Blog · Spanien-Wissen

Balearen oder Kanaren: welche Inselgruppe passt zu dir?

Zwei spanische Inselgruppen, zwei völlig verschiedene Urlaube. Die Balearen liegen im Mittelmeer, gut zwei Flugstunden entfernt, mit heißen Sommern und ruhigen Wintern. Die Kanaren liegen im Atlantik vor Afrika, deutlich weiter weg, dafür das ganze Jahr über mild. Die Entscheidung hängt weniger am Geschmack als am Reisemonat.

Dieser Vergleich stellt beide Archipele nebeneinander: Flugzeit und Anreise, Klima im Winter und im Sommer, das städtische Angebot rund um Palma und Las Palmas, Natur, Preisniveau und die Ecotasa auf den Balearen. Am Ende steht eine klare Empfehlung für vier typische Reisetypen.

Balearen oder Kanaren: welche Inselgruppe passt zu dir?
Foto: Dirk Vorderstraße, CC BY 2.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • LageBalearen im Mittelmeer, Kanaren im Atlantik
  • Flugzeit ab FrankfurtPalma gut 2 Stunden, Teneriffa knapp 5 Stunden
  • WinterKanaren rund 5 Grad wärmer als die Balearen
  • SommerBalearen deutlich heißer, Kanaren gemäßigt
  • ZeitzoneKanaren eine Stunde hinter dem Festland
  • ÜbernachtungssteuerBalearen ja (Ecotasa), Kanaren regional keine

Die kurze Antwort

Reist du zwischen November und März, nimm die Kanaren. Reist du im Frühling oder Sommer und willst kurze Anreise, Mittelmeer und Bergdörfer, nimm die Balearen. Fast alles andere folgt aus dieser einen Entscheidung.

Wer zum ersten Mal auf eine spanische Insel fliegt und einen klassischen Sommerurlaub sucht, fährt mit den Balearen einfacher. Wer im europäischen Winter Wärme braucht oder wandern will, ohne zu schwitzen, ist auf den Kanarischen Inseln besser aufgehoben. Die Details entscheiden dann über die einzelne Insel.

Balearen und Kanaren im direkten Vergleich

Kriterium Balearen Kanaren
Lage Mittelmeer, vor der spanischen Ostküste Atlantik, vor der Küste Afrikas
Entfernung zum Festland Barcelona bis Palma 207 km Luftlinie Cádiz bis Las Palmas 1.269 km Luftlinie
Flugzeit ab Frankfurt gut zwei Stunden nach Palma knapp fünf Stunden nach Teneriffa
Januar tagsüber Palma 14,7 Grad Santa Cruz de Tenerife 20,2 Grad
Juli tagsüber Palma 32,4 Grad Santa Cruz de Tenerife 25,2 Grad
Saison Hochbetrieb Juni bis September ganzjährig, Hochsaison auch im Winter
Städte Palma, Ibiza-Stadt Las Palmas, Santa Cruz de Tenerife, La Laguna
Natur Gebirge, Buchten, Trockenmauerterrassen Vulkane, Lorbeerwald, Hochgebirge
Übernachtungssteuer ja, die Ecotasa seit 2016 keine regionale Abgabe
Zeitzone wie das Festland eine Stunde hinter dem Festland

Anreise: zwei Stunden gegen fünf

Der nüchternste Unterschied ist der Flugplan. Ab Frankfurt bist du in gut zwei Stunden in Palma, nach Teneriffa oder Gran Canaria sitzt du knapp fünf Stunden im Flugzeug. Für ein langes Wochenende taugen die Balearen, die Kanaren erst ab einer Woche.

Zwischen Barcelona und Palma liegen 207 Kilometer Luftlinie, zwischen Valencia und Ibiza-Stadt 163. Von Cádiz bis Las Palmas de Gran Canaria sind es 1.269 Kilometer offener Atlantik. Die Balearen erreichst du deshalb auch mit der Fähre, die Kanaren praktisch nur im Flugzeug.

Winter oder Sommer: die eigentliche Entscheidung

Im Januar kommt Palma tagsüber im Mittel auf 14,7 Grad und nachts auf 8,4. Santa Cruz de Tenerife liegt im selben Monat bei 20,2 Grad am Tag und 15,0 in der Nacht, Las Palmas bei 19,9 und 14,9, Lanzarote bei 19,2 und 15,3. Diese gut fünf Grad entscheiden darüber, ob du im Februar draußen frühstückst oder in der Jacke durch eine Altstadt läufst.

Im Juli dreht sich das Bild. Palma erreicht im Mittel 32,4 Grad, Ibiza 30,9. Auf den Kanaren bleibt es mit 25,2 Grad in Santa Cruz, 25,1 in Las Palmas und 25,0 auf Lanzarote fast frühlingshaft. Wer Hitze schlecht verträgt oder mit kleinen Kindern reist, ist im Hochsommer auf den Kanaren angenehmer aufgehoben, auch wenn das gegen die übliche Urlaubsplanung geht.

Regen ist auf beiden Archipelen ein Herbst- und Winterthema. In Palma fallen rund 503 Millimeter im Jahr an etwa 78 Regentagen, der September ist mit 68 Millimetern der nasseste Monat. Las Palmas kommt auf 395 Millimeter an ebenfalls rund 78 Tagen. Am trockensten ist Lanzarote mit 77 Millimetern an 15 Regentagen.

Gut zu wissen: Das Wasser folgt der Luft mit Verzögerung. Das Mittelmeer ist im September am wärmsten und im Spätwinter zu kalt zum Baden, während der Atlantik vor den Kanaren über das Jahr viel weniger schwankt. Dafür wird er im Hochsommer nie so warm wie das Mittelmeer vor Mallorca.

Stadt: Palma gegen Las Palmas

Beide Archipele haben mehr Stadt, als ihr Strandruf vermuten lässt. Palma de Mallorca ist mit rund 438.000 Einwohnern die größere der beiden Hauptstädte, hat die dichteste Altstadt der Inseln und mit der Kathedrale La Seu ein gotisches Schwergewicht direkt am Wasser. Dazu kommt Ibiza-Stadt mit der Oberstadt Dalt Vila, die seit 1999 zum Welterbe gehört.

Auf den Kanaren verteilt sich das Stadtleben. Las Palmas de Gran Canaria hat gut 383.000 Einwohner, das koloniale Viertel Vegueta und mit Las Canteras einen rund drei Kilometer langen Stadtstrand. Santa Cruz de Tenerife punktet mit dem Auditorio von Santiago Calatrava und dem Karneval im Februar, dazu liegt das Welterbe La Laguna eine Straßenbahnfahrt entfernt.

Für einen reinen Städtetrip gewinnt Palma knapp: kompakt genug für zwei Tage zu Fuß und auch im Winter komplett geöffnet. Für Stadt plus Strand am selben Tag gewinnt Las Palmas.

Natur: Kulturlandschaft gegen Vulkane

Die Balearen bieten eine bearbeitete Landschaft. Die Serra de Tramuntana auf Mallorca ist seit 2011 Welterbe, und zwar als Kulturlandschaft aus Trockenmauern, Terrassen und Wassergräben. Der Puig Major misst 1.445 Meter. Auf Menorca führt der Camí de Cavalls einmal um die Insel.

Die Kanaren sind Geologie pur. Der Teide auf Teneriffa ist mit 3.715 Metern der höchste Berg Spaniens und steht in einem Nationalpark aus erstarrter Lava. Auf Lanzarote stammt die schwarze Landschaft im Timanfaya-Nationalpark von den Ausbrüchen zwischen 1730 und 1736. La Gomera schützt mit Garajonay einen Lorbeerwald, wie ihn Südeuropa vor den Eiszeiten hatte.

Tipp: Wanderurlaub im Sommer geht auf den Kanaren, auf den Balearen nicht. In der Tramuntana ist es zwischen Juni und August für lange Touren zu heiß, dort wanderst du besser zwischen Februar und April. Auf den Kanaren verschiebst du im Sommer einfach die Höhe: unten Strand, oben angenehme Temperaturen.

Preisniveau, Ecotasa und Steuern

Die Preise laufen gegenläufig, und darin steckt der praktischste Spartipp dieses Vergleichs. Auf den Balearen sind Juli und August die teuerste Zeit, im Mai und Oktober zahlst du für dieselbe Unterkunft weniger. Auf den Kanaren ist der europäische Winter Hochsaison, der Frühsommer die ruhigere Zeit.

Auf den Balearen kommt die Ecotasa dazu, offiziell die Steuer auf touristische Aufenthalte, eingeführt mit dem Gesetz von 2016. Sie fällt pro Person und Nacht an, richtet sich nach Kategorie der Unterkunft und Saison und wird meist erst vor Ort bezahlt. Kinder unter 16 Jahren sind befreit, von November bis April gilt ein stark ermäßigter Satz, rund ein Viertel des Sommerwerts, und ab der neunten Nacht halbiert sich der Betrag. Auch Kreuzfahrtgäste zahlen bei Hafenaufenthalten. Die Mechanik hinter den regionalen Abgaben erklärt unser Beitrag zur Touristensteuer in Spanien.

Auf den Kanaren gibt es bisher keine regionale Übernachtungssteuer. Eine einzelne Gemeinde auf Gran Canaria hat 2025 eine eigene Abgabe eingeführt, das kanarische Obergericht hat sie 2026 für nichtig erklärt. Rechtskräftig ist das noch nicht, die Gemeinde zieht vor das Oberste Gericht in Madrid. Dafür gilt auf den Inseln statt der spanischen Mehrwertsteuer eine niedrigere lokale Abgabe, weshalb Alkohol, Tabak, Kosmetik und Elektronik günstiger sind als auf dem Festland.

Achtung: Frag bei der Buchung nach, ob die Übernachtungssteuer im Preis enthalten ist. Auf den Balearen steht sie oft nicht im Angebot und wird an der Rezeption fällig, gern in bar. Bei einer Familie über zwei Wochen summiert sich das, auch wenn die Sätze pro Nacht klein wirken.

Inselhopping und Kombinationen

Auf den Balearen liegen die Inseln nah beieinander: Zwischen Palma und Ibiza-Stadt sind es 126 Kilometer Luftlinie, nach Formentera reicht eine kurze Überfahrt. Zwei Inseln in zwei Wochen sind entspannt machbar.

Auf den Kanaren geht das auch, kostet aber mehr Zeit. Zwischen Santa Cruz de Tenerife und Las Palmas liegen 92 Kilometer Luftlinie, von Las Palmas nach Lanzarote 206. Nachbarinseln verbindest du per Fähre, weiter entfernte Ziele per Kurzflug. Plane pro Insel mindestens vier bis fünf Nächte.

So entscheidest du

Drei Fragen genügen meistens. In welchem Monat reist du? Zwischen November und März sind die Kanaren die einzige sinnvolle Antwort. Wie lange hast du? Unter einer Woche lohnt der Atlantikflug nicht. Und wie hitzeempfindlich bist du? Ein Julitag mit 32,4 Grad in Palma ist etwas anderes als 25,2 Grad in Santa Cruz.

Bleibst du unschlüssig, hilft der Blick auf die Monate in unserem Überblick zur besten Reisezeit für Spanien und, falls es ein Winterurlaub werden soll, der Beitrag über Spanien im Winter.

Häufige Fragen

Wo ist es im Winter wärmer, auf den Balearen oder auf den Kanaren?

Eindeutig auf den Kanaren. Im Januar erreicht Santa Cruz de Tenerife tagsüber im Mittel 20,2 Grad, Las Palmas 19,9 und Lanzarote 19,2. Palma de Mallorca kommt im selben Monat auf 14,7 Grad, nachts auf 8,4. Für Wanderungen und Städtetage reicht das mallorquinische Winterwetter gut, für Strandtage nicht.

Wie lange fliegt man auf die Balearen und auf die Kanaren?

Ab Frankfurt dauert der Nonstopflug nach Palma de Mallorca gut zwei Stunden, nach Teneriffa oder Gran Canaria knapp fünf. Ab anderen deutschen Flughäfen verschiebt sich das um einige Minuten. Praktisch heißt das: Die Balearen funktionieren für ein verlängertes Wochenende, für die Kanaren solltest du mindestens eine Woche einplanen.

Sind die Kanaren teurer als die Balearen?

Das hängt am Monat, nicht am Archipel. Die Balearen sind im Juli und August am teuersten und im Frühjahr und Herbst deutlich günstiger. Auf den Kanaren ist der europäische Winter Hochsaison, teuer wird es um Weihnachten und im Februar. Wer flexibel ist, reist im Mai auf die Balearen und im Juni auf die Kanaren.

Welche Inselgruppe passt besser für Familien?

Im Sommer sind die Kanaren angenehmer, weil es dort mit rund 25 Grad tagsüber nicht so heiß wird wie auf den Balearen mit über 30. Dafür ist die Anreise doppelt so lang, was mit kleinen Kindern zählt. In den Osterferien und im Frühherbst sprechen die kurze Flugzeit und das ruhige Mittelmeer für Mallorca oder Menorca.

Welche Inselgruppe eignet sich besser zum Wandern?

Beide, aber zu verschiedenen Zeiten. Die Serra de Tramuntana auf Mallorca ist zwischen Februar und April ideal und im Hochsommer zu heiß. Auf den Kanaren wanderst du das ganze Jahr, weil du über die Höhe steuerst: Der Teide erreicht 3.715 Meter, dazu kommen der Lorbeerwald auf La Gomera und die Vulkanwege auf Lanzarote.

Muss ich auf beiden Inselgruppen eine Touristensteuer zahlen?

Nein. Die Balearen erheben die Ecotasa pro Person und Nacht, gestaffelt nach Unterkunft und Saison. Kinder unter 16 sind befreit, in der Nebensaison von November bis April gilt nur rund ein Viertel des Satzes, ab der neunten Nacht die Hälfte. Auf den Kanaren gibt es bisher keine regionale Abgabe dieser Art, dafür eine niedrigere lokale Verbrauchsteuer statt der spanischen Mehrwertsteuer.