Andalusien · Sevilla

Casa de Pilatos

Die Casa de Pilatos ist der schönste Stadtpalast Sevillas: ein Geflecht aus Mudéjar-Bögen, Renaissance-Loggien und stillen Innenhöfen, dazu eine der größten Azulejo-Sammlungen Spaniens. Wer den Real Alcázar liebt, aber die Warteschlangen fürchtet, bekommt hier eine ganz ähnliche Ästhetik fast für sich allein.

Der Palast liegt an der Plaza de Pilatos am Rand der Altstadt und gehört bis heute der Stiftung des Herzogshauses Medinaceli. Hier liest du, welches Ticket du brauchst und was du auf keinen Fall auslassen solltest.

Casa de Pilatos
Foto: Jl FilpoC, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionAndalusien
  • LageAltstadt, Plaza de Pilatos
  • Epoche15./16. Jahrhundert, Mudéjar und Renaissance
  • Dauer1 bis 1,5 Stunden
  • Beste ZeitVormittags unter der Woche
  • BesitzerFundación Casa Ducal de Medinaceli

Lohnt sich die Casa de Pilatos wirklich?

Ja, besonders wenn du Azulejos magst. Der Hauptpatio zählt zu den schönsten Innenhöfen Spaniens, und du stehst meist fast allein darin. Anders als der Alcázar wirkt das Haus bewohnt, nicht museal: Die Familie Medinaceli nutzt Teile bis heute, die Räume sind eingerichtet statt inszeniert.

Auslassen kannst du sie, wenn du nur einen Tag in Sevilla hast und dein Alcázar-Ticket schon steht. Zwei Paläste in derselben Formensprache an einem Tag sind für die meisten zu viel des Guten. Ab zwei Tagen ist die Casa de Pilatos aber der ruhigste und einer der lohnendsten Programmpunkte der Stadt.

Was du hier siehst

Herzstück ist der Hauptpatio mit Marmorbrunnen aus Genua, Arkaden im Mudéjar-Stil und antiken Büsten römischer Kaiser. Die Wände sind bis auf Schulterhöhe mit Azulejos aus dem 16. Jahrhundert verkleidet, über 150 verschiedene Muster, kein Feld gleicht dem anderen. Dazu kommen geschnitzte Holzdecken, Stuck wie im Alcázar und zwei Gärten voller Orangenbäume und Bougainvillea.

Der Name geht auf Don Fadrique Enríquez de Ribera zurück, den ersten Marqués de Tarifa. Er pilgerte 1519 nach Jerusalem und richtete nach seiner Rückkehr einen Kreuzweg ein, der an seinem Palast begann. Im Volksmund wurde der Startpunkt kurzerhand zum Haus des Pilatus, in Anlehnung an den Amtssitz des Pontius Pilatus. Der Name blieb hängen.

Der Rundgang

1 Apeadero und Hauptpatio

Durch den Vorhof mit dem marmornen Portal kommst du in den Hauptpatio. Nimm dir hier bewusst Zeit für die Azulejo-Muster und die Kaiserbüsten. 20 Minuten.

2 Salons im Erdgeschoss

Rund um den Patio liegen der Prätorensaal, die Kapelle mit gotischem Gewölbe und mehrere Räume mit geschnitzten Decken. Die Kapelle ist der älteste Teil des Hauses. 20 Minuten.

3 Die beiden Gärten

Der große und der kleine Garten sind vollkommen unterschiedlich angelegt: der eine offen mit Loggia, der andere schattig und überwachsen. Hier setzt du dich hin. 20 Minuten.

4 Obergeschoss mit Führung

Das Obergeschoss siehst du nur geführt, dafür stehst du in möblierten Privaträumen mit Gemälden von Goya bis Luca Giordano. Die Führungen starten regelmäßig. 30 Minuten.

Das übersehen die meisten

  • Die Decke der Haupttreppe. Über der Prunktreppe wölbt sich eine goldene Artesonado-Kuppel aus geschnitztem Holz, eine der schönsten der Stadt. Sie liegt auf dem Weg ins Obergeschoss.
  • Die Antikensammlung. Zwischen den Bögen stehen echte römische Skulpturen, teils aus Itálica, teils aus Italien importiert.
  • Die Kapelle der Flagellation. Ein kleiner gotisch-mudéjarer Raum mit Kreuzrippen, der bewusst düster gehalten ist und den Ausgangspunkt des Kreuzwegs markierte.
  • Die Filmkulisse. Szenen aus Lawrence von Arabien entstanden hier, später auch Aufnahmen für weitere Historienfilme.

Tickets: Anders als beim Alcázar musst du hier selten vorbuchen. Tickets gibt es an der Kasse, das Obergeschoss wird in festen Zeitfenstern geführt. Nimm das Komplett-Ticket, der Aufpreis lohnt sich. Aktuelle Infos auf der Website der Medinaceli-Stiftung.

Zur offiziellen Website

Typische Fehler

  • Nur das Erdgeschoss buchen und das eigentliche Wohnhaus verpassen.
  • Den Besuch zwischen zwei Highlights quetschen. Der Ort lebt davon, dass du im Garten sitzen bleibst.
  • Die Casa de Pilatos mit der Casa de Salinas verwechseln. Beide sind Palasthäuser, die Salinas ist kleiner und nur mit Reservierung zugänglich.

Wann du hingehen solltest

Vormittags unter der Woche sind die Patios oft fast leer. Am späten Nachmittag fällt die Sonne schräg in den Hauptpatio und lässt die Azulejos leuchten, das ist die schönere Lichtstimmung. Im Frühling blüht der Garten, im Hochsommer ist das Haus dank dicker Mauern angenehm kühl.

Tipp: Setz dich nach dem Rundgang zehn Minuten in den kleinen Garten. Der Palast ist genau dafür gebaut, und die meisten Besucher laufen hindurch, ohne einmal stehen zu bleiben.

Danach: was in der Nähe liegt

Mehr Ideen findest du in der Übersicht der Sehenswürdigkeiten von Sevilla.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istSelten ein Problem. Wenn doch Gruppen im Hauptpatio stehen, geh erst in die Gärten und komm später zurück, die meisten Führungen bleiben nur zehn Minuten im Hof.
  • Wenn es regnetFast ideal: Patios sind zwar offen, die umlaufenden Arkaden und alle Salons aber überdacht. Die Führung durch das Obergeschoss ist komplett innen.
  • Mit KindernDie Azulejos mit ihren Mustern und die römischen Büsten kommen gut an, der Garten bietet Auslauf. Für längere Führungen sind kleinere Kinder schnell ungeduldig.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDas Erdgeschoss mit Patios und Gärten ist weitgehend ebenerdig, allerdings mit Schwellen. In das Obergeschoss führt nur eine Treppe, es ist nicht barrierefrei.

Häufige Fragen

Lohnt sich die Casa de Pilatos?

Ja, besonders wenn du Azulejos und maurisch inspirierte Architektur magst. Die Casa de Pilatos gilt als schönster Privatpalast der Stadt und ist deutlich ruhiger als der Alcázar. Für Wiederholungsbesucher in Sevilla ist sie oft das eigentliche Highlight.

Wie lange dauert der Besuch der Casa de Pilatos?

Plane eine bis anderthalb Stunden ein. Das Erdgeschoss mit Patios und Gärten schaffst du in 45 Minuten, die Führung durch das Obergeschoss dauert etwa eine halbe Stunde extra. Mit Fotopausen im Hauptpatio wird es schnell länger.

Casa de Pilatos oder Alcázar: was ist besser?

Der Real Alcázar ist größer, spektakulärer und ein Pflichtbesuch beim ersten Mal. Die Casa de Pilatos ist intimer, leerer und lässt sich spontan besuchen. Ideal ist beides: der Alcázar für das große Staunen, die Casa de Pilatos für die Ruhe danach.

Muss man Tickets für die Casa de Pilatos vorbestellen?

In der Regel nicht. Tickets bekommst du fast immer direkt an der Kasse, auch in der Hochsaison. Nur wer eine bestimmte Uhrzeit für die Führung durch das Obergeschoss will, sollte etwas Puffer einplanen, weil die Zeitfenster begrenzt sind.

Warum heißt die Casa de Pilatos so?

Der Bauherr Don Fadrique Enríquez de Ribera pilgerte 1519 nach Jerusalem und ließ danach einen Kreuzweg anlegen, der an seinem Palast startete. Das Volk nannte den Startpunkt „Haus des Pilatus“, nach dem Amtssitz von Pontius Pilatus in Jerusalem.