Auf einen Blick
- HauptstadtSantiago de Compostela
- Provinzen4 (A Coruña, Lugo, Ourense, Pontevedra)
- SprachenGalicisch (Galego) und Spanisch
- UNESCO-WelterbeAltstadt von Santiago, Jakobsweg, Stadtmauer von Lugo, Herkulesturm
- Beste ReisezeitJuni bis September
- AnreiseFlug nach Santiago, Schnellzug ab Madrid in gut drei Stunden
Was Galicien ausmacht
Galicien ist das grünste Stück Spaniens, und dafür zahlst du mit Regen. Es fällt viel und über das ganze Jahr verteilt, dafür wird es im Sommer selten unangenehm heiß. Die Landschaft ist eine Mischung aus Weiden, Eukalyptuswäldern und einer Küste, die von tiefen Meeresarmen zerschnitten wird, den Rías. Auf jedem Hof steht ein hórreo, ein steinerner Speicher auf Stelzen, in dem früher der Mais trocknete.
Kulturell zeigt die Region nach Norden statt nach Süden. Man spricht Galicisch, eine eigene Sprache, die dem Portugiesischen näher steht als dem Spanischen, und pflegt keltisch gedeutete Traditionen mit Dudelsack und alten Festen. Verstanden wirst du überall auf Spanisch, aber die Ortsnamen stehen auf Galicisch: A Coruña statt La Coruña, Ourense statt Orense.
Santiago de Compostela
Santiago de Compostela ist die Hauptstadt der Region und seit dem Mittelalter Ziel des Jakobswegs. Die Kathedrale über dem Grab des Apostels steht an der Praza do Obradoiro, und der Platz gehört jeden Tag den Pilgern, die dort mit Rucksack ankommen und sich auf die Steine setzen. Selbst wenn du keinen Meter gewandert bist, ist dieser Moment beeindruckend.
Die Altstadt aus Granit gehört zum UNESCO-Welterbe: Arkadengassen, in denen es auch bei Regen trocken bleibt, Klöster, Studentenkneipen und der Markt Mercado de Abastos. Zwei Nächte sind gut angelegt, die Stadt ist am Abend viel schöner als am Tag, wenn die Busgruppen wieder weg sind. Das große Weihrauchfass, den Botafumeiro, siehst du nur an bestimmten Tagen und Anlässen schwingen, das lässt sich nicht planen.
Die Rías Baixas: Pontevedra, Vigo und die Cíes-Inseln
Südlich von Santiago liegen die Rías Baixas, breite Meeresarme mit ruhigem Wasser, Muschelzucht und den besten Stränden Galiciens. Pontevedra ist der schönste Ort dafür: Die komplette Altstadt ist autofrei, ein Platz reiht sich an den nächsten, und abends ist alles voller Menschen statt voller Autos.
Vigo ist die größte Stadt Galiciens, ein Arbeits- und Fischereihafen mit steilen Straßen und einer Altstadt, in der Austern direkt an der Gasse geöffnet werden. Der Hauptgrund für einen Stopp liegt vor der Küste: die Cíes-Inseln mit weißem Sand und klarem Wasser, Teil des Nationalparks der Atlantischen Inseln. Die Fähre fährt in der Saison mehrmals täglich.
Achtung: Für die Cíes-Inseln brauchst du in der Saison zuerst eine kostenlose Zugangsgenehmigung online, erst danach kannst du das Fährticket kaufen. Die Zahl der Besucher pro Tag ist begrenzt, an Sommerwochenenden sind die Plätze schnell vergeben.
Der Norden: A Coruña und Lugo
A Coruña liegt auf einer Halbinsel und hat zwei Gesichter: eine offene Atlantikseite mit langer Strandpromenade und einen geschützten Hafen mit Glasbalkonen, die der Stadt den Namen „Kristallstadt“ eingebracht haben. Am Ende der Landzunge steht der Torre de Hércules, ein römischer Leuchtturm, der bis heute in Betrieb ist und zum Welterbe zählt.
Lugo im Landesinneren besitzt die einzige vollständig erhaltene römische Stadtmauer der Welt. Du kannst oben in gut einer Dreiviertelstunde einmal um die Altstadt herumlaufen, kostenlos und zu jeder Tageszeit. Lugo ist außerdem eine gute Adresse für Tapas, die es hier vielerorts noch gratis zum Getränk gibt.
Ourense und das Landesinnere
Ourense ist die wärmste Ecke Galiciens und lebt von heißem Wasser: Mitten in der Stadt sprudeln die Quellen von As Burgas, am Flussufer liegen Thermalbecken, in denen du im Freien sitzt, während es regnet. Für einen Abend nach einer Wanderung ist das eine ausgezeichnete Idee.
Von dort ist es nicht weit in die Ribeira Sacra, wo Weinterrassen steil zu den Schluchten von Sil und Miño abfallen. Winzer arbeiten dort teils am Seil, Ausflugsboote fahren durch die Schlucht, und über den Hängen stehen alte romanische Klöster. Das ist der ruhigste und einer der schönsten Teile der Region.
Küste, Fisterra und die Costa da Morte
Westlich von Santiago beginnt die Costa da Morte, die Todesküste, benannt nach den vielen Schiffbrüchen. Sie ist rau, wenig bebaut und im Sturm beeindruckend. Am Ende steht das Kap Fisterra, das die Römer für das Ende der Welt hielten. Viele Pilger hängen die Etappe dorthin an und verbrennen am Leuchtturm symbolisch ein Kleidungsstück.
Im Norden, schon in der Provinz Lugo, liegt die Praia das Catedrais mit ihren Felsbögen, die nur bei Ebbe begehbar ist. In der Hochsaison brauchst du auch dafür eine kostenlose Reservierung, und du musst die Gezeiten im Blick haben. Prüfe beides am Tag vorher, sonst stehst du vor Wasser statt vor Bögen.
Essen: Oktopus, Muscheln und Albariño
Galicien ist für viele Spanier die beste Küchenregion des Landes, und zwar wegen der Rohstoffe. Pulpo á feira, Oktopus mit Paprikapulver und Olivenöl auf Holzteller, ist das Nationalgericht, klassisch gegessen in einer pulpería mit einem Krug Weißwein. Dazu kommen Miesmuscheln aus den Rías, Entenmuscheln, Jakobsmuscheln und eine Empanada aus Blätterteig mit Thunfisch- oder Fleischfüllung.
Getrunken wird Albariño aus den Rías Baixas, frisch und salzig, oder ein Roter aus der Ribeira Sacra. Zum Nachtisch gibt es Tarta de Santiago, einen Mandelkuchen mit Jakobskreuz aus Puderzucker. Ein Tipp zur Orientierung: Je unscheinbarer die Kneipe am Hafen aussieht, desto besser ist meist der Fisch.
Routenvorschlag für eine Woche
Starte mit zwei Nächten in Santiago de Compostela. Am dritten Tag an die Costa da Morte und nach Fisterra, danach weiter in den Süden zu den Rías Baixas mit zwei Nächten in Pontevedra, von dort ein Tag auf den Cíes-Inseln ab Vigo. Anschließend nach Norden nach A Coruña für eine Nacht und zum Abschluss über Lugo zurück.
Wer lieber ins Landesinnere will, tauscht A Coruña gegen Ourense und die Ribeira Sacra. Ohne Auto lässt sich die Route zwischen den Städten mit Zug und Bus fahren, für die Küste und die Weinterrassen brauchst du aber einen Mietwagen.
Beste Reisezeit und Anreise
Juni bis September sind die verlässlichsten Monate, mit Temperaturen um 22 bis 26 Grad und der besten Chance auf sonnige Tage. Der Juli und August sind an der Küste voll mit spanischen Urlaubern, Hotels ziehen dann an. Mai und Oktober sind ruhig und grün, aber nass. Der Winter ist mild und stürmisch, für Städte und Thermen trotzdem reizvoll.
Santiago hat den wichtigsten Flughafen, A Coruña und Vigo werden ebenfalls angeflogen, meist mit Umstieg. Seit dem Ausbau der Schnellfahrstrecke fährt der Zug ab Madrid in gut drei Stunden nach Ourense und weiter nach Santiago, das ist die entspannteste Anreise. Innerhalb Galiciens verbinden Züge und Busse die Städte, die Fahrzeiten sind wegen der Topografie aber länger als gedacht.
Tipp: Du musst nicht 800 Kilometer laufen, um den Jakobsweg zu erleben. Die letzten 100 Kilometer ab Sarria dauern rund fünf Tage und reichen für die Urkunde. Wer noch weniger Zeit hat, wandert die letzte Etappe ab Monte do Gozo und ist mittags in Santiago.
Häufige Fragen
Wie viele Tage braucht man für Galicien?
Eine Woche ist ein guter Rahmen für Santiago, die Rías Baixas und eine der nördlichen Städte. Für Santiago allein reichen zwei Nächte, wenn du nur die Stadt sehen willst. Wer zusätzlich die Costa da Morte, Lugo und die Ribeira Sacra mitnehmen möchte, sollte zehn Tage einplanen. Die Entfernungen wirken klein, die kurvigen Straßen kosten aber Zeit.
Wann ist die beste Reisezeit für Galicien?
Von Juni bis September, mit dem Höhepunkt im Juli und August, wenn es am trockensten ist. Dann liegen die Temperaturen meist zwischen 22 und 27 Grad, was für Wanderungen angenehm ist. Im Frühjahr und Herbst ist die Landschaft am grünsten, dafür regnet es häufiger. Rechne in jedem Monat mit Schauern und pack eine Regenjacke ein.
Lohnt sich ein Ausflug zu den Cíes-Inseln?
Ja, das ist einer der schönsten Strandtage in Spanien. Weißer Sand, klares Wasser, keine Hotels, nur ein Campingplatz und ein paar Restaurants. Du brauchst vorab eine kostenlose Genehmigung und dann ein Fährticket ab Vigo oder aus einem anderen Hafen der Ría. Plane den ganzen Tag ein und nimm Proviant mit, das Angebot auf der Insel ist begrenzt.
Muss man für den Jakobsweg alles zu Fuß gehen?
Nein. Für die offizielle Pilgerurkunde reichen die letzten 100 Kilometer zu Fuß oder 200 Kilometer mit dem Rad. Sehr viele starten deshalb in Sarria und brauchen etwa fünf Tage bis Santiago. Du kannst den Weg aber auch in Tagesetappen anfahren und nur einzelne Abschnitte gehen. Die Stadt und die Kathedrale kannst du selbstverständlich auch ganz ohne Wanderung besuchen.
Kann man in Galicien baden?
Ja, aber der Atlantik ist kühl. An den geschützten Stränden der Rías Baixas erreicht das Wasser im Hochsommer erträgliche Temperaturen, an der offenen Küste bleibt es frisch. Die schönsten Strände liegen auf den Cíes-Inseln und rund um Pontevedra. Wer Badeurlaub im klassischen Sinn sucht, ist am Mittelmeer besser aufgehoben, wer leere Strände mag, hier.






