Auf einen Blick
- Größekleinste autonome Region des spanischen Festlands
- HauptstadtLogroño, gut 150.000 Einwohner, auf 380 Metern Höhe
- WeinDOCa Rioja mit den Zonen Rioja Alta, Alavesa und Oriental
- WelterbeKlöster Suso und Yuso in San Millán de la Cogolla, seit 1997
- Jakobsweggut 60 Kilometer Camino Francés von Logroño bis Grañón
- Beste ReisezeitMai, Juni und September, Weinlese ab Mitte September
Der Charakter der Region
La Rioja passt fast zweimal in die Provinz Burgos und ist trotzdem ein eigenes Land im Kleinen. Der Ebro teilt die Region, im Norden schirmt die Sierra de Cantabria die Weinberge gegen den Atlantikwind ab, im Süden steigen die Berge der Sierra de la Demanda auf über 2.000 Meter. Diese Lage zwischen Atlantik und Mittelmeerklima ist der Grund, warum der Wein hier funktioniert.
Die Region ist klein genug, um sie von einem einzigen Standort aus zu bereisen. Von Logroño aus erreichst du Haro, San Millán und Santo Domingo de la Calzada jeweils in unter einer Stunde. Wer mit dem Auto kommt, sollte die Weinstraßen nehmen statt der Schnellstraße, denn die Rebflächen mit den Dörfern auf den Hügeln sind hier die eigentliche Sehenswürdigkeit.
Logroño und die Calle Laurel
Logroño hat gut 150.000 Einwohner, eine kompakte Altstadt und die Kathedrale Santa María de la Redonda mit ihren Zwillingstürmen. Der eigentliche Grund für einen Besuch steht aber in zwei Gassen: In der Calle Laurel und der angrenzenden Calle San Juan drängen sich Dutzende Bars, und fast jede ist auf genau einen Pincho spezialisiert. Bei der einen gibt es gegrillte Champignons mit Garnele auf Brot, bei der nächsten Schweineohr, bei der dritten gefüllte Paprika.
Das System ist einfach: ein Pincho, ein kleines Glas Wein, weiterziehen. Man bleibt nirgendwo lange sitzen, und genau das macht den Abend aus. Alles zur Stadt selbst, samt Sehenswürdigkeiten und Weingütern in der Umgebung, findest du unter Logroño und La Rioja.
Tipp: Geh nicht vor 21 Uhr in die Calle Laurel, vorher ist wenig los. Bestell in jeder Bar nur das, wofür sie bekannt ist, und trink dazu ein Zurito oder ein kleines Glas Rioja. Vier Bars sind ein Abendessen, sechs sind ein langer Abend.
Wein verstehen: Crianza, Reserva, Gran Reserva
Rioja ist eine der beiden höchsten Herkunftsstufen Spaniens, die DOCa. Die Einteilung auf dem Etikett sagt nichts über die Lage, sondern über die Reifezeit. Ein junger Wein ohne Zusatz kommt schnell in den Verkauf. Ein Crianza reift beim Rotwein insgesamt zwei Jahre, davon mindestens eines im Eichenfass. Ein Reserva braucht drei Jahre mit mindestens einem Jahr im Fass, ein Gran Reserva fünf Jahre mit mindestens zwei im Fass.
Die wichtigste Traube ist Tempranillo, ergänzt durch Garnacha, Graciano und Mazuelo. Die Region teilt sich in drei Zonen: Rioja Alta im Westen mit frischeren Weinen, Rioja Alavesa nördlich des Ebro, die politisch zum Baskenland gehört, und Rioja Oriental im wärmeren Osten. Ein Weinname sagt also nicht automatisch, in welcher Region das Gut steht.
Haro, Bodegas und moderne Architektur
Haro ist die Weinhauptstadt der Rioja Alta. Rund um den alten Bahnhof liegt das Barrio de la Estación, ein Viertel, in dem mehrere historische Bodegas dicht beieinander stehen. Sie siedelten sich hier im 19. Jahrhundert an, als französische Händler nach der Reblauskrise Wein aus Spanien kauften und die Bahn den Transport übernahm. Führungen musst du fast überall vorher buchen, spontan hineinzugehen funktioniert selten.
Wer moderne Architektur sucht, fährt nach Elciego und Laguardia. In Elciego steht das Weingut Marqués de Riscal mit einem Hotelbau von Frank Gehry, dessen Metallbänder in Rosé, Gold und Silber über die Rebstöcke schwappen. In Laguardia entwarf Santiago Calatrava die Bodega Ysios mit ihrem Wellendach. Beide Orte liegen in der Rioja Alavesa, also bereits in der Provinz Álava, deren Hauptstadt Vitoria-Gasteiz nur eine Dreiviertelstunde entfernt ist.
Klöster, Jakobsweg und Dinosaurierspuren
In San Millán de la Cogolla stehen zwei Klöster, die seit 1997 zum Welterbe gehören. Suso, das obere, ist in den Hang gebaut und wesentlich älter, Yuso im Tal ist der große Renaissancekomplex. Berühmt sind sie wegen der Glosas Emilianenses, Randnotizen in einer lateinischen Handschrift, die als eine der ältesten schriftlichen Spuren des Spanischen und des Baskischen gelten. Der Zugang zu Suso ist begrenzt, du fährst mit einem kleinen Bus hinauf und musst vorher reservieren.
Der Camino Francés durchquert die Region auf gut 60 Kilometern, von Logroño über Navarrete und Nájera nach Santo Domingo de la Calzada. In dessen Kathedrale lebt bis heute ein Hühnerpaar in einem Käfig an der Wand, eine Erinnerung an eine Pilgerlegende. Im Süden, um Enciso, sind an mehreren Fundstellen Dinosaurierfährten im Gestein zu sehen, ein guter Ausflug mit Kindern.
Gut zu wissen: Bodega-Besuche funktionieren in La Rioja fast nie ohne Voranmeldung. Reserviere ein bis zwei Termine pro Tag, am besten einen historischen Betrieb in Haro und einen modernen in der Alavesa. Wer selbst fährt, braucht eine nüchterne Person am Steuer, die Kontrollen sind hier streng.
Essen und Feste
Gegessen wird bodenständig. Patatas a la riojana ist ein Kartoffeleintopf mit Chorizo und Paprika, dazu kommen Lammkoteletts, die über Rebholz gegrillt werden, und im Frühjahr die dicken weißen Bohnen und Artischocken aus der Ebro-Ebene. Der Käse Camerano aus Ziegenmilch stammt aus den Bergen im Süden.
Zwei Feste prägen den Kalender. Am 29. Juni kippen sich die Einwohner von Haro bei der Batalla del Vino gegenseitig literweise Rotwein über die weißen Hemden. Und im September feiert Logroño rund um den 21. die Fiestas de San Mateo mit der Weinlese, inklusive Traubenpressen auf dem Hauptplatz.
Routenvorschlag für drei Tage
Tag 1: Ankunft in Logroño, Altstadt, Kathedrale und abends die Calle Laurel. Tag 2: über Navarrete nach Nájera und San Millán de la Cogolla, nachmittags Santo Domingo de la Calzada, Übernachtung dort oder zurück in Logroño. Tag 3: Haro mit dem Bahnhofsviertel, danach über den Ebro nach Laguardia und Elciego mit den modernen Bodegas.
Wer mehr Zeit hat, hängt einen Tag in der Sierra de la Demanda an oder verbindet die Region mit den Nachbarn: Pamplona liegt 100 Kilometer entfernt, Burgos mit seiner gotischen Kathedrale 130 Kilometer, jeweils rund anderthalb Autostunden. Die Region Navarra schließt direkt östlich an.
Anreise und beste Reisezeit
Logroño hat einen Bahnhof mit Verbindungen nach Madrid, Zaragoza und Barcelona, aber ohne Hochgeschwindigkeitsstrecke. Die praktischste Anreise aus Deutschland führt über den Flughafen Bilbao, von dort sind es rund 120 Kilometer und gut eine Stunde Fahrt. Zaragoza liegt 200 Kilometer entfernt, etwa zweieinviertel Stunden. Ohne Mietwagen wird es in der Fläche schwierig, denn viele Weindörfer haben kaum Busanbindung.
Logroño liegt auf 380 Metern, das Klima ist kontinental geprägt. Im Januar liegen die Höchstwerte im Mittel bei 9,5 Grad und die Tiefstwerte bei 2,1 Grad, im Juli bei 30 Grad. Es fallen rund 557 Millimeter Niederschlag im Jahr an etwa 104 Tagen, verteilt vor allem auf Frühjahr und Spätherbst. Die schönste Zeit sind Mai und Juni sowie der September, wenn die Weinlese läuft und sich die Blätter verfärben.
Achtung: Während der Weinlese im September und Oktober arbeiten viele Bodegas rund um die Uhr und bieten weniger Führungen an oder gar keine. Wenn dir die Kellerbesichtigung wichtiger ist als das Erntespektakel, komm im Frühsommer.
Wie La Rioja in die Landkarte der spanischen Regionen passt, zeigt unsere Übersicht der Regionen Spaniens und die Erklärung zu den autonomen Gemeinschaften. Nach Westen schließt Kastilien und León an.
Häufige Fragen
Wie viele Tage braucht man für La Rioja?
Drei Tage reichen für das Wichtigste: Logroño mit der Calle Laurel, die Klöster von San Millán, Santo Domingo de la Calzada sowie Haro und die Bodegas der Rioja Alavesa. Mit vier oder fünf Tagen kannst du die Sierra de la Demanda ergänzen oder mehr Weingüter besuchen. Die Region ist so klein, dass ein Standort genügt.
Was bedeuten Crianza, Reserva und Gran Reserva?
Sie beschreiben die Reifezeit, nicht die Lage. Beim Rotwein reift ein Crianza zwei Jahre mit mindestens einem Jahr im Eichenfass, ein Reserva drei Jahre mit mindestens einem im Fass und ein Gran Reserva fünf Jahre mit mindestens zwei im Fass. Junge Weine ohne diese Angabe kommen früher in den Verkauf und schmecken fruchtiger.
Kann man Bodegas in La Rioja spontan besichtigen?
Meist nicht. Fast alle Weingüter arbeiten mit festen Führungen, die vorab gebucht werden müssen, viele auch auf Englisch. Reserviere ein bis zwei Termine pro Tag und plane genug Zeit dazwischen ein. Wer ohne Reservierung kommt, findet in Haro und Logroño immerhin Weinbars, in denen du dich durch die Region probieren kannst.
Wann ist die Weinlese in La Rioja?
Sie beginnt in der Regel Mitte September und zieht sich je nach Lage und Jahrgang bis in den Oktober. In Logroño wird das Ende September mit den Fiestas de San Mateo gefeiert. Rechne in dieser Zeit mit vollen Straßen, weniger Führungsterminen und Weinbergen, in denen tatsächlich gearbeitet wird.
Wie kommt man ohne Auto nach La Rioja?
Logroño ist per Zug aus Madrid, Zaragoza und Barcelona erreichbar, allerdings ohne Schnellzugstrecke. Vom Flughafen Bilbao fahren Busse nach Logroño, die Strecke misst rund 120 Kilometer. In der Stadt selbst brauchst du kein Auto. Für Weindörfer wie Elciego oder San Millán ist der Nahverkehr dagegen dünn, dort helfen organisierte Touren.






