárcena Mayor stehen noch Häuser mit Holzbalkonen und Schieferdächern.

Gegessen wird deftig: Cocido montañés, ein Eintopf aus Bohnen und Kohl, Anchovis aus Santoña, die zu den besten der Welt zählen, und Käse aus dem Tal Liébana. Dazu trinkst du Orujo, einen Tresterschnaps, den sie in Potes im Herbst mit einem eigenen Fest feiern.

Routenvorschlag für fünf Tage

Beginne mit zwei Nächten in Santander für Stadt, Magdalena und Strand. Danach an die Westküste: eine Nacht in Santillana del Mar mit Altamira am Nachmittag, weiter nach Comillas und San Vicente de la Barquera. Zum Abschluss zwei Nächte in Potes mit einem Tag für Fuente Dé und einem für das Tal.

Als Teil einer größeren Runde hängst du im Osten das Baskenland mit Bilbao an, im Westen Asturien mit Oviedo und Gijón. Nach Süden führt der Weg über den Pass nach Kastilien und León, du bist in gut zwei Stunden in Burgos.

Beste Reisezeit und Anreise

Juni bis September sind die besten Monate, mit angenehmen 22 bis 26 Grad und der größten Chance auf trockene Tage. Juli und August füllen sich mit spanischen Urlaubern, dann solltest du früh buchen. Mai und Oktober sind ruhig, grün und wechselhaft. Im Winter bleibt es an der Küste mild, in den Bergen liegt Schnee.

Der Flughafen Santander wird vor allem von Billigfliegern angesteuert, für Deutschland ist Bilbao oft die bessere Wahl und nur gut eine Stunde entfernt. Aus England legen Fähren in Santander an, praktisch für Reisende mit eigenem Auto. Innerhalb der Region fahren Busse in alle größeren Orte, für Liébana, die Höhlen und die kleinen Strände brauchst du aber einen Mietwagen.

Tipp: Übernachte einmal im Parador von Santillana del Mar oder in Fuente Dé. Beide liegen an Orten, die abends komplett anders wirken als am Tag, und du sparst dir die Anfahrt am frühen Morgen. Mehr dazu in unserem Überblick zu den Paradores in Spanien.

Häufige Fragen

Wie viele Tage braucht man für Kantabrien?

Vier bis fünf Tage reichen für Santander, die Westküste mit Santillana del Mar und Comillas sowie zwei Tage in den Picos de Europa. Als Zwischenstopp auf einer Nordspanien-Rundreise kommst du auch mit zwei Tagen aus, dann konzentrierst du dich auf Santander und Altamira. Wer wandern will, sollte für das Tal Liébana allein drei Tage einplanen.

Kann man die Höhle von Altamira besichtigen?

Die Originalhöhle ist zum Schutz der Malereien für den regulären Besuch geschlossen. Im Museum daneben siehst du die Neocueva, eine exakte Nachbildung des Deckengewölbes mit den Bisons, dazu eine sehr gute Ausstellung zur Steinzeit. Wer echte Höhlenkunst im Original sehen will, bucht El Castillo bei Puente Viesgo oder eine der anderen zugänglichen Höhlen der Region.

Lohnt sich Santander für eine Städtereise?

Für ein verlängertes Wochenende ja, als alleiniges Reiseziel eher nicht. Die Altstadt ist nach dem Brand von 1941 größtenteils neu, dafür überzeugen Lage, Promenaden, Strände und die Essensszene. Am schönsten ist Santander als Basis, von der aus du die Küste und die Berge erkundest. Wer nur Sightseeing sucht, ist in Bilbao oder Oviedo besser aufgehoben.

Wann ist die beste Reisezeit für Kantabrien?

Von Juni bis September. Dann ist es warm genug für Strandtage, die Bergwege sind frei und die Seilbahn in Fuente Dé läuft im vollen Takt. Juli und August sind die trockensten, aber auch vollsten Monate. Mai, Juni und September bieten das beste Verhältnis aus Wetter und Ruhe. Rechne immer mit Regentagen, das gehört im grünen Norden dazu.

Braucht man in Kantabrien ein Auto?

Für Santander nicht, die Stadt ist gut zu Fuß und mit dem Bus zu erkunden. Sobald du an die kleinen Strände, nach Santillana del Mar, zu den Höhlen oder ins Tal Liébana willst, wird ein Mietwagen deutlich praktischer. Busse fahren zwar in die größeren Orte, aber oft nur wenige Male am Tag. Für eine Rundreise durch Nordspanien ist das Auto ohnehin die beste Lösung.