Andalusien · Granada

Kloster La Cartuja

Das Monasterio de la Cartuja ist Granadas große Barock-Überraschung: außen schlicht, innen eine Folge aus Marmor, Stuck und vergoldetem Holz. Vor allem die Sakristei gilt als eines der prächtigsten Beispiele des spanischen Spätbarock überhaupt.

Das Kartäuserkloster liegt außerhalb des Zentrums im Norden der Stadt. Genau deshalb hast du es oft fast für dich, während sich an der Alhambra die Gruppen drängen.

Kloster La Cartuja
Foto: Germán Póo-Caamaño from Victoria, Canadá, CC BY 2.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionAndalusien
  • TypKartäuserkloster mit Barockkirche
  • Bauzeit16. bis 18. Jahrhundert
  • Besuchsdauer45 Minuten bis 1,5 Stunden
  • LageNördlich des Zentrums, nahe Universitätscampus

Lohnt sich La Cartuja wirklich?

Für Barockfans ohne Zweifel. Die Sakristei allein rechtfertigt die Anfahrt: weißer Stuck in unzähligen geschwungenen Formen, Schränke aus eingelegten Edelhölzern, Marmor in Braun und Grau. Der Raum wirkt, als wäre er modelliert und nicht gebaut. So etwas siehst du in Andalusien kein zweites Mal.

Für alle anderen gilt: Es ist ein Umweg. Das Kloster liegt gut zwei Kilometer nördlich des Zentrums, und du brauchst mit Hin- und Rückfahrt gut zwei Stunden. Wenn du nur zwei Tage in Granada hast und Kirchen dich wenig reizen, streich La Cartuja zugunsten von Albaicín und Alhambra.

Was du hier siehst

Der Bau begann Anfang des 16. Jahrhunderts, gearbeitet wurde über 200 Jahre. Deshalb erlebst du im Kloster einen Stilwechsel im Zeitraffer: Der Kreuzgang ist noch ruhig und klar, die Kirche schon üppig, und im Sagrario und der Sakristei dreht der Spätbarock vollends auf. Ein Rundgang, der sich steigert, statt gleich alles zu zeigen.

Die Kartäuser lebten schweigend und weitgehend allein in ihren Zellen. Genau dieser Gegensatz macht den Ort interessant: ein Orden der Askese, der seine Kirche mit dem größten denkbaren Aufwand ausstattete.

Der Rundgang

1 Kreuzgang und Refektorium

15 Minuten. Der stille Auftakt mit Blick in den Innenhof und den Gemälden zum Kartäuserorden. Hier ist noch nichts von dem zu ahnen, was gleich kommt.

2 Kirche

15 Minuten. Vergoldetes Holz, Marmor und Deckenfresken. Stell dich einmal unter die Vierung und schau nach oben, bevor du weitergehst.

3 Sagrario und Sakristei

20 bis 30 Minuten. Der Grund für den Besuch. Geh nah an die Schränke heran, die Einlegearbeiten aus verschiedenen Hölzern sind aus zwei Metern Entfernung nicht zu erkennen.

Tickets: Du bekommst Tickets am Eingang oder vorab online über die offizielle Website. Anders als bei der Alhambra musst du hier nicht Wochen im Voraus planen, spontane Besuche klappen fast immer.

Das übersehen die meisten

  • Die Einlegearbeiten der Sakristeischränke aus Schildpatt, Silber und Edelhölzern. Aus der Distanz sieht man nur Muster, aus der Nähe eine Handwerksleistung.
  • Die Scheinarchitektur an den Wänden: Vieles, was wie Marmor aussieht, ist bemalter Stuck.
  • Die Gemäldeserie im Refektorium zur Geschichte des Ordens, ungeschönt und dadurch erstaunlich modern.
  • Der Blick vom Vorplatz über die Vega. Weil das Kloster erhöht liegt, bekommst du hier einen Panoramablick gratis dazu.

Typische Fehler

  • Zu Fuß hingehen, ohne den Weg zu kennen. Die 30 Minuten führen durch Wohnviertel ohne Reiz, nimm Bus oder Taxi.
  • Ohne Blick auf die Zeiten losfahren. Gottesdienste und Feiertage schränken den Zugang ein.
  • Mit Blitz fotografieren. Stuck und Vergoldung leiden, und meist ist es ohnehin untersagt.

Tipp: Kombiniere La Cartuja auf dem Rückweg mit dem Monasterio de San Jerónimo und der Basílica San Juan de Dios. Die drei Bauten liegen grob auf einer Linie zurück ins Zentrum und ergeben zusammen einen halben Tag Barock und Renaissance abseits der Touristenströme.

Wann du hingehen solltest

Vormittags ist das Licht in der Sakristei am besten, weil es von der Seite einfällt und den Stuck plastisch macht. Im Hochsommer ist der kühle Innenraum eine willkommene Pause, im Winter ist es dafür empfindlich kalt, zieh eine Schicht mehr an.

Für die Tagesplanung heißt das: La Cartuja gehört an den Anfang eines Vormittags. Fahr direkt nach dem Frühstück hinauf, dann bleibt der Nachmittag frei für Alhambra oder Albaicín.

Danach: was in der Nähe liegt

Das Monasterio de San Jerónimo liegt gut 25 Gehminuten Richtung Zentrum, zwei Minuten weiter steht die Basílica San Juan de Dios, von dort sind es noch einmal zehn Minuten bis zu Kathedrale und Capilla Real. Verbindungen stehen unter Verkehr in Granada, alle weiteren Ziele in der Übersicht Granada Sehenswürdigkeiten.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istSelbst in der Hochsaison ist La Cartuja selten voll, Reisegruppen kommen nur vereinzelt. Wenn doch gerade eine Führung im Sakristeiraum steht, dreh die Runde einfach um und beginne bei der Kirche.
  • Wenn es regnetEin guter Regentag-Plan, denn der komplette Rundgang liegt im Trockenen. Nur der Weg vom Bus zum Eingang und der Innenhof sind draußen, das sind wenige Minuten.
  • Mit KindernEhrlich gesagt kein Kinderprogramm. Es gibt nichts zum Anfassen und nichts zu entdecken, außer man macht ein Suchspiel aus den Stuckornamenten der Sakristei. Mit Kindern ist der Parque de las Ciencias die deutlich bessere Wahl.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDer Rundgang verläuft weitgehend ebenerdig, es gibt nur wenige Stufen zwischen den Räumen. Die Anfahrt mit Bus oder Taxi ist unkompliziert, der Fußweg aus dem Zentrum dagegen lang und ohne Reiz.

Häufige Fragen

Wie lange dauert der Besuch im Kloster La Cartuja?

Plane 45 Minuten bis 1,5 Stunden ein. Der Rundgang durch Kreuzgang, Kirche, Sagrario und Sakristei ist kompakt, aber die Fülle an Details lädt zum Verweilen ein. Zusammen mit An- und Rückfahrt aus dem Zentrum solltest du insgesamt gut zwei Stunden rechnen.

Lohnt sich La Cartuja, wenn ich schon die Kathedrale gesehen habe?

Ja, denn beide Bauten sind völlig unterschiedlich. Die Kathedrale ist ein heller Renaissancebau, La Cartuja dagegen spätbarocke Überfülle mit Stuck und vergoldetem Holz. Gerade die Sakristei hat in Granada keine Entsprechung. Wer nur eine Kirche besuchen will, nimmt die Kathedrale wegen der zentralen Lage.

Wie komme ich vom Zentrum zum Kloster La Cartuja?

Zu Fuß brauchst du vom Bereich der Kathedrale etwa 30 Minuten, der Weg ist unspektakulär. Schneller geht es mit dem Stadtbus Richtung Campus de Cartuja oder mit dem Taxi. Die Rücktour kannst du mit dem Monasterio de San Jerónimo verbinden, das auf halbem Weg liegt.

Muss ich Tickets für La Cartuja vorbestellen?

Nein, in der Regel nicht. Das Kloster ist deutlich weniger besucht als die Alhambra, Tickets gibt es am Eingang oder vorab online auf der offiziellen Website. Prüfe vor dem Besuch kurz die aktuellen Zeiten, da Gottesdienste und Feiertage den Zugang einschränken können.

Darf man im Kloster fotografieren?

Die Regeln ändern sich gelegentlich, meist ist Fotografieren ohne Blitz und Stativ erlaubt. Achte auf die Hinweisschilder am Eingang und verzichte in jedem Fall auf Blitz, um die empfindlichen Oberflächen aus Stuck und vergoldetem Holz zu schonen.