Baskenland · San Sebastián

Kursaal-Kongresszentrum

Der Kursaal ist das moderne Gesicht San Sebastiáns: zwei schräg gestellte, transluzente Glaskuben an der Mündung des Urumea, direkt am Surfstrand Zurriola. Architekt Rafael Moneo entwarf sie als zwei gestrandete Felsen, 1999 wurde das Kongress- und Konzertzentrum eröffnet.

Tagsüber schimmern die Kuben matt wie Milchglas, nachts leuchten sie von innen. Und jedes Jahr im September rollt hier der rote Teppich des Filmfestivals aus.

Kursaal-Kongresszentrum
Foto: Javier Perez Montes, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionBaskenland
  • Eröffnung1999
  • ArchitektRafael Moneo
  • AuszeichnungMies-van-der-Rohe-Preis 2001
  • LageStadtteil Gros, an der Playa de la Zurriola
  • NutzungKongresse, Konzerte, Filmfestival

Lohnt sich der Kursaal wirklich?

Ja, aber als Abendziel, nicht als Tagesprogramm. Nach Einbruch der Dunkelheit werden die beiden Kuben von innen zu Laternen, und der Blick von der Brücke über den Fluss ist eines der besten Stadtbilder Spaniens aus dem späten 20. Jahrhundert. Dazu kommt der Kontrast: Hinter dir liegt eine Belle-Époque-Stadt voller Ornamente, vor dir zwei nackte Glaskörper.

Ehrlich bleibt: Tagsüber ist es ein großer grauer Block am Strand, und hinein kommst du nur mit Ticket für eine Veranstaltung. Wer Innenräume, Ausstellungen oder eine Führung erwartet, wird meist enttäuscht. Als eigenständiges Ausflugsziel taugt der Kursaal nicht.

Der eigentliche Grund herzukommen ist das Viertel drumherum. Gros ist entspannter als die Altstadt, die Bars sind günstiger, und die Zurriola davor ist der Strand, an dem tatsächlich Wellen ankommen.

Was du hier siehst

Wo die Belle-Époque-Stadt auf Symmetrie und Ornament setzt, antwortet der Kursaal mit radikaler Einfachheit: zwei große, leicht gekippte Kuben aus doppelten Glasscheiben, die sich bewusst nicht am Straßenraster orientieren, sondern an Flussmündung und Meer. Rafael Moneo wollte Baukörper, die wie angespülte Felsen am Strand liegen. Dafür bekam der Kursaal 2001 den Mies-van-der-Rohe-Preis.

Im Inneren stecken ein großes Auditorium, ein Kammermusiksaal, Kongressflächen und Ausstellungsräume. Von außen erlebst du das Gebäude zu jeder Tageszeit anders: mittags milchig matt, in der Dämmerung als riesige Laterne, bei Sturm mit Gischt davor.

Der Kursaal ist außerdem Hauptquartier des Internationalen Filmfestivals, das seit 1953 jeden September stattfindet und zu den wichtigsten Europas gehört. Premieren, Pressekonferenzen und roter Teppich spielen sich hier ab. In dieser Woche ist die ganze Stadt voll, laut und teuer.

Tipp: Den besten Blick auf die leuchtenden Kuben hast du abends von der Zurriola-Brücke oder vom Strand selbst. In Kombination mit einer Pintxos-Runde in Gros wird daraus ein Abend abseits der Altstadt.

Das übersehen die meisten

Der Vorgänger. An dieser Stelle stand bis in die 1970er Jahre das alte Gran Kursaal, ein Casino- und Ballhaus der Belle Époque. Nach dem Abriss lag das Grundstück jahrelang brach, bis Moneos Entwurf kam.

Die Uferpromenade dahinter. Hinter dem Gebäude führt ein Weg am Wasser entlang Richtung Sagües, das ruhige Ende der Zurriola mit Blick auf die offene See.

Die Fassade aus der Nähe. Von Weitem wirkt sie glatt. Direkt davor siehst du, dass die Glasscheiben leicht versetzt sitzen und die Oberfläche in Bahnen zerfällt.

Die Surfer im Winter. An der Zurriola wird das ganze Jahr gesurft. Bei Winterschwell ist das Zuschauen vom Vorplatz aus besser als jede Ausstellung.

Typische Fehler

Nur tagsüber vorbeigehen. Der Kursaal lebt vom Kunstlicht. Wer ihn nur bei Mittagssonne sieht, versteht die Begeisterung nicht.

Im September ohne Buchung anreisen. Während des Filmfestivals sind Hotels ausgebucht und Preise hoch. Wer nicht wegen des Festivals kommt, meidet diese Woche.

Gros auslassen. Wer nur das Gebäude fotografiert und zurückgeht, verpasst das interessanteste Wohnviertel der Stadt.

Wann du hingehen solltest

In der blauen Stunde, kurz nach Sonnenuntergang. Dann leuchten die Kuben, der Himmel ist noch nicht schwarz und die Spiegelung im nassen Sand macht das Foto. Danach beginnt in Gros gerade die Pintxos-Zeit.

Über das Jahr sind Herbst und Winter unterschätzt: mehr Wellen, dramatischeres Licht, kaum Besucher. Die Festivalwoche im September ist Geschmackssache, spannend für Filmfans, anstrengend für alle anderen.

Tickets: Von außen ist der Kursaal jederzeit frei zu erleben. Hinein kommst du mit Tickets für Konzerte, Festivalvorstellungen und Veranstaltungen, gelegentlich werden Architekturführungen angeboten. Programm und Buchung laufen über die offizielle Website.

Zur offiziellen Website

Danach: was in der Nähe liegt

Playa de la Zurriola, 1 Minute. Der Surfstrand der Stadt liegt direkt vor der Tür, Surfkurse findest du unter Aktivitäten in San Sebastián.

Parte Vieja, 10 Minuten. Über die Brücke in die Altstadt, für den Vergleich zwischen den beiden Ausgehvierteln.

Monte Urgull, 15 Minuten. Von seiner Ostflanke siehst du Kursaal und Zurriola aus der Höhe.

Pintxos in Gros, 2 Minuten. Die Bars gleich hinter dem Gebäude, Empfehlungen stehen unter Essen & Trinken in San Sebastián.

Wie der Kursaal in deine Route passt, zeigt die Übersicht San Sebastián Sehenswürdigkeiten.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istAndrang gibt es hier nur während des Filmfestivals im September. Dann sind Vorplatz und Brücke voll, die Stadt teuer und die Hotels ausgebucht. Sonst hast du den Ort fast für dich.
  • Wenn es regnetRegen macht dem Gebäude nichts, im Gegenteil: Nasse Flächen spiegeln die beleuchteten Kuben. Unterstand findest du unter den Arkaden am Vorplatz und in den Bars von Gros gleich dahinter.
  • Mit KindernDer Strand davor ist der eigentliche Kinderteil: viel Sand, Surfer zum Zuschauen, Platz zum Rennen. Das Gebäude selbst interessiert Kinder wenig.
  • Mit eingeschränkter MobilitätVorplatz, Brücke und Uferpromenade sind eben und breit, der ganze Bereich ist bequem befahrbar. Zum Strand hinunter führen Rampen und Treppen.

Häufige Fragen

Kann man den Kursaal besichtigen?

Von außen jederzeit, und genau da liegt für die meisten der Reiz: die Glaskuben am Strand, besonders nach Einbruch der Dunkelheit. Ins Innere kommst du mit Tickets für Konzerte und Veranstaltungen, zeitweise werden auch geführte Architekturtouren angeboten. Aktuelle Termine findest du auf der offiziellen Website.

Wann findet das Filmfestival von San Sebastián statt?

Jedes Jahr im September, seit 1953. Das Festival gehört zu den bedeutendsten Europas und nutzt den Kursaal als Hauptbühne für Premieren und roten Teppich. Für einen normalen Städtetrip ist die Festivalwoche zwiespältig: viel Star-Atmosphäre, aber volle Hotels und hohe Preise. Buche in dieser Zeit deutlich früher.

Warum sieht der Kursaal aus wie zwei schräge Würfel?

Architekt Rafael Moneo wollte kein weiteres Stadtpalais, sondern Baukörper, die zur Landschaft gehören: zwei gestrandete Felsen an der Flussmündung, bewusst gedreht gegen das Straßenraster. Die doppelte Glashaut lässt die Kuben tagsüber matt schimmern und nachts von innen leuchten. Das Konzept brachte ihm 2001 den Mies-van-der-Rohe-Preis ein.

Lohnt sich der Stadtteil Gros für Besucher?

Ja, gerade als Kontrast zur Altstadt: Gros ist jung, surfgeprägt und entspannt, mit der Zurriola als aktivem Wellenstrand direkt vor dem Kursaal. Die Pintxos-Bars sind bei Einheimischen beliebt und oft etwas günstiger als in der Parte Vieja. Für einen Abend mit Essen ist Gros eine der besten Adressen der Stadt.

Wann sieht der Kursaal am besten aus?

Nach Sonnenuntergang in der blauen Stunde, wenn die beiden Kuben von innen leuchten und der Himmel noch Farbe hat. Der beste Standpunkt ist die Zurriola-Brücke oder der Strand selbst. Bei Regen wird das Bild sogar besser, weil sich das Licht in nassem Sand und Pflaster spiegelt.