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Roadtrip Nordspanien: von Bilbao nach Santiago

Nordspanien ist das Gegenprogramm zur Costa. Statt Hitze und Bettenburgen bekommst du grüne Berge, Steilküsten, Fischerhäfen und Städte, in denen Spanisch noch nicht die einzige Sprache auf der Straße ist. Die Route von Bilbao nach Santiago de Compostela zieht sich über rund 690 Kilometer entlang der Kantabrischen Küste, quer durch vier Regionen.

Reine Fahrzeit sind etwa sieben Stunden. Wer die Strecke in drei Tagen abreißt, verpasst allerdings genau das, weswegen man herkommt. Acht bis zwölf Tage sind realistisch. Hier bekommst du die Route in neun Etappen, mit echten Distanzen, Fahrzeiten und der Frage, wann du losfahren solltest.

Roadtrip Nordspanien: von Bilbao nach Santiago
Foto: ROSUROB, CC BY-SA 3.0 es · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Streckerund 690 Kilometer, Bilbao bis Santiago
  • Reine Fahrzeitetwa 7 Stunden 15 Minuten
  • Empfohlene Dauer8 bis 12 Tage
  • RegionenBaskenland, Kantabrien, Asturien, Galicien
  • Beste ReisezeitJuni bis September
  • HauptachseA-8 entlang der Küste, danach A-6 und AP-9

Warum der Norden anders funktioniert

Der grüne Norden ist grün, weil es regnet. Das ist keine Randnotiz, sondern der wichtigste Planungsfaktor deiner Reise. In Bilbao fallen im November im Mittel 159 Millimeter Niederschlag an 16 Regentagen, im Juli nur 44 Millimeter an 10 Tagen. In Santiago de Compostela ist der Unterschied noch krasser: 192 Millimeter im Dezember gegen 27 Millimeter im Juli.

Dafür bleibt es im Sommer angenehm. Bilbao kommt im August im Mittel auf 25,7 Grad, Santiago auf 25,6, Gijón nur auf 22,8. Während Sevilla in derselben Woche 37 Grad meldet, kannst du hier mittags wandern. Genau deshalb ist Juni bis September die Zeit für diese Route.

Gut zu wissen: Die A-8 begleitet dich fast durchgehend von Bilbao bis nach Asturien und ist mautfrei. Mautpflichtig sind die AP-8 im Baskenland und die AP-9 in Galicien. Wer Zeit hat, nimmt streckenweise die alte N-634 an der Küste, die ist deutlich langsamer und deutlich schöner.

Die Route auf einen Blick

Etappe Strecke Fahrzeit
Bilbao nach Santander 90 km 1:00 h
Santander nach Comillas 50 km 0:30 h
Comillas nach Gijón 140 km 1:30 h
Gijón nach Avilés 30 km 0:15 h
Avilés nach Oviedo 30 km 0:15 h
Oviedo nach Lugo 180 km 2:00 h
Lugo nach A Coruña 100 km 1:00 h
A Coruña nach Santiago 70 km 0:45 h
Gesamt 690 km 7:15 h

1 Bilbao: der Start

Zwei Nächte solltest du dir hier nehmen. Das Guggenheim-Museum ist der offensichtliche Grund, aber die Stadt kann mehr. Der Casco Viejo mit seinen Siete Calles ist das Gegenstück zum Titanglanz: enge Gassen, alte Bars, Pintxos auf dem Tresen statt Menükarte.

Fahr am zweiten Tag raus zum Puente Colgante, der Schwebefähre von 1893 an der Flussmündung. Sie steht seit 2006 auf der UNESCO-Welterbeliste und ist bis heute in Betrieb. Wer noch einen Tag hat, hängt San Sebastián vorn dran, eine Stunde östlich.

2 Bilbao nach Santander: 90 km, 1:00 h

Die kürzeste Etappe der Reise, deshalb lohnt sich der Umweg über die Küste. Santander ist eleganter, als viele erwarten: Der Palacio de la Magdalena steht auf einer eigenen Halbinsel, das Centro Botín von Renzo Piano ragt über die Bucht, und der Sardinero ist ein Stadtstrand, an dem tatsächlich gebadet wird.

Die Stadt brannte 1941 fast komplett ab, die Altstadt ist deshalb jünger als anderswo. Nimm das Wasser statt der Steine: Die Uferpromenade Richtung Halbinsel ist der schönste Abendspaziergang in ganz Kantabrien.

3 Santander nach Comillas: 50 km, 0:30 h

Eine halbe Stunde, und du bist in einem Dorf mit gut 2.000 Einwohnern, das drei Sehenswürdigkeiten in Gehweite hat. Comillas besitzt mit El Capricho einen frühen Bau von Antoni Gaudí, dazu den Palacio de Sobrellano und die neogotische Universidad Pontificia auf dem Hügel.

Von hier ist der Abstecher in die Picos de Europa naheliegend, wenn du Berge willst. Rechne dafür einen kompletten Tag, die Straßen sind kurvig und die Wolken hängen oft tief.

4 Comillas nach Gijón: 140 km, 1:30 h

Jetzt beginnt Asturien. Gijón ist die größte Stadt der Region und deutlich bodenständiger als Santander: Werft, Hafen, Fußball, Cidre. Das alte Fischerviertel Cimavilla sitzt auf einer Landzunge, oben steht Chillidas Betonskulptur Elogio del Horizonte mit Blick auf den Atlantik.

Der Stadtstrand San Lorenzo zieht sich über anderthalb Kilometer direkt am Zentrum entlang. Im August liegt die mittlere Höchsttemperatur bei 22,8 Grad, das Wasser ist frisch. Wer trotzdem rein will, tut es hier.

5 Gijón nach Avilés: 30 km, 0:15 h

Avilés hat den Ruf einer Industriestadt, und dieser Ruf ist veraltet. Die Altstadt hat lange Laubengänge entlang der Calle Galiana, mehrere Adelspaläste und einen Marktplatz, auf dem abends noch Nachbarn sitzen statt Reisegruppen.

Auf der anderen Seite der Ría steht das Centro Niemeyer, entworfen von Oscar Niemeyer, weiß und geschwungen wie nichts sonst in Nordspanien. Der Kontrast zur Altstadt ist der eigentliche Grund für den Stopp. Avilés liegt zudem am Camino del Norte, dem Küstenweg nach Santiago.

6 Avilés nach Oviedo: 30 km, 0:15 h

Oviedo ist die Hauptstadt Asturiens und liegt als einzige Station dieser Route nicht am Meer, sondern auf 237 Metern im Landesinneren. Die Altstadt ist klein, sauber und komplett fußläufig, die Kathedrale mit der Cámara Santa steht mittendrin.

Das eigentliche Highlight liegt am Monte Naranco über der Stadt: Santa María del Naranco und San Miguel de Lillo, zwei vorromanische Bauten aus dem 9. Jahrhundert, seit 1985 UNESCO-Welterbe. Abends gehst du in die Calle Gascona, wo Cidre traditionell aus der Höhe eingeschenkt wird.

7 Oviedo nach Lugo: 180 km, 2:00 h

Die längste Etappe der Reise, und die einzige, auf der du wirklich Strecke machst. Sie führt über die Berge nach Galicien. Lugo ist unter deutschen Reisenden fast unbekannt und hat trotzdem eine Weltsensation: die einzige römische Stadtmauer, die auf ihrer ganzen Länge erhalten ist, seit 2000 UNESCO-Welterbe.

Du kannst oben komplett herumlaufen, gut zwei Kilometer, kostenlos und zu jeder Tageszeit. Lugo liegt auf 465 Metern, im Januar erreicht die Höchsttemperatur im Mittel nur 9,8 Grad, im Juli dagegen 24,2. Der Ort ist außerdem für seinen Tapas-Brauch bekannt: Zum Getränk kommt die Kleinigkeit ungefragt dazu.

8 Lugo nach A Coruña: 100 km, 1:00 h

Zurück ans Meer. A Coruña hat den Torre de Hércules, den ältesten noch arbeitenden römischen Leuchtturm der Welt und seit 2009 Welterbe. Von oben siehst du die ganze Atlantikküste.

Die zweite Attraktion ist banaler und trotzdem berühmt: die Galerías an der Avenida de la Marina, weiß verglaste Balkone über der kompletten Hafenfront. Sie sind der Grund für den Spitznamen Glasstadt. Im Juli fallen hier im Mittel nur 33 Millimeter Regen, im Dezember 166.

9 A Coruña nach Santiago: 70 km, 0:45 h

Das Ziel liegt 45 Minuten südlich. In Santiago de Compostela ist die Kathedrale der offensichtliche Mittelpunkt, aber der beste Blick darauf kommt von der Alameda am Rand der Altstadt, besonders am späten Nachmittag.

Nimm dir Zeit für den Mercado de Abastos am Vormittag und für die Granitgassen bei Regen, denn dann glänzen sie. Zwei Nächte sind das Minimum, drei besser, weil du sonst nur die Kathedrale siehst und nicht die Stadt.

Verlängerungen: Rías Baixas oder der Weg nach Süden

Wenn du nach Santiago noch Tage übrig hast, fahr weiter Richtung Süden. Pontevedra liegt 60 Kilometer entfernt, gut 45 Minuten, und hat eine der konsequentesten autofreien Altstädte Spaniens. Es ist die entspannteste Stadt dieser ganzen Route.

Ins Landesinnere geht es nach Ourense, 100 Kilometer und rund 1:15 Stunden von Santiago. Die Stadt lebt von heißen Quellen: As Burgas mitten im Zentrum, dazu die Thermalbecken am Miño außerhalb. Ourense ist auch der wärmste Ort dieser Region, im Juli werden im Mittel 29,5 Grad erreicht, deutlich mehr als an der Küste.

Für die Rückfahrt Richtung Madrid oder Kastilien bietet sich Astorga an. Der Bischofspalast dort ist ein Gaudí-Bau, dazu kommen römische Reste und der Camino Francés, der mitten durch den Ort führt. Zusammen mit dem Start in Bilbao und dem Baskenland ergibt das eine saubere Runde durch den ganzen Norden.

Praktisches für die Fahrt

Miete den Wagen am Flughafen Bilbao und gib ihn in Santiago ab. Die Einwegmiete kostet Aufschlag, spart dir aber zwei volle Rückfahrtage. Buche früh, im August ist der Norden Ziel Nummer eins für spanische Urlauber aus Madrid.

Park grundsätzlich außerhalb der Altstädte. In Santiago, Lugo und Oviedo sind die Zentren gesperrt oder so eng, dass Rangieren zur Qual wird. Parkhäuser am Rand plus zehn Minuten zu Fuß sind immer die schnellere Lösung.

Tipp: Plane pro Etappe einen Puffer für Nebel ein. An der Kantabrischen Küste zieht im Sommer regelmäßig die Meeresnebelbank herein, örtlich Orbayu oder Sirimiri genannt. Dann ist der Panoramablick weg, dafür sind die Städte auf einmal leer.

Achtung: Unterschätze die Regenwahrscheinlichkeit auch im Sommer nicht. Selbst im Juli zählt Bilbao im Mittel 10 Regentage. Eine leichte Regenjacke gehört ins Gepäck, auch wenn die Wettervorhersage vor der Abreise perfekt aussieht.

Häufige Fragen

Wie lange braucht man für einen Roadtrip von Bilbao nach Santiago?

Die reine Fahrzeit beträgt etwa sieben Stunden auf rund 690 Kilometern. Sinnvoll sind acht bis zwölf Tage. In fünf Tagen schaffst du die Route, siehst aber wenig mehr als Autobahn und Hotelbetten. Mit zehn Tagen kannst du in Bilbao, Gijón, Oviedo und Santiago jeweils zwei Nächte bleiben und trotzdem entspannt fahren.

Wann ist die beste Reisezeit für Nordspanien?

Juni bis September. Im August erreicht Bilbao im Mittel 25,7 Grad und Santiago 25,6 Grad, das ist warm genug ohne die Hitze des Südens. Gleichzeitig ist der Niederschlag am niedrigsten: In Santiago fallen im Juli nur 27 Millimeter, im Dezember dagegen 192. September ist ein guter Kompromiss aus Wetter und weniger Andrang.

Braucht man für Nordspanien einen Mietwagen?

Für diese Route ja. Bahn und Bus verbinden zwar die großen Städte, aber die Küstenabschnitte, Comillas und die Aussichtspunkte erreichst du praktisch nur mit dem Auto. Wer nur die Städte sehen will, kommt mit Zug und Bus zurecht und spart sich das Parkproblem in den Altstädten.

Ist die Strecke mautpflichtig?

Größtenteils nicht. Die A-8 entlang der Kantabrischen Küste ist mautfrei und trägt den Hauptteil der Route. Maut zahlst du auf der AP-8 im Baskenland und auf der AP-9 in Galicien zwischen A Coruña, Santiago und Pontevedra. Beide lassen sich über Landstraßen umfahren, das kostet dann aber deutlich mehr Zeit.

Kann man in Nordspanien im Meer baden?

Ja, aber der Atlantik ist deutlich kühler als das Mittelmeer. Die Strände in Gijón, Santander und A Coruña sind im Hochsommer gut besucht, im Wasser bleiben die meisten aber nicht lange. Juli und August sind die einzigen realistischen Bademonate. Neoprenanzüge siehst du hier das ganze Jahr über, vor allem bei Surfern.