Auf einen Blick
- RegionComunidad de Madrid
- Eingeweiht1620, unter Philipp III.
- FormKomplett umbauter Rechteckplatz mit neun Torbögen
- Besuchsdauer20 bis 45 Minuten
- LageZwischen Puerta del Sol und Königspalast
Lohnt sich die Plaza Mayor wirklich?
Als Teil eines Altstadt-Spaziergangs: ja, ohne Zweifel. Ein komplett geschlossener Platz dieser Größe ist selten, und du läufst ohnehin an ihm vorbei, wenn du dich zwischen Puerta del Sol und Königspalast bewegst.
Als eigenes Ziel für eine Stunde: eher nicht. Der Platz hat keine Innenräume, keine Ausstellung und keinen Aussichtspunkt. Wer hier länger bleibt, sitzt fast zwangsläufig auf einer der überteuerten Terrassen. Zwanzig bis fünfundvierzig Minuten reichen völlig.
Was du hier siehst
Eingeweiht wurde die Plaza Mayor 1620 als repräsentative Bühne der Hauptstadt. Auf dem Platz wurde gehandelt, gefeiert und gerichtet: Stierkämpfe, königliche Feste und die Autodafés der Inquisition fanden hier vor Zehntausenden statt, die Balkone der umliegenden Häuser wurden als Logenplätze vermietet.
Mehrere Brände zerstörten den Platz immer wieder. Seine heutige geschlossene Form mit den durchgehenden Arkaden und den neun Torbögen erhielt er nach dem großen Feuer von 1790. Genau diese Geschlossenheit macht die Wirkung aus: Du stehst in einem Raum unter freiem Himmel, nicht auf einer Kreuzung.
Schau dir die Casa de la Panadería an der Nordseite genau an. Die farbenfrohen Fresken mit mythologischen Figuren wirken historisch, stammen aber erst aus den 1990er Jahren und gewannen damals einen Gestaltungswettbewerb. Das Haus war ursprünglich die städtische Bäckerei, die den Brotpreis kontrollierte, daher der Name.
In der Mitte steht das Reiterstandbild Philipps III., ein Geschenk aus Florenz von 1616. Es stand jahrhundertelang woanders und kam erst im 19. Jahrhundert auf den Platz. Bei politischen Umbrüchen wurde es mehrfach beschädigt und wieder aufgestellt, es hat mehr Stadtgeschichte hinter sich als die meisten Gebäude ringsum.
Das übersehen die meisten
Die neun Torbögen haben alle Namen und Geschichten. Der Arco de Cuchilleros an der Südwestecke ist der spektakulärste, weil der Platz dort mehrere Meter über der Straße dahinter liegt und eine steile Treppe hinunterführt.
Die Gasse Cava de San Miguel unterhalb dieser Treppe. Dort liegen einige der ältesten Gasthäuser der Stadt, mit gewölbten Kellern, in die ein Blick auch ohne Einkehr lohnt.
Der Sonntagsmarkt für Briefmarken und Münzen unter den Arkaden, eine Tradition, die kaum ein Reiseführer erwähnt.
Die Bar-Zeile an der Calle de Botoneras hinter der Ostseite, wo das Bocadillo de Calamares günstiger und knuspriger ist als auf dem Platz.
Die Balkone selbst: 237 Stück, alle gleich, alle bewohnt. Wer nach oben schaut, sieht Wäscheleinen über dem Weltkulturerbe.
Typische Fehler
Auf dem Platz essen. Die Lokale mit Fotospeisekarte leben von Laufkundschaft, bestell dort höchstens einen Kaffee.
Auf kostümierte Figuren und Gratis-Rosen eingehen. Beides endet mit einer Forderung.
Mittags kommen. Dann steht die Sonne hoch, der Platz ist voll und die Fotos werden flach.
Den Platz für das Zentrum halten. Er ist eine Station auf einem Rundgang, kein Programmpunkt für einen halben Tag. Wer das einplant, spart sich Zeit für La Latina und den Königspalast.
Achtung: Rund um die Plaza Mayor und in Richtung Sol arbeiten Taschendiebe. Rucksack nach vorn, Handy nicht auf den Tisch, nichts über die Stuhllehne hängen. Mehr dazu in den Madrid Insider-Tipps.
Wann du hingehen solltest
Am frühen Morgen, wenn die Sonne schräg über die Dächer fällt und die Cafés gerade erst die Stühle rausstellen. Dann gehört dir der Platz fast allein, und der Blick vom Arco de Cuchilleros funktioniert ohne Menschenmenge im Bild.
Abends ist die Stimmung lebhafter, mit Straßenmusik und vollen Terrassen. Im Advent verwandelt der traditionsreiche Weihnachtsmarkt den Platz in ein Budendorf, dann ist er allerdings am vollsten.
Danach: was in der Nähe liegt
Der Mercado de San Miguel liegt eine Minute westlich, die Puerta del Sol drei Minuten östlich. Zum Königspalast läufst du acht bis zehn Minuten.
Nach Süden beginnt La Latina mit den Tapasbars der Cava Baja, sonntags findet dort der Rastro-Flohmarkt statt. Was du wo essen solltest, steht unter Essen und Trinken in Madrid, die komplette Route bei den Sehenswürdigkeiten in Madrid.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istFrüh am Morgen gehört der Platz fast dir allein. Tagsüber weichst du in die Arkaden und die Gassen hinter der Südseite aus.
- Wenn es regnetDie Arkaden laufen rundum und halten trocken. Zwei Minuten weiter wartet der überdachte Mercado de San Miguel.
- Mit KindernViel Platz zum Rennen, Straßenkünstler und Ballonverkäufer. In der Adventszeit wird der Weihnachtsmarkt zum Hauptargument.
- Mit eingeschränkter MobilitätDer Platz ist eben und stufenlos, alle neun Torbögen sind ebenerdig. Nur der Arco de Cuchilleros führt über eine steile Treppe hinunter.
Häufige Fragen
Lohnt sich die Plaza Mayor?
Ja, als Teil eines Altstadt-Spaziergangs auf jeden Fall. Der komplett umbaute Platz mit seinen Arkaden und der bemalten Casa de la Panadería ist ein eindrucksvolles Stück spanischer Geschichte. Plane 20 bis 45 Minuten ein, kombiniere den Besuch mit Puerta del Sol und Königspalast und iss in den Seitengassen statt auf dem Platz.
Was ist das Bocadillo de Calamares?
Ein Madrider Klassiker: Weißbrot gefüllt mit frittierten Tintenfischringen, traditionell mit einer Caña, einem kleinen Bier. Die besten Adressen liegen in den Gassen rund um die Calle de Botoneras hinter der Plaza Mayor. Auf dem Platz selbst zahlst du für dasselbe Brötchen deutlich mehr.
Ist die Plaza Mayor eine Touristenfalle?
Der Platz selbst nicht, er ist echtes historisches Madrid und frei zugänglich. Touristenfallen sind eher die Terrassen mit Fotospeisekarten, die kostümierten Figuren und fliegende Verkäufer. Wer dort höchstens einen Kaffee trinkt und zum Essen in die Seitengassen ausweicht, erlebt die Plaza Mayor von ihrer besten Seite.
Wann ist die beste Zeit für die Plaza Mayor?
Früh am Morgen, wenn die Arkaden noch leer sind und das Licht am schönsten ist. Wer Atmosphäre sucht, kommt am Abend, wenn die Straßenmusiker spielen. In der Adventszeit lohnt der traditionsreiche Weihnachtsmarkt, dann ist der Platz allerdings am vollsten.
Was passierte früher auf der Plaza Mayor?
Der Platz war jahrhundertelang Madrids Mehrzweckbühne: Märkte, Stierkämpfe, königliche Feiern, Heiligsprechungen und die öffentlichen Schauprozesse der Inquisition. Die Balkone der Wohnhäuser wurden bei Großereignissen als Tribünen vermietet. Nach mehreren Bränden erhielt der Platz Ende des 18. Jahrhunderts seine heutige Form.




