Auf einen Blick
- StatusComunidad Foral mit eigenem Steuer- und Finanzrecht
- HauptstadtPamplona, baskisch Iruña, auf 460 Metern Höhe
- SprachenSpanisch, im Norden zusätzlich Baskisch
- Landschaftvon den Pyrenäen bis zur Halbwüste Bardenas Reales
- JakobswegEinstieg über Roncesvalles, Wegzusammenfluss in Puente la Reina
- Beste ReisezeitMai, Juni und September, Buchenwälder im Oktober
Der Charakter der Region
Navarra war jahrhundertelang ein eigenes Königreich und hat sich davon mehr bewahrt als einen historischen Namen. Als Comunidad Foral erhebt die Region ihre Steuern selbst und überweist dem Zentralstaat einen ausgehandelten Beitrag, ein Sonderstatus, den sonst nur das Baskenland hat. Auch sprachlich ist die Region geteilt: Im Norden ist Baskisch Amtssprache neben Spanisch, im Süden nicht.
Geografisch ist der Unterschied noch größer. Auf gut 150 Kilometern von Nord nach Süd fährst du von Pyrenäentälern mit über 1.500 Millimetern Jahresniederschlag in eine Halbwüste, in der kaum etwas wächst. Wer nur Pamplona besucht, sieht davon nichts. Wer ein Auto hat, bekommt in vier Tagen zwei völlig verschiedene Landschaften.
Pamplona und San Fermín
Pamplona liegt auf 460 Metern und hat rund 200.000 Einwohner. Die Altstadt ist klein, umschlossen von einer sternförmigen Zitadelle und Bastionen aus dem 16. Jahrhundert, die heute Parks sind. Sehenswert sind die gotische Kathedrale mit ihrem Kreuzgang, der Plaza del Castillo als Wohnzimmer der Stadt und das Rathaus mit der Barockfassade. Details dazu findest du unter Pamplona.
Vom 6. bis 14. Juli findet San Fermín statt, das Fest, das Ernest Hemingway berühmt gemacht hat. Es beginnt am 6. Juli mittags mit dem Chupinazo, einer Rakete vom Rathausbalkon. An den folgenden Morgen läuft jeweils um acht Uhr der Encierro: Sechs Kampfstiere werden auf einer abgesperrten Strecke von gut 800 Metern durch die Altstadt zur Arena getrieben, mitten durch Menschen in Weiß mit roten Halstüchern. Der Lauf dauert selten länger als drei Minuten.
Achtung: Während San Fermín ist die Stadt komplett ausgebucht, oft schon Monate vorher, und die Zimmerpreise vervielfachen sich. Wenn du die Stadt in Ruhe sehen willst, meide die zweite Juliwoche. Wenn du das Fest erleben willst, buche sehr früh oder übernachte im Umland und fahre mit dem Bus.
Der Norden: Pyrenäen, Irati und grüne Täler
Nördlich von Pamplona wird es sofort grün. Die Selva de Irati ist eines der größten Buchen- und Tannenwaldgebiete Europas, im Oktober und November färbt sie sich kupferrot, dann sind die Parkplätze an den Zugängen früh voll. In den Tälern Baztan, Roncal und Salazar stehen Steinhäuser mit weißen Fensterläden, und die Schlucht von Lumbier lässt sich auf einem alten Bahntrassenweg durchwandern, samt Geierkolonie an den Felswänden.
Ein Ziel mit Voranmeldung ist der Nacedero del Urederra, eine Quelle mit türkisfarbenen Becken in der Sierra de Urbasa. Die Zahl der Besucher pro Tag ist begrenzt, du musst vorab online reservieren. Der Weg ist einfach, aber nach Regen rutschig.
Der Süden: Bardenas Reales und die Ribera
Die Bardenas Reales sind eine Halbwüste von rund 400 Quadratkilometern, seit 2000 Biosphärenreservat. Wind und Wasser haben aus Lehm, Gips und Sandstein Tafelberge und freistehende Kegel geformt, der bekannteste heißt Castildetierra. Die Hauptpiste ist frei befahrbar und beginnt bei Arguedas, ein normales Auto reicht bei trockenem Wetter. Es gibt kaum Schatten und kein Wasser, nimm also selbst genug mit.
Rund um die Bardenas liegt die Ribera, das Ebro-Tal Navarras: heiß, trocken und landwirtschaftlich reich. Von hier kommen der weiße Spargel und die Piquillo-Paprika aus Lodosa, die über Feuer geröstet und von Hand geschält werden. Tudela ist die zweitgrößte Stadt der Region und hat eine schöne Kathedrale mit romanischem Portal.
Gut zu wissen: Ein Teil der Bardenas Reales dient als militärischer Übungsplatz, und nach starkem Regen wird die Piste gesperrt, weil der Lehm unpassierbar wird. Prüfe vor der Fahrt den aktuellen Status auf der offiziellen Seite des Naturparks und plane den Besuch morgens, wenn das Licht flacher und die Hitze erträglich ist.
Olite, Estella und der Jakobsweg
Olite hat den Königspalast der navarresischen Könige, eine Burganlage mit Türmen, Zinnen und Wendeltreppen, die im 20. Jahrhundert weitgehend rekonstruiert wurde. Für Kinder ist das der beste Stopp der Region. Ganz in der Nähe steht das Zisterzienserkloster La Oliva.
Der Camino Francés betritt Spanien in Navarra: über den Pass von Roncesvalles, wo die klassische erste Etappe ab Saint-Jean-Pied-de-Port endet. In Puente la Reina treffen der französische und der aragonesische Weg zusammen, die romanische Brücke über den Arga ist eines der meistfotografierten Motive des Camino. Weiter westlich liegt Estella mit romanischen Kirchen, und beim Kloster Irache sprudelt aus einer Wand ein Weinbrunnen für Pilger. Danach führt der Weg weiter nach Logroño in La Rioja.
Essen und Wein
Navarra kocht mit dem Gemüse aus der Ribera. Menestra de verduras ist ein Gemüsegericht aus Artischocken, Bohnen und Spargel, das hier ernster genommen wird als mancher Fleischgang. Dazu kommen Piquillo-Paprika, oft mit Fisch gefüllt, Chistorra, eine dünne Paprikawurst, und Lamm im Chilindrón-Sud. Der Roncal aus dem gleichnamigen Tal war der erste spanische Käse mit geschützter Herkunft.
Beim Wein ist Navarra vor allem für Rosé bekannt, Garnacha-Rosados mit Farbe und Substanz. Es gibt aber auch kräftige Rote, oft günstiger als die Nachbarn aus der Rioja. Als Digestif trinkt man Pacharán, einen Likör aus Schlehen und Anis, kalt aus dem Kühlschrank.
Routenvorschlag für vier bis fünf Tage
Tag 1: Pamplona, Altstadt, Kathedrale und Zitadelle, abends Pinchos am Plaza del Castillo. Tag 2: nach Norden in die Selva de Irati, mit Zwischenstopp in Roncesvalles und Übernachtung im Baztan-Tal. Tag 3: über die Schlucht von Lumbier nach Süden, nachmittags Olite. Tag 4: Bardenas Reales am Morgen, danach Tudela. Tag 5: Puente la Reina und Estella auf dem Rückweg.
Die Region liegt gut für Kombinationen. San Sebastián ist nur 80 Kilometer entfernt, gut 45 Minuten mit dem Auto. Nach Logroño sind es 100 Kilometer und eine Stunde, nach Zaragoza 180 Kilometer und rund zwei Stunden. Damit lässt sich Navarra gut mit dem Baskenland oder mit Aragón zu einer Rundreise verbinden.
Anreise und beste Reisezeit
Pamplona hat einen kleinen Flughafen mit wenigen Inlandsverbindungen, praktischer sind Bilbao oder San Sebastián. Züge verbinden die Stadt mit Madrid, Zaragoza und Barcelona, für die Täler und die Bardenas brauchst du aber ein Auto. Die Bergstraßen im Norden sind gut ausgebaut, aber kurvig, kalkuliere mehr Fahrzeit ein, als die Karte anzeigt.
Pamplona ist deutlich kühler und feuchter als der Süden der Region. Im Januar liegen die Höchstwerte im Mittel bei 8,6 Grad, im Juli bei 27 Grad, es fallen rund 815 Millimeter Regen im Jahr an etwa 118 Tagen. Zum Vergleich: In Logroño, nur 100 Kilometer entfernt, sind es 557 Millimeter. Die Ribera im Süden ist noch trockener und im Hochsommer sehr heiß.
Tipp: Die beste Zeit für Navarra sind Ende Mai bis Juni und der September. Wer die Buchenwälder in Farbe sehen will, kommt Ende Oktober, muss dann aber mit Nebel, Regen und reservierungspflichtigen Parkplätzen rechnen. Für die Bardenas ist der Frühling ideal, im August steht die Hitze dort im Gelände.
Eine Übersicht aller Landesteile findest du unter Regionen Spaniens, und wie die Sonderrechte Navarras im Staatsaufbau verankert sind, erklären wir bei den autonomen Gemeinschaften.
Häufige Fragen
Wann ist San Fermín in Pamplona?
Das Fest läuft jedes Jahr vom 6. bis 14. Juli. Es beginnt am 6. Juli mittags mit dem Chupinazo vor dem Rathaus, danach findet an jedem Morgen um acht Uhr der Stierlauf durch die Altstadt statt. Die Stadt ist in dieser Woche vollständig ausgebucht, Unterkünfte solltest du viele Monate im Voraus reservieren.
Kann man die Bardenas Reales mit dem eigenen Auto besuchen?
Ja. Die Hauptpiste ab Arguedas ist frei befahrbar und mit einem normalen Pkw bei trockenem Wetter kein Problem. Nach starkem Regen wird sie gesperrt, weil der Lehmboden unpassierbar wird, und Teile des Gebiets sind militärisches Übungsgelände. Prüfe den Status vorher, fahre langsam und nimm Wasser mit, es gibt keinen Schatten.
Wie viele Tage braucht man für Navarra?
Vier bis fünf Tage sind ein guter Rahmen: ein Tag Pamplona, ein bis zwei Tage im Norden mit Irati und den Tälern, ein Tag für Olite und die Bardenas, ein Tag für den Jakobsweg um Puente la Reina und Estella. Mit nur zwei Tagen konzentrierst du dich auf Pamplona plus eine der beiden Landschaften.
Spricht man in Navarra Baskisch?
Im Norden ja. Navarra ist sprachlich in Zonen aufgeteilt: Im nördlichen Gebiet ist Baskisch neben Spanisch Amtssprache, in einer mittleren Zone teilweise, im Süden nicht. Praktisch heißt das zweisprachige Ortsschilder rund um Pamplona und im Bergland. Verständigungsprobleme gibt es für Reisende keine, Spanisch versteht überall jeder.
Wann ist die beste Reisezeit für Navarra?
Ende Mai bis Juni und der September. Dann sind die Bergwege frei, die Bardenas noch nicht glühend heiß und die Städte angenehm. Pamplona ist mit rund 815 Millimetern Jahresniederschlag deutlich feuchter als der Süden der Region, rechne also auch im Sommer mit Regentagen. Ende Oktober lohnt sich die Herbstfärbung der Buchenwälder.
Lohnt sich Pamplona außerhalb von San Fermín?
Ja, gerade dann. Die Altstadt ist kompakt und ohne Gedränge in einem halben Tag zu Fuß zu erkunden, die Pincho-Bars sind ganzjährig gut, und die Stadt liegt ideal als Basis für Ausflüge in die Pyrenäen oder nach Süden. Außerhalb der Festwoche sind Unterkünfte zudem normal verfügbar.






