Auf einen Blick
- RegionAndalusien, Altstadt von Sevilla
- CharakterEhemalige Judería, Gassenviertel aus dem Mittelalter
- LageZwischen Alcázar, Kathedrale und Jardines de Murillo
- Besuchsdauer1 bis 2 Stunden, gern mehrfach
- EintrittFrei, einzelne Häuser kosten
Lohnt sich das Barrio Santa Cruz wirklich?
Ja, aber nicht als Sehenswürdigkeit, sondern als Stimmung. Es gibt hier kein Museum, das du abhaken kannst, und keinen Aussichtspunkt. Es gibt enge weiße Gassen, Bitterorangen, offene Patios mit Kacheln und Brunnen, und abends Laternenlicht. Wer sich darauf einlässt, hat den schönsten Spaziergang Sevillas.
Auslassen kannst du das Viertel, wenn du nur tagsüber Zeit hast, Menschenmengen hasst und lieber Substanz als Kulisse magst. Dann fährst du besser nach Triana, wo die Nachbarschaft echt und nicht herausgeputzt ist. Ehrlich gesagt lohnt sich beides, nur zu unterschiedlichen Tageszeiten.
Was du hier siehst
Nach der christlichen Eroberung 1248 wurde das Viertel den jüdischen Familien der Stadt zugewiesen, mit eigenen Toren zur Abgrenzung. Auf eine Blütezeit folgten Pogrome und 1492 die Vertreibung, aus Synagogen wurden Kirchen wie Santa María la Blanca. Seinen heutigen Bilderbuch-Charakter bekam Santa Cruz erst im 19. und frühen 20. Jahrhundert, als die Stadt das verfallene Viertel für Besucher herausputzte.
Das solltest du wissen, es macht den Spaziergang interessanter: Die Kulisse ist echt alt, die Romantik zum Teil inszeniert. Die Blumentöpfe hängen dort, wo sie gut aussehen, die Gassennamen erzählen Legenden statt Geschichte. Schön ist es trotzdem, und die Patios hinter den schmiedeeisernen Gittern sind es sowieso.
Der Rundgang
1 Patio de Banderas und Callejón del Agua
Starte am Ausgang des Alcázar im Patio de Banderas, einem stillen Hof mit Orangenbäumen. Von dort führt der Callejón del Agua an der alten Palastmauer entlang, benannt nach der Wasserleitung, die oben in der Mauer lief. 15 Minuten.
2 Plaza de Doña Elvira und Plaza de Santa Cruz
Zwei kleine Plätze, beide mit Azulejo-Bänken, Orangenbäumen und Brunnen. Auf der Plaza de Santa Cruz steht ein schmiedeeisernes Kreuz aus dem 17. Jahrhundert. Hier setzt du dich am besten kurz hin. 20 Minuten.
3 Calle Susona und die engen Gassen
An der Calle Susona hängt ein Keramikschädel, Erinnerung an die düsterste Legende des Viertels. Von hier lohnt der Umweg über die Calle Reinoso, so schmal, dass man sie Gasse der Küsse nennt. 20 Minuten.
4 Jardines de Murillo
Am Südrand endet das Viertel in den Murillo-Gärten mit Palmen, Kachelbänken und Schatten. Der perfekte Abschluss, vor allem im Sommer. 15 Minuten.
Was viele Besucher verpassen
- Die offenen Patios. Viele Hauseingänge stehen tagsüber offen, dahinter liegen gekachelte Höfe mit Brunnen. Reinschauen ist erlaubt, hineingehen nicht.
- Santa María la Blanca. Die kleine Kirche war eine Synagoge und ist innen ein weißer Stuckrausch. Sie kostet nichts und ist fast immer leer.
- Die Hausnummern und Kachelschilder. Die Straßennamen stehen auf gemalten Azulejos, viele aus Werkstätten in Triana. Achte auf die unterschiedlichen Schrifttypen.
- Zwei Häuser zum Hineingehen. Das Hospital de los Venerables mit versenktem Barockhof und die Casa de Salinas, ein bewohnter Renaissancepalast für kleine Gruppen.
Achtung: In den engen Gassen arbeiten Taschendiebe, besonders wenn Gruppen sich stauen. Trage den Rucksack vorn und lass das Handy nicht am Tischrand liegen.
Diese Fehler kannst du dir sparen
- An den Hauptplätzen essen. Die Terrassen dort leben von Laufkundschaft, du zahlst für die Lage. Iss ein paar Straßen weiter oder gleich in Triana.
- Nur tagsüber kommen. Die Stimmung entsteht abends bei Laternenlicht, wenn die Gruppen weg sind.
- Mit dem Stadtplan in der Hand laufen. Das Viertel ist so klein, dass du nach zehn Minuten sowieso wieder an einem bekannten Platz stehst.
Wann du hingehen solltest
Früh am Morgen vor 10 Uhr oder nach 21 Uhr. Morgens gehören dir die Patios allein und die Sonne fällt schräg in die Gassen, abends leuchten die Laternen und die Schwalben fliegen tief über die Dächer. Zwischen 11 und 16 Uhr schieben sich Führungsgruppen durch die Hauptachsen.
Im Frühjahr blühen die Orangenbäume und das ganze Viertel riecht danach, das ist die beste Zeit überhaupt. Im Hochsommer bleiben die Gassen erstaunlich kühl, weil kaum Sonne hineinkommt.
Tipp: Trink in Santa Cruz nur einen Kaffee oder Sherry mit Blick auf den Platz und iss woanders. Adressen findest du im Guide Essen & Trinken in Sevilla.
Danach: was in der Nähe liegt
- Real Alcázar, 2 Minuten. Der Alcázar grenzt direkt an, braucht aber ein eigenes Zeitfenster.
- Kathedrale und Giralda, 5 Minuten. Die Kathedrale liegt am Nordrand des Viertels.
- Casa de Pilatos, 10 Minuten. Die Casa de Pilatos ist der ruhige Palastbesuch nach dem Gassenbummel.
Die Gesamtübersicht findest du bei den Sehenswürdigkeiten in Sevilla.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istBieg konsequent in die Gassen ab, in denen kein Souvenirladen steht. Nach zwei Abbiegungen ist es leer. Die Jardines de Murillo am Südrand sind selbst mittags ruhig und schattig.
- Wenn es regnetDie Gassen sind eng und die Häuser hoch, du bleibst erstaunlich trocken. Als Innenprogramm bieten sich das Hospital de los Venerables und die Casa de Salinas an, beide nur Minuten entfernt.
- Mit KindernDas Labyrinth funktioniert als Spiel: Kinder dürfen an jeder Kreuzung entscheiden. Der schmiedeeiserne Kreuz auf der Plaza de Santa Cruz und der Keramikschädel in der Calle Susona sind gute Zwischenziele.
- Mit eingeschränkter MobilitätSchwierig. Das Kopfsteinpflaster ist grob, viele Gassen haben Stufen und Schwellen, und es gibt kaum Bordsteinabsenkungen. Die Jardines de Murillo und der Callejón del Agua sind die befahrbarsten Abschnitte.
Häufige Fragen
Lohnt sich das Barrio Santa Cruz?
Ja, es ist das stimmungsvollste Viertel Sevillas und liegt ohnehin auf deinem Weg zwischen Kathedrale und Alcázar. Am meisten hast du davon, wenn du zu Randzeiten kommst und dich treiben lässt, statt eine Liste abzuarbeiten. Ein bis zwei Stunden reichen für einen ausgiebigen Rundgang.
Was sollte man im Barrio Santa Cruz nicht verpassen?
Die Plaza de Doña Elvira, den Callejón del Agua an der Alcázar-Mauer, die Plaza de Santa Cruz und die schmale Calle Reinoso. Dazu lohnen das Hospital de los Venerables und die Casa de Salinas als Blick hinter die Fassaden. Abends gehört ein Spaziergang im Laternenlicht dazu.
Ist das Barrio Santa Cruz eine Touristenfalle?
Das Viertel selbst nicht, es ist frei zugänglich und wunderschön. Vorsicht gilt bei Restaurants an den Hauptplätzen mit Bildern auf der Karte und Kellnern, die dich hereinwinken: Dort zahlst du Aufpreis für die Kulisse. Für gutes Essen gehst du besser in Seitengassen oder andere Viertel.
Warum heißt es Judenviertel?
Nach der christlichen Eroberung von 1248 lebte hier die jüdische Gemeinde Sevillas, eine der größten Spaniens. Nach Pogromen und der Vertreibung von 1492 blieben Straßennamen, Legenden wie die der Susona und der Grundriss des Viertels erhalten. Synagogen wurden zu Kirchen wie Santa María la Blanca.
Wie viel Zeit braucht man für Santa Cruz?
Für einen Rundgang mit Fotostopps reichen ein bis zwei Stunden. Mit Besichtigungen wie dem Hospital de los Venerables und Pausen auf einem der Plätze wird ein halber Tag daraus. Viele kommen zweimal: tagsüber zum Schauen, abends für die Stimmung bei Laternenlicht.





