Auf einen Blick
- RegionBaskenland
- Gegründet1300, Stadtgründung Bilbaos
- Kerndie Siete Calles, sieben mittelalterliche Gassen
- Besuchsdauer2 bis 3 Stunden, abends länger
- AnreiseMetrostation Casco Viejo, Tramhalt Arriaga
- EintrittViertel frei zugänglich
Lohnt sich der Casco Viejo wirklich?
Ja, aber nicht als Denkmälertour. Der Casco Viejo ist kein museales Altstadtensemble, sondern ein bewohntes Viertel mit Metzgern, Hutmachern, Schulkindern und sehr vielen Bars. Der Reiz liegt im Alltag, nicht in Fassaden. Wer das versteht, verbringt hier den besten Abend seiner Reise.
Wer dagegen Kathedralen und Paläste sammelt, ist schnell fertig. Die Santiago-Kathedrale ist fein, aber klein, sonst gibt es wenig zu besichtigen. Der Casco Viejo ist ein Viertel zum Essen und Laufen, keines zum Abhaken.
Gut aufgehoben bist du hier auch, wenn du mit wenig Budget reist. Der Casco Viejo kostet nichts, außer dem, was du isst und trinkst, und ein Abend mit fünf Pintxos und drei Gläsern bleibt in einem Rahmen, der in Barcelona oder Madrid kaum noch möglich ist.
Was du hier siehst
1300 gründete Diego López de Haro an dieser Flussbiegung eine Handelsstadt, und sieben Jahrhunderte lang spielte sich hier alles ab: Handel mit Wolle und Eisen, Schiffe, Zünfte, Zoll. Die sieben Gründungsgassen liegen bis heute parallel zwischen Ufer und Hang, so eng gebaut, dass die Sonne nur mittags bis unten kommt.
Das Viertel hat einiges überstanden. Belagerungen in den Karlistenkriegen, Brände und im August 1983 ein Hochwasser, das die Gassen meterhoch unter Wasser setzte und halbe Erdgeschosse zerstörte. Danach wurde der Casco Viejo gründlich hergerichtet, zur Fußgängerzone erklärt und an die Metro angeschlossen. Seither ist er wieder das, was er immer war: der Ort, an dem sich ganz Bilbao trifft.
Heute mischen sich alteingesessene Läden mit Bars, in denen jeden Abend gegessen wird. Das Erdgeschoss gehört dem Geschäft, die Stockwerke darüber den Familien. Genau diese Mischung macht den Unterschied zu Altstädten, in denen nach acht Uhr abends niemand mehr wohnt.
Der Rundgang
Diese Reihenfolge funktioniert gut, weil sie am Fluss startet, dich durch die engen Gassen zieht und oben wieder herausführt.
Gesamtdauer rund zwei Stunden ohne Einkehr. Mit einem Pintxo unterwegs und einer halben Stunde in der Markthalle werden drei daraus. Die Wege dazwischen sind kurz, das ganze Viertel misst kaum 500 Meter im Quadrat.
1 El Arenal und Teatro Arriaga
Start an der Uferpromenade El Arenal, dem alten Sandufer der Stadt. Hier steht das Teatro Arriaga, Bilbaos neobarockes Opernhaus, und rundherum spielt sich am Wochenende halb Bilbao ab: Musikpavillon, Buchstände, Menschen auf Bänken. 15 Minuten.
2 Plaza Nueva
Durch einen der Durchgänge betrittst du die Plaza Nueva, einen geschlossenen Arkadenplatz aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Unter den Bögen reiht sich Bar an Bar. Sonntagvormittags stehen hier die Stände des Sammlermarkts mit Münzen, Briefmarken und alten Büchern. 20 Minuten, mit Pintxo deutlich mehr.
3 Die Siete Calles und die Kathedrale
Jetzt in die sieben Gassen: Somera, Artecalle, Tendería, Belosticalle, Carnicería Vieja, Barrencalle und Barrencalle Barrena. Lauf ohne Plan und bieg ab, wo es interessant aussieht. Mittendrin steckt die gotische Santiago-Kathedrale so eng zwischen den Häusern, dass du fast davorstehst, bevor du sie siehst. 45 Minuten.
4 Mercado de la Ribera
Am Flussufer erreichst du den Mercado de la Ribera, die große Markthalle von 1929. Oben Fisch, Fleisch und Gemüse, unten Gastrobars mit Blick aufs Wasser. Vormittags ist der Markt echt, nachmittags läuft vor allem das Essen. 30 Minuten.
5 Plaza Unamuno und die Mallona-Treppen
Zum Abschluss hinauf zur Plaza Miguel de Unamuno mit dem Baskischen Museum. Von hier führen die Mallona-Treppen aus der Altstadt hinaus zum Park Etxebarria und weiter zur Basílica de Begoña. Wer die Stufen scheut, nimmt den Aufzug an der Metrostation. 20 Minuten.
Das übersehen die meisten
Die Hochwassermarken. An mehreren Hauswänden zeigen Tafeln, wie hoch das Wasser 1983 stand. Meist deutlich über Kopfhöhe.
Die Akademie der baskischen Sprache. An der Plaza Nueva sitzt die Euskaltzaindia, die Institution, die über das Baskische wacht. Unauffälliges Portal, große Bedeutung.
Der Hundebrunnen. In der Calle del Perro steht das Fuente del Perro, dessen Wasserspeier eigentlich Löwen darstellen sollen.
Der Blick von der Ribera-Brücke. Von der Brücke vor der Markthalle siehst du die komplette Häuserfront der Altstadt am Wasser, samt Kathedralturm dahinter. Das beste Foto des Viertels, und fast niemand bleibt dort stehen.
Die alten Fachgeschäfte. Espadrilles, Hüte, Baskenmützen, Messer: In den Siete Calles halten sich Läden, die anderswo längst verschwunden sind.
Typische Fehler
Drei Dinge machen Besucher hier immer wieder falsch, und alle drei kosten dich den besten Teil des Abends.
In der ersten Bar sitzen bleiben. Pintxos leben vom Weiterziehen. Ein Happen, ein Glas, raus.
Nur tagsüber kommen. Zwischen 14 und 18 Uhr wirkt das Viertel halb tot. Der Casco Viejo ist ein Abendviertel.
Sich auf die Vitrine verlassen. Die kalten Häppchen sind Dekoration. Die guten Sachen stehen auf der Tafel und kommen warm aus der Küche.
Wann du hingehen solltest
Der beste Rhythmus sind zwei Besuche: einmal vormittags, wenn die Läden öffnen, geliefert wird und der Markt läuft, und einmal ab 19 Uhr, wenn die Theken voll sind. Sonntagvormittag ist die Ausnahme, dann gehören Plaza Nueva und Arenal den Märkten. Die Festwoche Aste Nagusia im August verwandelt das Viertel in eine einzige Bühne, das ist großartig oder unerträglich, je nach Typ.
Der Rest ist Wetter. Bilbao regnet, und zwar gern als feiner Sirimiri, der von der Seite kommt. Das ist im Casco Viejo weniger schlimm als anderswo: Die Gassen sind eng, die Arkaden trocken, und in Spanien geht man bei Regen sowieso in die Bar. Eine Kapuze reicht, den Schirm klappst du in den engen Gassen ohnehin ständig zusammen.
Tipp: Bestell Txakoli zum Pintxo, den leicht spritzigen baskischen Weißwein, den der Kellner aus der Höhe ins Glas gießt. Welche Happen du wo probierst, steht im Guide Essen und Trinken in Bilbao.
Danach: was in der Nähe liegt
Der Casco Viejo liegt so zentral, dass fast alles zu Fuß erreichbar ist. Drei Richtungen bieten sich an: am Wasser entlang nach Westen, den Hang hinauf nach Norden oder mit der Metro hinaus zur Mündung.
Über die Arenal-Brücke bist du in fünf Minuten am Rathaus und auf dem Uferweg, der in gut 30 Minuten zum Guggenheim führt. Nach oben sind es zehn Minuten zur Basílica de Begoña und zum Park Etxebarria mit Blick über die Dächer. Wer weiter will, nimmt die Metro Richtung Flussmündung zur Schwebefähre Puente Colgante. Alle Ziele im Überblick stehen unter Bilbao Sehenswürdigkeiten.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istEng wird es freitags und samstags ab acht Uhr abends in der Calle Somera und unter den Arkaden. Weich in die Quergassen rund um die Kathedrale aus, dort stehen die gleichen Theken mit halb so vielen Leuten davor.
- Wenn es regnetDie Plaza Nueva ist rundherum überdacht, du kannst dort einen ganzen Abend von Bar zu Bar ziehen, ohne nass zu werden. Zweite Option bei Dauerregen: Markthalle am Fluss und Baskisches Museum.
- Mit KindernTagsüber unproblematisch, das Viertel ist autofrei und überschaubar. Abends sind die Bars voll und laut, deshalb kommen Familien meist schon gegen sieben. Kinder gehören in Spanien selbstverständlich in die Bar, niemand schaut schief.
- Mit eingeschränkter MobilitätDie Gassen sind eben und gepflastert, das Viertel selbst ist also gut machbar. Steil wird es nur an den Rändern, etwa hinauf nach Begoña. Dort nimmt dir der öffentliche Aufzug die Steigung ab.
Häufige Fragen
Was sind die Siete Calles in Bilbao?
Die Siete Calles sind die sieben Gründungsstraßen des mittelalterlichen Bilbao: Somera, Artecalle, Tendería, Belosticalle, Carnicería Vieja, Barrencalle und Barrencalle Barrena. Sie verlaufen parallel zwischen Flussufer und Hang und bilden bis heute den Kern der Altstadt. Umgangssprachlich steht der Name oft für den ganzen Casco Viejo.
Wie viel Zeit braucht man für den Casco Viejo?
Für den Rundgang mit Arenal, Plaza Nueva, Siete Calles, Kathedrale und Markthalle reichen zwei bis drei Stunden. Wer abends zum Essen bleibt, plant den ganzen Abend ein, denn Pintxos-Hopping dauert. Ideal sind zwei kurze Besuche: einer am Vormittag für den Alltag, einer ab sieben Uhr für die Bars.
Wo isst man im Casco Viejo die besten Pintxos?
Die höchste Dichte guter Theken findest du unter den Arkaden der Plaza Nueva und in der Calle Somera, dazu in den Gassen rund um die Kathedrale. Verlass dich weniger auf einzelne Namen als auf volle Bars mit frischer Theke. Und bleib nirgends hängen, ein Happen pro Bar reicht.
Ist der Casco Viejo abends sicher?
Ja, das Viertel gehört zu den belebtesten Ecken der Stadt, gerade abends. Wie in jeder Altstadt gilt: Tasche im Gedränge nach vorn, Wertsachen nicht offen tragen. Spät nachts leeren sich einzelne Gassen, dann läufst du am besten über die belebten Hauptachsen zur Metrostation zurück.
Wie komme ich vom Guggenheim in den Casco Viejo?
Am schönsten zu Fuß am Flussufer entlang, vorbei am Rathaus und über die Arenal-Brücke, gut eine halbe Stunde mit Aussicht. Schneller geht es mit der Tram, die vom Guggenheim direkt bis zum Teatro Arriaga fährt. Die Metrostation Casco Viejo bringt dich mitten ins Viertel.





