Andalusien · Granada

Albaicín: das maurische Viertel

Das Albaicín ist Granadas ältestes Viertel: ein Hügel voller weißer Häuser, enger Gassen und Gärten hinter hohen Mauern, direkt gegenüber der Alhambra und seit 1994 gemeinsam mit ihr UNESCO-Welterbe. Hier lag die maurische Stadt, lange bevor drüben die Paläste entstanden.

Der beste Plan für das Albaicín ist, keinen zu haben. Geh hinein, verlauf dich, und tauch irgendwann an einem Mirador wieder auf. Wie das praktisch funktioniert, ohne dass der Tag im Kreis läuft, steht hier.

Albaicín: das maurische Viertel
Foto: CEphoto, Uwe Aranas, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionAndalusien, Granada
  • UNESCO-Welterbeseit 1994 (Erweiterung der Alhambra)
  • Besuchsdauer3 bis 4 Stunden, besser ein halber Tag
  • AnreiseMinibus C31 ab Plaza Nueva oder zu Fuß
  • Untergrundsteiles, glattes Kopfsteinpflaster

Lohnt sich das Albaicín wirklich?

Ja, und für viele wird es sogar zur Lieblingserinnerung an Granada. Das Viertel kostet keinen Eintritt, braucht kein Ticket und liefert trotzdem den berühmtesten Blick der Stadt. Dazu kommt etwas, das die Alhambra nicht bieten kann: Hier wird gewohnt. Zwischen den Postkartenmotiven hängt Wäsche, quietschen Roller und tragen Nachbarn Einkäufe bergauf.

Ehrlich bleiben heißt aber auch: Das Albaicín ist anstrengend. Es geht dauernd bergauf, das Pflaster ist glatt, und mit Kinderwagen oder Rollkoffer solltest du gar nicht erst anfangen. Wer nur die Aussicht will, fährt mit dem Minibus hoch, schaut und fährt wieder runter. Das ist kein Betrug, das ist vernünftig.

Was du hier siehst

Das Albaicín ist älter als die Alhambra. Schon im 11. Jahrhundert residierten hier die Ziriden, und bis zum Ende des Emirats war der Hügel das dicht besiedelte Herz des maurischen Granada. Der Grundriss hat sich seither kaum verändert, und genau deshalb steht das Viertel auf der UNESCO-Liste: Du läufst durch ein Stadtgefüge, wie es im mittelalterlichen al-Andalus üblich war.

Das siehst du an drei Dingen. Erstens an den Gassen: Sie folgen dem Hang, nicht dem Lineal, und enden regelmäßig an einer Mauer. Zweitens an den Häusern, die sich nach innen öffnen. Ein Carmen ist von der Gasse aus nur eine hohe Wand mit einer Tür, dahinter liegen Garten, Weinlaube und Aussicht. Drittens an den Plätzen mit ihren Zisternen, den Aljibes.

Und dann ist da der Blick. Von den Miradoren liegt dir die Alhambra in voller Breite gegenüber, dahinter die oft schneebedeckte Sierra Nevada. Es ist der Ausblick, für den Granada berühmt ist, und er kostet nichts.

Der Rundgang

Eine exakte Route zu planen ist verschwendete Mühe, das GPS springt zwischen den hohen Wänden ohnehin hin und her. Halte dich an drei Etappen und lass zwischendrin das Verlaufen zu.

1 Aufstieg über die Calderería Nueva

30 bis 45 Minuten. Von der Plaza Nueva geht es durch die Gasse der Teestuben und Gewürzläden bergauf. Sie ist touristisch, aber der Übergang vom Zentrum ins maurische Granada ist hier am deutlichsten. Weiter oben wird es schlagartig ruhig.

2 Plaza Larga und Arco de las Pesas

30 Minuten. Der Platz im oberen Viertel ist Nachbarschaftsbühne: vormittags Marktstände, ringsum Bars mit mehr Anwohnern als Gästen. Durch das alte Stadttor Arco de las Pesas gehst du weiter Richtung Mirador. Gute Stelle für die erste Pause.

3 Mirador de San Nicolás und Abstieg

45 Minuten plus Aufenthalt. Der Platz vor der Kirche liefert das Postkartenmotiv. Wenn es dir zu voll ist, steig weiter zum Mirador de San Miguel Alto. Für den Rückweg nimmst du die Gassen Richtung Carrera del Darro, dann landest du automatisch am Fluss.

Das übersehen die meisten

  • Die Kirchtürme sind oft umgebaute Minarette. San José und San Juan de los Reyes zeigen es am deutlichsten, achte auf die Backsteinmuster.
  • Der Palacio de Dar al-Horra ist ein echter Nasridenpalast mitten im Wohnviertel und meist fast leer.
  • Die Plaza de San Miguel Bajo mit ihrem Aljibe. Der Platz liegt keine fünf Minuten vom Trubel entfernt und fühlt sich an wie ein Dorf.
  • El Bañuelo an der Carrera del Darro, ein arabisches Bad aus dem 11. Jahrhundert, das nur deshalb erhalten blieb, weil später ein Wohnhaus darüber gebaut wurde.
  • Der Mirador de San Miguel Alto oberhalb des Viertels. Weiterer Blick, weniger Gitarren, dafür ein Fußmarsch.

Typische Fehler

  • Mit Sandalen oder glatten Sohlen losziehen. Das polierte Pflaster verzeiht das nicht.
  • Mittags im Hochsommer hinaufsteigen. Die Hitze staut sich zwischen den weißen Wänden, geh früh oder ab dem späten Nachmittag.
  • Nur zum Sonnenuntergang hochfahren und sofort wieder verschwinden. Das Viertel ist mehr als sein Aussichtspunkt.

Tipp: Fahr mit dem Minibus C31 hinauf und geh zu Fuß hinunter. Du sparst den Anstieg, siehst beim Abstieg trotzdem alles und landest am Ende von selbst am Fluss.

Wann du hingehen solltest

Am frühen Morgen gehört das Albaicín den Anwohnern, der Mirador de San Nicolás ist fast leer und das Licht steht günstig auf der Alhambra. Zum Sonnenuntergang ist der Platz voll, mit Gitarrenspielern und Verkäufern. Die Stimmung mögen viele, wer Ruhe sucht, weicht aus.

Im Frühling blühen Jasmin und Orangenbäume hinter den Mauern, im Winter ist die Luft klar und die Sierra Nevada besonders weiß. Der Hochsommer ist mittags kaum auszuhalten und abends dafür umso schöner.

Danach: was in der Nähe liegt

Direkt unterhalb des Viertels beginnt der Paseo de los Tristes, gut zehn Minuten vom Fuß der Gassen, ideal für den Abend. Vom oberen Albaicín führt die Cuesta del Chapiz in rund 15 Minuten hinüber zum Höhlenviertel Sacromonte. Ins Zentrum sind es vom Mirador zu Fuß etwa 25 Minuten bergab, dann stehst du an Kathedrale und Capilla Real. Alle weiteren Ziele bündelt die Übersicht der Sehenswürdigkeiten von Granada.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istVoll wird es nur an einer Stelle: am Mirador de San Nicolás zum Sonnenuntergang. Steig 15 Minuten weiter hinauf zum Mirador de San Miguel Alto, dann hast du den weiteren Blick und ein Zehntel der Menschen. Morgens gehört der Platz ohnehin fast dir allein.
  • Wenn es regnetDas jahrhundertealte Pflaster wird bei Nässe glatt wie Seife, und die Gassen haben kaum Unterstand. Verleg den Bummel in die Teestuben der Calle Calderería Nueva und nimm die überdachten Ziele mit: Palacio de Dar al-Horra, El Bañuelo und das Archäologische Museum an der Carrera del Darro.
  • Mit KindernSteil, uneben und ohne Spielplätze, dafür voller Katzen, Brunnen und Treppen zum Zählen. Mit Kindern ab Grundschulalter funktioniert es gut, wenn du mit dem Bus hochfährst und zu Fuß hinuntergehst. Kinderwagen sind hier eine Zumutung, nimm eine Trage.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDas Viertel besteht aus Steigung, Kopfsteinpflaster und Gassen ohne Gehweg. Der Minibus C31 nimmt dir den Aufstieg ab und hält nahe am Mirador de San Nicolás, im Viertel selbst bleibt es schwierig. Wer nicht gut zu Fuß ist, sieht den Alhambra-Blick am entspanntesten von dort und verzichtet auf die Gassen.

Häufige Fragen

Wie komme ich zum Mirador de San Nicolás?

Zu Fuß von der Plaza Nueva in 20 bis 25 Minuten bergauf, am schönsten über die Calle Calderería Nueva und dann treiben lassen. Bequemer ist der Minibus C31, der ab Plaza Nueva durchs Viertel kurvt und nahe am Mirador hält. Mein Rat: hochfahren, oben in Ruhe schauen und gemütlich zu Fuß absteigen.

Ist das Albaicín anstrengend?

Es ist steil, das lässt sich nicht wegdiskutieren, und das glatte Kopfsteinpflaster fordert die Knöchel. Mit festen Schuhen, Wasser und Pausen ist es aber gut machbar, und der Minibus C31 nimmt dir den Aufstieg ab. Mit Kinderwagen oder Rollstuhl ist das Viertel mühsam, dann lohnt der Bus doppelt.

Ist das Albaicín abends sicher?

Auf den üblichen Wegen ja: Rund um San Nicolás, die Calderería Nueva und den Darro ist bis spät Betrieb. In abgelegenen Gassen gilt, was in jeder Altstadt gilt: Wertsachen nicht zur Schau stellen, Handy festhalten. Zum Sonnenuntergang am Mirador sind Taschendiebe das realistischste Risiko, nicht mehr.

Wie viel Zeit braucht man für das Albaicín?

Drei bis vier Stunden reichen für einen ausgiebigen Spaziergang mit Mirador und Teepause. Wer den Palacio de Dar al-Horra und El Bañuelo besichtigt, sollte einen halben Tag einplanen. Am schönsten ist die Kombination aus spätem Nachmittag im Viertel, Sonnenuntergang am Mirador und Abendessen am Fuß des Hügels.

Kostet das Albaicín Eintritt?

Das Viertel selbst natürlich nicht, auch die Miradore sind frei zugänglich. Eintritt zahlst du nur für einzelne Monumente wie den Palacio de Dar al-Horra oder El Bañuelo, die du am besten über das Kombiticket Dobla de Oro besuchst. Ein kompletter Albaicín-Tag ist damit eine der günstigsten Unternehmungen Granadas.