Kantabrien · Spanien

Comillas: Sehenswürdigkeiten & Tipps

Comillas ist ein Dorf mit rund 2.000 Einwohnern an der kantabrischen Küste, und es besitzt mehr katalanische Jugendstilarchitektur als jeder andere Ort außerhalb Kataloniens. Der Grund ist ein einzelner Mann: Antonio López, in Comillas geboren, machte in Kuba ein Vermögen, wurde zum Marqués de Comillas und holte die besten Architekten Barcelonas in sein Heimatdorf.

Herausgekommen sind El Capricho von Antoni Gaudí, ein neugotischer Palast, eine gewaltige Universität auf dem Hügel und ein Friedhof mit einem Engel über den Ruinen. Dazu zwei Strände und eine Altstadt aus Stein. Hier liest du, was du in einem halben bis ganzen Tag schaffst.

Comillas: Sehenswürdigkeiten & Tipps
Foto: Respinya, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionKantabrien, rund 50 Kilometer westlich von Santander
  • Bekannt fürEl Capricho von Antoni Gaudí, 1883 bis 1885
  • Besonderheiterster Ort Spaniens mit elektrischer Straßenbeleuchtung, 1881
  • Ideale Dauerein halber bis ein ganzer Tag
  • Beste ReisezeitJuni bis September
  • AnreiseBus oder Auto ab Santander, rund eine Stunde

Lohnt sich Comillas?

Ja, und zwar auch dann, wenn du sonst kein Architekturfan bist. Nirgends sonst stehen drei bedeutende Bauten des katalanischen Modernisme so dicht beieinander wie hier, und alle drei liegen in Sichtweite voneinander auf einem Hügel über dem Meer. Dazu kommt ein Ortskern aus Stein, in dem sich abends die Terrassen füllen.

Comillas ist klein. Ein halber Tag reicht für El Capricho, Palast und Friedhof, ein ganzer Tag, wenn du den Strand und die Universität dazunimmst. Die meisten kommen als Tagesausflug aus Santander.

Die Top-Sehenswürdigkeiten in Comillas

Alle Bauten liegen im Umkreis von zehn Gehminuten. Steigungen gibt es reichlich, feste Schuhe helfen.

1 El Capricho de Gaudí

Das kleine Sommerhaus entstand zwischen 1883 und 1885 für Máximo Díaz de Quijano, einen Schwager des Marqués. Es ist eines der wenigen Werke Antoni Gaudís außerhalb Kataloniens und stammt aus seiner frühen, orientalisch beeinflussten Phase: Backsteinbänder, ein Mantel aus Keramikfliesen mit Sonnenblumenmotiv und ein schlanker Turm über der Eingangsloggia, der an ein Minarett erinnert.

Gaudí selbst war nie vor Ort, die Bauleitung übernahm sein Studienkollege Cristóbal Cascante. Heute ist das Haus ein Museum, du kannst durch die Räume gehen und die Lichtführung sehen, für die Gaudí den Grundriss nach dem Sonnenlauf ausgerichtet hat.

Tickets: El Capricho hat ein eigenes Ticket, das nicht für Palast und Universität gilt. Im Sommer und an Feiertagen lohnt sich der Kauf vorab online, an normalen Tagen kommst du meist spontan hinein. Wer alles sehen will, plant die drei Bauten nacheinander und prüft vorher die Öffnungstage.

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2 Palacio de Sobrellano

Direkt neben El Capricho steht der neugotische Palast, den Joan Martorell für den ersten Marqués de Comillas baute. Von außen wirkt er wie eine englische Landresidenz, innen sind Säle, Kamine und Holzdecken zu besichtigen.

Wichtiger für Gaudí-Fans ist die zugehörige Kapelle mit der Familiengruft: Das Mobiliar darin, Bänke und Beichtstuhl, entwarf der junge Gaudí. Palast und Kapelle haben getrennte Besichtigungen.

3 Universidad Pontificia

Auf der Hügelkuppe über dem Ort thront ein gewaltiger Bau, den man in einem 2.000-Einwohner-Dorf nicht erwartet: die ehemalige Päpstliche Universität, ebenfalls von Martorell entworfen, mit Eingriffen von Lluís Domènech i Montaner, der Portal und Dekor beisteuerte.

Heute wird der Komplex für Sprachkurse und Tagungen genutzt und ist mit Führung zugänglich. Schon der Weg hinauf lohnt sich, von der Terrasse blickst du über Dorf, Küste und die Berge dahinter.

4 Der Friedhof mit dem Engel

Der alte Friedhof liegt auf einem Felsvorsprung über dem Meer, angelegt in den Ruinen einer gotischen Kirche, deren Mauern noch stehen. Auf der höchsten Mauer wacht der Ángel Exterminador, eine Marmorfigur von Josep Llimona.

Der Ort ist frei zugänglich und einer der eindrucksvollsten Friedhöfe Spaniens, besonders bei Wind und Wolken. Ein paar Minuten Ruhe gehören dazu.

5 Der Ortskern

Zwischen den Denkmälern liegt ein Dorf aus Stein: die Plaza del Corro de Campíos mit dem Brunnen der drei Rohre, das alte Rathaus, enge Gassen mit Wappensteinen über den Türen. Am Abend füllen sich hier die Terrassen.

Eine Randnotiz mit Wirkung: Comillas war 1881 der erste Ort Spaniens mit elektrischer Straßenbeleuchtung, eingerichtet zum Besuch von König Alfonso XII.

6 Playa de Comillas und Oyambre

Unterhalb des Ortes liegt der Ortsstrand, ein breiter Sandbogen mit Blick zurück auf die Universität, gut zu Fuß erreichbar. Westlich schließt der Naturpark Oyambre an, dessen langer Strand zwischen Dünen und Wiesen liegt und deutlich wilder wirkt.

Das Wasser ist atlantisch kühl, an beiden Stränden wird gesurft. Im Juli und August sind sie voll, außerhalb der Saison hast du sie fast für dich.

Warum steht hier so viel Modernisme?

Antonio López y López verließ Comillas als Junge, machte in Kuba ein Vermögen mit Handel und Schifffahrt, gründete eine Reederei und wurde vom König zum Marqués de Comillas erhoben. Zurück in der Heimat ließ er sein Dorf von den Architekten ausbauen, die damals in Barcelona den Ton angaben. Die Familie holte den König zum Sommeraufenthalt her, und Comillas wurde für einige Jahrzehnte ein mondäner Ort.

Diese Konzentration erklärt, warum du für die wichtigsten Bauten keine langen Wege brauchst. Wer den Kontext dazu sucht: In Barcelona stehen mit der Sagrada Família und dem Park Güell Gaudís späte Hauptwerke, El Capricho zeigt seinen Anfang.

Tipp: Komm früh oder spät. Reisebusse aus Santander und Bilbao erreichen Comillas meist zwischen 11 und 16 Uhr, dann stehen Schlangen vor El Capricho. Am frühen Morgen oder am späten Nachmittag hast du das Haus und den Friedhof fast für dich, und das Licht ist besser.

Praktische Tipps

Anreise und Parken

Von Santander sind es rund 50 Kilometer, mit dem Auto etwa eine Stunde über die Küstenstraße, mit dem Linienbus etwas länger. Einen Bahnhof hat Comillas nicht. Im Sommer sind die Parkplätze im Ort schnell voll, halte dich an die ausgeschilderten Flächen am Ortsrand und lauf die letzten Minuten. Viele kombinieren Comillas mit Santillana del Mar und San Vicente de la Barquera an einem Tag.

Beste Reisezeit und Wetter

Juni bis September ist am angenehmsten, mit milden Temperaturen und offenen Strandbars. Kantabrien ist grün, weil es regnet, Schauer sind das ganze Jahr möglich, und der feine Nieselregen kann auch im Juli durchziehen. Der Vorteil außerhalb der Hochsaison: leere Strände, kurze Wartezeiten und die Küste in ihrer rauen Version. Winter ist mild, aber viele Betriebe machen Pause.

Übernachten in Comillas

Das Angebot besteht aus kleinen Hotels, Landhäusern und Ferienwohnungen, viele in restaurierten Steinhäusern. Wer im Ortskern schläft, hat alles zu Fuß und abends Terrassen vor der Tür. Im Juli und August ist Comillas ein gefragtes Ziel spanischer Familien, dann musst du Monate vorher buchen und mit deutlich höheren Preisen rechnen. Außerhalb der Saison ist die Auswahl kleiner, weil Häuser schließen. Alternative Basis: Santander mit deutlich mehr Betten.

Ausflüge in die Umgebung

In wenigen Kilometern erreichst du Santillana del Mar, ein komplett erhaltenes Steindorf mit Stiftskirche, und die Nachbildung der Höhle von Altamira. Weiter westlich liegt San Vicente de la Barquera mit Burg und Fischereihafen. Landeinwärts beginnen die Picos de Europa mit der Seilbahn von Fuente Dé. Nach Osten sind es rund 50 Kilometer nach Santander und gut anderthalb Stunden nach Bilbao, nach Westen erreichst du über die Küstenautobahn Asturien mit Gijón.

Klima und Anreise auf einen Blick

Gerade in Comillas25°Cüberwiegend klar
  • Wärmster MonatAugust, 24 °C
  • Kühlster MonatJanuar, 6 °C
  • Trockenster MonatJuli
  • Höhe25 m

Temperatur Tag und Nacht, in Grad Celsius

13°6°J
14°7°F
15°8°M
16°9°A
18°12°M
21°15°J
23°17°J
24°17°A
22°16°S
20°13°O
16°10°N
15°8°D

Regen Millimeter und Regentage pro Monat

158mm15 TageJ
143mm14 TageF
129mm16 TageM
93mm14 TageA
86mm14 TageM
93mm15 TageJ
64mm12 TageJ
71mm12 TageA
101mm13 TageS
122mm13 TageO
171mm16 TageN
129mm14 TageD

Entfernung ab deutschen Flughäfen

AbEntfernungFlugzeit ca.
Stuttgart (STR)1.196 km2 Std. 5 Min.
Köln/Bonn (CGN)1.198 km2 Std. 5 Min.
Düsseldorf (DUS)1.209 km2 Std. 5 Min.
Frankfurt (FRA)1.225 km2 Std. 5 Min.
München (MUC)1.358 km2 Std. 15 Min.
Hamburg (HAM)1.545 km2 Std. 30 Min.
Berlin (BER)1.653 km2 Std. 40 Min.

Monatswerte sind Durchschnitte der Jahre 2015 bis 2024, berechnet aus der ERA5-Reanalyse von Copernicus, bereitgestellt über Open-Meteo (CC BY 4.0). Die aktuelle Temperatur liefert das Meteorologische Institut Norwegen (CC BY 4.0). Die Flugzeit ist aus der Luftlinie geschätzt und setzt einen Direktflug voraus, nicht von jedem Flughafen gibt es eine direkte Verbindung.

Städte in der Nähe

StadtEntfernungMit dem Auto etwa
Santander40 km50 km, 0 Std. 30 Min.
Bilbao111 km140 km, 1 Std. 30 Min.
Gijón112 km140 km, 1 Std. 30 Min.
Oviedo126 km160 km, 1 Std. 45 Min.
Burgos126 km160 km, 1 Std. 45 Min.
Avilés133 km170 km, 2 Std. 0 Min.

Entfernungen sind Luftlinie, die Fahrzeit ist aus der Straßenentfernung geschätzt und hängt von Route und Verkehr ab.

Häufige Fragen

Was ist El Capricho de Gaudí?

Ein kleines Sommerhaus, das Antoni Gaudí zwischen 1883 und 1885 für einen Verwandten des Marqués de Comillas entwarf. Es gehört zu seinen frühen Werken und zu den wenigen außerhalb Kataloniens: Backsteinbänder, Keramikfliesen mit Sonnenblumen und ein turmartiger Aufbau über dem Eingang. Heute ist das Haus ein Museum mit eigenem Ticket.

Wie viel Zeit braucht man für Comillas?

Ein halber Tag reicht für El Capricho, den Palacio de Sobrellano und den Friedhof mit dem Engel. Ein ganzer Tag lohnt sich, wenn du die Universidad Pontificia mit Führung besichtigst und Zeit am Strand oder im Naturpark Oyambre verbringst. Viele kombinieren Comillas an einem Tag mit Santillana del Mar.

Wie kommt man von Santander nach Comillas?

Mit dem Auto in rund einer Stunde über die Küstenstraße, rund 50 Kilometer. Linienbusse fahren mehrmals täglich und brauchen etwas länger, prüfe die Rückfahrzeiten vor dem Hinweg. Einen Bahnanschluss hat Comillas nicht. Im Sommer sind die Parkplätze im Ort früh belegt, nutze die ausgeschilderten Flächen am Ortsrand.

Kann man in Comillas baden?

Ja. Direkt unter dem Ort liegt die Playa de Comillas, ein breiter Sandstrand mit Blick auf die Universität. Westlich schließt der lange, wildere Strand im Naturpark Oyambre an. Beide sind Atlantikstrände: kühles Wasser, Wellen und im Sommer gut besucht. Gesurft wird an beiden, außerhalb der Hochsaison ist viel Platz.

Lohnt sich Comillas auch bei Regen?

Ja, weil die Höhepunkte Innenräume sind: El Capricho, der Palacio de Sobrellano mit seiner Kapelle und die Universität lassen sich gut bei schlechtem Wetter besichtigen. Der Friedhof über dem Meer wirkt bei Wind und Wolken sogar eindrucksvoller. Nur der Strandtag fällt aus, dafür sind die Wege zwischen den Bauten kurz.