Auf einen Blick
- RegionAndalusien, am Parque de María Luisa
- GebautFür die Iberoamerikanische Ausstellung 1929
- ArchitektAníbal González
- EintrittFrei zugänglich
- Besuchsdauer45 bis 90 Minuten
Lohnt sich die Plaza de España wirklich?
Ja, ohne Einschränkung, und das liegt auch am Preis: Der Platz kostet nichts und liefert trotzdem den größten optischen Effekt der Stadt. Ein Halbrund von rund 200 Metern Durchmesser, Kolonnaden, zwei Türme, ein Kanal mit vier Brücken, das gibt es in dieser Form kein zweites Mal in Spanien.
Trotzdem hängt viel an der Uhrzeit. Zwischen 11 und 17 Uhr ist der Platz voll, laut und ohne Schatten. Kutschenanbieter und fliegende Händler sprechen dich an, Reisegruppen stehen sich gegenseitig im Bild. Wer nur dann kann und Menschenmengen hasst, wird enttäuscht sein. Wer morgens oder abends kommt, erlebt einen der schönsten Plätze Europas.
Ein zweiter Punkt für die ehrliche Erwartung: Die Plaza de España ist keine Sehenswürdigkeit mit Inhalt. Es gibt nichts zu besichtigen, keine Sammlung, keine Räume. In den Gebäuden sitzen Behörden, die Türen sind zu. Du kommst hierher, um zu schauen, zu laufen und zu fotografieren, und genau dafür reichen 45 bis 90 Minuten.
Was du hier siehst
Architekt Aníbal González entwarf das Halbrund als Geste: Spanien öffnet die Arme Richtung Amerika, Fluss und alter Hafen liegen genau in Blickrichtung. Zwei Türme rahmen den Bau, dazwischen spannen sich Galerien und Balkone im Stil des Regionalismo, einer Mischung aus Neomudéjar-, Renaissance- und Barockzitaten. Für die Weltausstellung von 1929 war der Platz Bühne und Aushängeschild zugleich.
Entlang der Rundung reihen sich Keramiknischen, eine für jede spanische Provinz, alphabetisch geordnet und jeweils mit einer gekachelten Szene aus der Regionalgeschichte, einer Landkarte und dem Wappen. Spanier fotografieren sich traditionell vor der Bank ihrer Heimatprovinz. Die Fliesenmalerei stammt aus den Werkstätten von Triana auf der anderen Flussseite.
Dazu kommt das Wasser. Der Kanal umrundet den Platz auf ganzer Länge, vier Brücken überspannen ihn, jede steht für eines der alten Königreiche Kastilien, León, Aragón und Navarra. Ruderboote kannst du am Steg für eine halbe Stunde mieten.
Materialkunde in einem Satz: Fast alles, was du siehst, ist Ziegel, Keramik und Schmiedeeisen, also genau das, was Sevilla selbst herstellte. Der Platz war eine Werbeschau für andalusisches Handwerk, kein Import aus Madrid. Deshalb wirkt er trotz seiner Größe nie kalt, sondern warm und handgemacht.
Der Rundgang
1 Anmarsch durch den Park
Komm nicht über die Avenida, sondern durch den Parque de María Luisa. Der Platz öffnet sich dann plötzlich zwischen den Bäumen, das ist der beste erste Eindruck. 10 Minuten.
2 Die Provinzbänke
Lauf das Halbrund einmal ab und such dir drei bis vier Nischen zum genauen Hinsehen aus. Jede Szene erzählt ein historisches Ereignis der Provinz. Für die ganze Runde brauchst du 25 Minuten.
3 Kanal und Brücken
Über die vier Brücken kommst du in die Mitte des Platzes und zurück. Von den Brückenmitten aus bekommst du die klassische Perspektive mit Wasser im Vordergrund. 10 Minuten, mit Bootsfahrt 40.
4 Die Galerien im Obergeschoss
Über die Treppen in den Türmen gelangst du in die oberen Arkaden. Kaum jemand geht hinauf, dabei siehst du von dort das gesamte Halbrund auf einen Blick. 15 Minuten.
5 Der Blick am Bogengang entlang
Stell dich zum Schluss ans äußere Ende eines der beiden Türme und schau die Kolonnade entlang. Diese Fluchtlinie ist das unterschätzteste Motiv des Platzes. 10 Minuten.
Das übersehen die meisten
- Sevilla fehlt in der Reihe. Alle Provinzen haben ihre Bank, die Gastgeberprovinz Sevilla ist stattdessen an anderer Stelle des Platzes verewigt. Ein beliebtes Rätsel unter Einheimischen.
- Die Kacheln unter deinen Füßen. Nicht nur die Nischen sind gefliest, auch Böden und Balustraden. Achte auf die Musterwechsel von Abschnitt zu Abschnitt.
- Die Flamenco-Gruppen. Fast immer spielt jemand unter den Arkaden, die Qualität ist erstaunlich hoch. Ein paar Münzen im Hut sind fair.
- Die Filmkulisse. Der Platz war in Lawrence von Arabien zu sehen und in Star Wars Episode II als Stadt Theed auf Naboo. Die Arkaden erkennst du sofort wieder.
- Die Bänke sind Sitzbänke. Du darfst dich hineinsetzen, und die meisten Nischen liegen im Schatten. Genau das machen Einheimische am späten Nachmittag, während Besucher nur davor stehen und fotografieren.
Typische Fehler
- Mittags kommen. Es gibt keinen Schatten auf dem Platz, im Sommer wird der Besuch dann zur Qual.
- Nur die Mitte fotografieren und wieder gehen. Die Details stecken in den Arkaden, den Böden und im Obergeschoss.
- Den Park danach auslassen. Der Parque de María Luisa beginnt direkt dahinter und ist der Schattenteil des Ausflugs.
Gut zu wissen: Es gab politische Pläne, von Touristen Eintritt zu verlangen. Umgesetzt sind sie bislang nicht. Aktuell kostet der Zugang nichts, nur Ruderboote und Kutschen kosten Geld.
Wann du hingehen solltest
Früh am Morgen, in der ersten Stunde nach Sonnenaufgang, hast du den Platz fast für dich. Das Licht ist dann weich und kommt von der Seite, die Ziegel wirken warm statt grell. Die zweitbeste Zeit ist die letzte Stunde vor Sonnenuntergang, wenn der Bau golden wird und die Boote lange Schatten auf den Kanal werfen.
Nach Jahreszeit: Frühling und Herbst sind ideal. Im Hochsommer solltest du nur morgens oder nach 20 Uhr kommen, mittags staut sich die Hitze auf dem Pflaster. Im Winter ist der Platz oft angenehm leer und das tiefe Licht besonders schön. Nachts ist das Halbrund beleuchtet und noch einmal ein ganz anderer Ort, ein Abendspaziergang lohnt sich.
Zwei Termine solltest du kennen: In der Karwoche und während der Feria de Abril ist ganz Sevilla voll, der Platz entsprechend auch. Dafür siehst du dann Flamenco-Kleider und Kutschen als Alltag statt als Show. Wer Ruhe sucht, meidet diese zwei Wochen und kommt im Oktober oder Februar.
Tipp: Komm zweimal. Einmal früh am Morgen für Fotos und Ruhe, einmal nach Einbruch der Dunkelheit für die Beleuchtung. Beide Male kostet es nichts, und der Platz wirkt völlig verschieden.
Danach: was in der Nähe liegt
- Parque de María Luisa, 1 Minute. Der Park beginnt direkt hinter dem Platz, mit Schatten, Brunnen und der Plaza de América.
- Archäologisches Museum, 12 Minuten. Am Südende des Parks steht das Archäologische Museum mit dem Goldschatz von El Carambolo.
- Alte Tabakfabrik, 8 Minuten. Auf dem Rückweg ins Zentrum passierst du die Alte Tabakfabrik, heute Universität und gratis zu betreten.
- Torre del Oro, 15 Minuten. Weiter Richtung Fluss steht der Torre del Oro, ideal für den Sonnenuntergang am Wasser.
Wie der Platz in eine Tagesroute passt, zeigt die Übersicht der Sevilla Sehenswürdigkeiten.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istWeich in die Kolonnaden und in das Obergeschoss der Galerien aus. Fast alle bleiben unten in der Mitte stehen. Von den Balkonen bekommst du außerdem die bessere Übersicht über das Halbrund.
- Wenn es regnetDie Kolonnaden laufen über die gesamte Länge und sind überdacht, du kannst den Platz also trockenen Fußes umrunden. Bei Regen bleiben die Ruderboote allerdings am Steg.
- Mit KindernKanal, Brücken und Provinzbänke funktionieren gut: Lass Kinder ihre Wunschprovinz suchen. Die Ruderboote sind der Höhepunkt, Schwimmwesten gibt es an der Ausleihe.
- Mit eingeschränkter MobilitätDer Platz ist eben und stufenlos zu umrunden, die Wege sind breit. In die Obergeschosse der Galerien führen nur Treppen, und das Pflaster im Halbrund ist stellenweise uneben.
Häufige Fragen
Kostet die Plaza de España Eintritt?
Nein, der Platz ist frei zugänglich, auch die Galerien und Brücken. Bezahlen musst du nur, wenn du ein Ruderboot auf dem Kanal mietest oder eine Kutschfahrt nimmst. Über eine Eintrittsgebühr für Touristen wurde politisch diskutiert, eingeführt ist sie nicht.
Wann ist die beste Zeit für die Plaza de España?
Früh morgens oder zum Sonnenuntergang. Morgens ist der Platz fast leer und das Licht weich, abends färben sich die Ziegel golden. Mittags gibt es kaum Schatten, im Sommer wird der Besuch dann schnell unangenehm. Nachts ist der Platz beleuchtet und stimmungsvoll.
Welche Filme wurden auf der Plaza de España gedreht?
Am bekanntesten sind Lawrence von Arabien von 1962 und Star Wars Episode II, in dem der Platz als Kulisse der Stadt Theed auf Naboo diente. Auch Der Diktator mit Sacha Baron Cohen nutzte die Arkaden. Der Platz gehört damit zu den meistgefilmten Orten Spaniens.
Was bedeuten die Bänke an der Plaza de España?
Jede der gekachelten Nischen steht für eine spanische Provinz, alphabetisch angeordnet, mit einer historischen Szene, einer Landkarte und dem Provinzwappen aus bemalten Azulejos. Nur Sevilla selbst fehlt in der Reihe, die Stadt ist stattdessen an anderer Stelle des Platzes verewigt.
Wie viel Zeit braucht man für die Plaza de España?
Für Rundgang und Fotos reichen 45 bis 60 Minuten. Mit Bootsfahrt auf dem Kanal und einer Pause unter den Arkaden wird daraus gut eine Stunde mehr. Da der Parque de María Luisa direkt anschließt, lässt sich der Besuch gut zu einem halben Tag im Grünen ausbauen.





