Region in Spanien

Kastilien und León: Städte & Highlights

Kastilien und León ist die größte autonome Gemeinschaft Spaniens und für viele die größte Überraschung des Landes. Auf der weiten Hochebene der Meseta liegen Städte, die jede für sich einen ganzen Städtetrip tragen: Salamanca mit seiner goldenen Universität, Segovia mit dem römischen Aquädukt, Ávila hinter einer komplett erhaltenen Stadtmauer, dazu die Kathedralen von Burgos und León.

Hier bekommst du den Überblick: welche Städte sich wirklich lohnen, wie du sie zu einer sinnvollen Route verbindest, was auf den Teller kommt und wann du am besten fährst. Denn das Klima auf rund 800 Metern Höhe hat es in sich, mit kalten Wintern, heißen Sommertagen und zwei sehr angenehmen Reisezeiten dazwischen.

Kastilien und León: Städte & Highlights
Foto: Komencanto, Public domain · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Flächerund 94.000 km², größte Region Spaniens
  • Provinzen9, darunter Salamanca, Segovia, Burgos, León
  • RegierungssitzValladolid
  • Höhenlagemeist 700 bis 900 Meter
  • Beste ReisezeitMai, Juni, September, Oktober
  • AnreiseSchnellzug ab Madrid, Segovia in gut 30 Minuten

Der Charakter der Region

Kastilien und León nimmt fast ein Fünftel der Fläche Spaniens ein und ist trotzdem dünn besiedelt. Zwischen den Städten liegen Getreidefelder, Steineichen und lange gerade Straßen. Das ist keine Region für Strandtage, sondern für Geschichte, Architektur und sehr gutes Essen.

Hier entstand das Kastilische, also das Spanisch, das heute weltweit gesprochen wird. Die Universität von Salamanca wurde 1218 gegründet und gehört zu den ältesten Europas. Und weil das Gebiet jahrhundertelang Grenzland zwischen christlichen und maurischen Reichen war, steht hier Burg an Burg. Genau daher kommt der Name Kastilien.

Die wichtigsten Städte

Acht Städte lohnen einen eigenen Stopp. Sie liegen so verteilt, dass du zwei oder drei davon an einem langen Wochenende gut schaffst.

1 Salamanca

Die schönste Stadt der Region und der beste Einstieg. Der Sandstein der Plaza Mayor leuchtet abends golden, daher der Beiname goldene Stadt. Zwei ineinander gebaute Kathedralen, die alte Universität mit ihrer Fassade voller Steinmetzarbeit und zehntausende Studenten sorgen dafür, dass die Altstadt nie museal wirkt. Zwei Nächte sind hier gut investiert. Mehr dazu auf unserer Seite zu Salamanca.

2 Segovia

Ein römisches Aquädukt, das ganz ohne Mörtel hält, der Alcázar auf einem Felssporn und Spanferkel, das traditionell mit dem Tellerrand zerteilt wird. Segovia ist der klassische Tagesausflug ab Madrid, mit dem Schnellzug bist du in gut einer halben Stunde da. Bleib trotzdem eine Nacht, wenn du die Altstadt ohne Tagesgruppen erleben willst.

3 Ávila

Die vollständig erhaltene Stadtmauer mit 88 Türmen ist eines der stärksten Bilder Spaniens, und große Teile davon kannst du oben begehen. Dazu kommt Teresa von Ávila, deren Spuren die ganze Stadt prägen. Ávila liegt hoch und ist spürbar kühler als der Rest der Meseta, im Hochsommer ist das ein echter Vorteil.

4 Burgos

Die gotische Kathedrale gehört zu den bedeutendsten Spaniens und steht seit 1984 auf der Welterbeliste. Burgos ist außerdem die Stadt des El Cid und eine wichtige Etappe des Jakobswegs. In den Bars rund um die Calle San Lorenzo bekommst du morcilla de Burgos, eine Blutwurst mit Reis, die deutlich besser schmeckt, als sie klingt.

5 León

Die Kathedrale von León hat die größten mittelalterlichen Glasfensterflächen Spaniens, an sonnigen Tagen steht der ganze Innenraum in Farbe. Dazu kommen die Casa Botines von Antoni Gaudí und das Barrio Húmedo, wo es zu jedem Getränk noch immer eine Tapa gratis gibt. León ist die entspannteste der großen Städte hier.

6 Valladolid

Regierungssitz der Region, weniger touristisch, dafür ehrlich. Das Nationale Skulpturenmuseum zeigt spanische Holzbildhauerei auf Weltniveau, die Karwoche gilt als eine der ernsthaftesten des Landes. Valladolid ist außerdem der beste Ausgangspunkt für die Weinberge der Ribera del Duero.

7 Zamora

Zamora hat eine der höchsten Dichten romanischer Kirchen in ganz Europa, über zwanzig allein in der Altstadt. Die Stadt liegt am Duero, ist klein, ruhig und wird von den meisten übersehen. Genau das macht sie so angenehm.

8 Astorga

Klein, aber mit einem Bischofspalast von Antoni Gaudí, der wie eine Märchenburg aussieht. Astorga liegt am Jakobsweg, ist berühmt für Schokolade und für das cocido maragato, einen Eintopf, den du in umgekehrter Reihenfolge isst: erst das Fleisch, dann das Gemüse, zuletzt die Suppe.

Tipp: Nimm dir nicht alle acht Städte auf einmal vor. Drei Städte in fünf Tagen fühlen sich richtig an, sechs Städte in fünf Tagen fühlen sich nach Pflichtprogramm an. Salamanca, Segovia und León sind die stärkste Kombination für den ersten Besuch.

Burgen, Klöster und Welterbe

Kastilien ist das Land der Burgen. Coca besteht komplett aus Ziegeln im Mudéjar-Stil und sieht aus wie aus einem Bilderbuch. Peñafiel liegt wie ein Schiff auf einem Bergrücken und beherbergt heute ein Weinmuseum. Ponferrada im Westen war eine Templerburg am Jakobsweg.

Dazu kommt Welterbe abseits der Städte: Las Médulas, eine bizarre rote Berglandschaft, die die Römer beim Goldabbau geschaffen haben, und die Fundstätten der Sierra de Atapuerca, wo die ältesten Menschenreste Europas gefunden wurden. Auch der Jakobsweg selbst zieht auf voller Länge durch die Region.

Natur zwischen Bergen und Canyons

Die Meseta wirkt flach, ist aber ringsum von Gebirgen gerahmt. Die Sierra de Gredos südlich von Ávila bietet Hochtäler und Gletscherseen. Im Norden fällt die Region zu den Picos de Europa hin ab. Der Lago de Sanabria ist der größte Gletschersee der Iberischen Halbinsel und im Sommer eine willkommene Abkühlung.

Spektakulär sind die Arribes del Duero an der Grenze zu Portugal, wo sich der Fluss hunderte Meter tief eingeschnitten hat und Geier über den Schluchten kreisen. Wer wandern will, findet in der Sierra de Francia rund um das Dorf La Alberca dichte Kastanienwälder.

Essen und Wein

Kastilien und León ist Fleischland. Klassiker sind lechazo, also Milchlamm aus dem Holzofen, und in Segovia cochinillo, das Spanferkel. Dazu kommen cecina de León, luftgetrocknetes Rindfleisch, und der Ibérico-Schinken aus Guijuelo bei Salamanca.

Beim Wein liegt hier eines der stärksten Gebiete Spaniens: Ribera del Duero für kräftige Rotweine aus Tempranillo, Toro für noch wuchtigere Tropfen, Rueda für frische Weißweine aus Verdejo und Bierzo im Nordwesten für elegante Mencía-Rotweine.

Gut zu wissen: In León und Salamanca ist die Gratis-Tapa zum Getränk noch echte Tradition. Bestell dir in drei Bars hintereinander je ein kleines Bier, und du hast abends gegessen, ohne ein Restaurant zu betreten.

Routenvorschlag für eine Woche

Diese Runde startet und endet in Madrid und funktioniert mit dem Mietwagen am besten. Rechne mit kurzen Etappen von selten mehr als zwei Stunden.

Tag 1: Anreise und Segovia, Aquädukt am Abend. Tag 2: Ávila, Stadtmauer und Altstadt. Tag 3 und 4: Salamanca mit einem halben Tag zum Bummeln. Tag 5: Zamora und die Fahrt am Duero entlang. Tag 6: León mit Kathedrale und Tapas im Barrio Húmedo. Tag 7: Burgos und zurück nach Madrid.

Hast du nur ein langes Wochenende, streiche Zamora und Burgos und bleib länger in Salamanca. Willst du zwei Wochen, häng die Weinberge der Ribera del Duero, Las Médulas und einen Abstecher nach Kastilien-La Mancha an.

Praktisch: Anreise, Reisezeit, Mietwagen

Die meisten Reisenden kommen über Madrid. Von dort fahren Schnellzüge nach Segovia in gut einer halben Stunde, nach Valladolid in rund einer Stunde und nach León in etwa zwei Stunden. Salamanca und Burgos erreichst du in knapp zwei Stunden. Wie das Zugsystem funktioniert, erklären wir im Beitrag mit dem Zug durch Spanien.

Die Städte selbst brauchen kein Auto, die Altstädte sind klein und gut zu Fuß machbar. Für Burgen, Las Médulas und die Weingebiete ist ein Mietwagen aber Pflicht, denn Busverbindungen zwischen den kleinen Orten sind dünn.

Achtung: Das Klima auf der Meseta ist extrem. Im Juli und August klettert das Thermometer oft über 35 Grad, im Januar liegt es nachts unter null und Ávila oder Burgos können Schnee haben. Plane deine Reise auf Mai, Juni, September oder Oktober, dann ist es angenehm und die Städte sind trotzdem lebendig.

Einen Überblick über alle Landesteile findest du auf der Seite Regionen Spaniens. Wer besonders stilvoll übernachten will, findet in der Region auffällig viele Paradores in Burgen und Klöstern.

Häufige Fragen

Was muss man in Kastilien und León gesehen haben?

Die Pflichtliste ist kurz: die Plaza Mayor und die Universität von Salamanca, das römische Aquädukt in Segovia, die Stadtmauer von Ávila sowie die gotischen Kathedralen von Burgos und León. Wer Zeit hat, ergänzt Las Médulas im Westen und eine Burg wie Coca oder Peñafiel. Für den ersten Besuch reichen Salamanca, Segovia und León völlig aus.

Wie viele Tage braucht man für Kastilien und León?

Für die drei Hauptstädte Salamanca, Segovia und Ávila reichen vier Tage. Eine runde Woche ist ideal, dann kommen León, Zamora und Burgos dazu und du musst nicht hetzen. Wer auch Burgen, Weingebiete und Natur sehen will, plant zehn bis zwölf Tage ein. Die Region ist so groß, dass jede Etappe echte Fahrzeit kostet.

Wann ist die beste Reisezeit für Kastilien und León?

Mai, Juni, September und Oktober sind die besten Monate. Dann liegen die Temperaturen tagsüber angenehm zwischen 20 und 28 Grad. Der Hochsommer ist trocken, aber sehr heiß, dafür kühlen die Nächte auf der Hochebene stark ab. Der Winter ist klar und kalt, mit Frost und gelegentlich Schnee, dafür hast du die Städte fast für dich allein.

Kann man Kastilien und León ohne Auto bereisen?

Ja, die großen Städte sind gut mit dem Zug ab Madrid und untereinander verbunden, und in den Altstädten läufst du sowieso. Ohne Auto verpasst du allerdings die Burgen, die Weingüter der Ribera del Duero und die Naturgebiete, denn dorthin fahren nur wenige Busse. Eine reine Städtereise klappt problemlos, eine Rundreise über Land nicht.

Welche Stadt in Kastilien und León ist die schönste?

Salamanca gewinnt bei den meisten Besuchern, weil der goldene Sandstein, die Plaza Mayor und das Studentenleben eine seltene Mischung ergeben. Segovia punktet mit der spektakulärsten Kulisse aus Aquädukt und Alcázar, León mit den Glasfenstern und der besten Tapas-Szene. Wenn du nur eine Stadt wählen kannst, nimm Salamanca und bleib zwei Nächte.

Lohnt sich Kastilien und León als Tagesausflug ab Madrid?

Segovia und Ávila funktionieren hervorragend als Tagesausflug, beide sind mit dem Schnellzug oder Bus in gut einer Stunde erreichbar. Salamanca geht auch, wird aber ein langer Tag. Für Burgos oder León lohnt sich der Aufwand nur mit Übernachtung. Unser Tipp: Segovia am Morgen, damit du die Altstadt vor den Reisegruppen siehst.