Auf einen Blick
- RechtslageStaatlich als Kulturgut geschützt, Gesetz 18/2013
- KatalonienVerbot von 2010, am 20. Oktober 2016 vom Verfassungsgericht gekippt
- Kanarische InselnTierschutzgesetz von 1991, seither keine Corridas
- SaisonEtwa Februar bis Anfang November, Spitzen in den Festwochen
- Größte ArenaLas Ventas in Madrid, rund 24.000 Plätze, eröffnet 1931
- Arena ohne KampfFührung mit Museum, meist 45 bis 60 Minuten
Die Rechtslage: geschützt vom Staat, umstritten in den Regionen
Seit 2013 gilt das spanische Gesetz 18/2013, das die Tauromaquia zum schützenswerten Kulturgut des gesamten Staatsgebiets erklärt. Damit liegt die Zuständigkeit für den Kern der Sache beim Zentralstaat und nicht bei den autonomen Gemeinschaften. Genau daran scheitern regionale Verbote bis heute.
Das bekannteste Beispiel ist Katalonien. Das katalanische Parlament beschloss 2010 ein Verbot, das ab 2012 galt. Am 20. Oktober 2016 erklärte das spanische Verfassungsgericht diesen Artikel für nichtig: Eine Region dürfe Veranstaltungen regeln, ein staatlich anerkanntes Kulturgut aber nicht abschaffen. Formal ist der Stierkampf in Katalonien seither wieder erlaubt. Wenn du also liest, in Barcelona sei Stierkampf verboten, ist das seit 2016 nicht mehr richtig.
Den Balearen erging es ähnlich. Ein Gesetz von 2017 wollte Corridas so streng regeln, dass der Stier nicht mehr getötet werden durfte. Ende 2018 kippte das Verfassungsgericht die entscheidenden Bestimmungen, und im Sommer 2019 fand auf Mallorca wieder eine Corrida statt.
Anders liegt der Fall auf den Kanarischen Inseln. Ein kanarisches Tierschutzgesetz von 1991 untersagt den Einsatz von Tieren in Kämpfen, Festen und Spektakeln, die Misshandlung oder Leid bedeuten. Die Kanaren waren damit die erste Region ohne Corridas, das Gesetz wurde nie vor dem Verfassungsgericht gekippt, und Stierkämpfe finden dort seit Jahrzehnten nicht statt.
Gut zu wissen: „Erlaubt“ und „findet statt“ sind in Spanien zwei verschiedene Dinge. In einigen Regionen ist der Stierkampf rechtlich möglich, spielt aber praktisch keine Rolle mehr. In anderen ist er fester Teil jedes Stadtfests. Für deine Reise zählt die zweite Frage.
Wo und wann in Spanien gekämpft wird
Das Kulturministerium führt eine jährliche Statistik. In der Saison 2024 zählte sie 435 Corridas, 281 Novilladas mit Picadores und 115 reine Rejoneo-Veranstaltungen, zusammen 831 große Festejos. Der Schwerpunkt ist deutlich: Die Region Madrid lag mit 184 Veranstaltungen vorn, danach folgten Andalusien, Kastilien-La Mancha und Kastilien und León. Diese vier Regionen stellten zusammen rund 72 Prozent aller Veranstaltungen.
Die Saison läuft ungefähr von Februar bis Anfang November, mit klaren Spitzen. Die größte Arena des Landes ist Las Ventas in Madrid mit rund 24.000 Plätzen, eröffnet 1931. Dort ist die Feria de San Isidro ab Anfang Mai bis in den Juni hinein der wichtigste Termin der Welt für dieses Metier. Ähnliches gilt für die Festwochen anderer Städte: die Feria de Abril in Sevilla, die Fallas im März und die Feria im Juli in Valencia, die Feria im August in Málaga und San Fermín in Pamplona vom 6. bis 14. Juli, wo dieselben Stiere, die morgens durch die Gassen laufen, am Nachmittag in der Arena getötet werden.
Außerhalb dieser Festwochen ist es in vielen Städten still. An der Küste, in den Ferienorten und in weiten Teilen Nordspaniens begegnest du dem Thema als Reisender oft überhaupt nicht.
Katalonien: ein gekipptes Verbot, das trotzdem wirkt
In der Praxis hat sich in Katalonien nach 2016 wenig geändert. Die letzte Corrida in der Monumental in Barcelona fand im September 2011 statt, und seither wurde dort keine mehr abgehalten. Die Arena gehört einer privaten Eigentümerfamilie, die sie für Konzerte und andere Veranstaltungen vermietet, aber nicht für Stierkämpfe. Ein Urteil zwingt niemanden, eine Arena zu öffnen.
Eine Ausnahme sollte man kennen: Die katalanischen Correbous, Straßenfeste mit Stieren, waren vom Verbot von 2010 nie erfasst. Sie gelten als eigene Tradition und finden weiter statt, konzentriert in gut dreißig Gemeinden der Terres de l’Ebre im Süden der Region. Wer über Land reist und im Juli oder August in ein Dorffest gerät, kann ihnen dort begegnen.
Eine Arena besichtigen, ohne eine Corrida zu sehen
Viele der bekanntesten Arenen sind an kampffreien Tagen Museum und Baudenkmal. Du läufst durch die Gänge, stehst am Rand des leeren Sandrunds und siehst eine Ausstellung mit Kostümen, Plakaten und Fotografien. Eine Corrida bekommst du dabei nicht zu sehen.
Vier davon stellen wir ausführlich vor: die Maestranza in Sevilla, ein barockes Rund, dessen Bau 1761 begann, die Malagueta in Málaga, ein Backsteinbau von 1876 im Neomudéjar-Stil, die Arena von Valencia neben dem Bahnhof, die einem römischen Amphitheater nachempfunden ist, und das Museo Taurino in Córdoba, das die Geschichte der Stadt mit ihren berühmten Toreros erzählt. Auch die Arena von 1785 in Ronda ist an normalen Tagen ein Museum.
Tipp: Wenn dir schon eine Führung zu nah dran ist, lass sie aus. Keine dieser Arenen ist Pflichtprogramm, und in jeder der Städte gibt es genug anderes, für das sich die Stunde besser lohnt.
So gerätst du nicht ungewollt in einen Stierkampf
Am häufigsten passiert es über die Sprache. Diese Begriffe stehen auf Plakaten und in Festprogrammen, und sie bedeuten alle: Hier geht es um Stiere.
- Corrida de toros: der klassische Stierkampf mit erwachsenen Stieren, die getötet werden.
- Novillada: dasselbe Format mit jüngeren Stieren und Nachwuchskämpfern.
- Rejoneo oder corrida de rejones: Stierkampf zu Pferd.
- Festejo taurino: der Oberbegriff für alle Veranstaltungen dieser Art.
- Encierro: das Treiben der Stiere durch abgesperrte Gassen, meist morgens.
- Capea, vaquillas, bous al carrer, correbous, toro embolado: Volksfeste mit Stieren oder Jungrindern auf der Straße oder in einer provisorischen Arena.
Praktisch hilft dir vor allem der Festkalender. Kleinere Orte veröffentlichen ihr programa de fiestas, und dort stehen die Festejos mit Datum und Uhrzeit. Wenn du die Festwoche eines Ortes meidest, meidest du fast automatisch auch die Corridas. Umgekehrt gilt: Wer im Mai nach Madrid oder im April nach Sevilla reist, sollte wissen, dass die Stadt dann im Ausnahmezustand ist. Welche Feste wann laufen, steht im Beitrag zu den Festen in Spanien.
Drei weitere Stolperstellen. Erstens Ticketverkäufer und Ausflugsanbieter, die Abende mit Flamenco und Arena bündeln: Lies genau, was im Paket steckt. Zweitens Bars, die während der Feria die Übertragung laufen lassen; ein Blick auf den Bildschirm vor dem Hinsetzen genügt. Drittens die Speisekarte: Rabo de toro ist ein traditionelles Schmorgericht aus Ochsenschwanz, der Name sagt nichts über die Herkunft des Fleisches aus.
Achtung: Bei Straßenveranstaltungen mit Stieren gibt es keine Trennung zwischen Publikum und Geschehen wie in einer Arena. Wer zufällig hineingerät, sollte die Absperrungen und die Anweisungen der Ordner ernst nehmen und die Gasse verlassen, statt zu filmen.
Die Debatte im Land selbst
Der Streit läuft in Spanien seit Jahren und wird nicht von außen importiert. 2024 strich das Kulturministerium den staatlichen Stierkampfpreis, woraufhin der Senat und mehrere Regionen ihn in eigener Regie weiterführten. Eine Volksinitiative mit über 700.000 gesammelten Unterschriften wollte den Kulturgutstatus von 2013 streichen lassen und scheiterte im Herbst 2025 im Kongress: Die Mehrheit stimmte dagegen, eine der Regierungsparteien enthielt sich.
Für dich als Reisenden heißt das vor allem: Das Thema ist in Spanien selbst kontrovers, und du trittst niemandem zu nahe, wenn du eine Corrida auslässt. Genauso wenig ist es sinnvoll, in einem Dorf mit langer Tradition eine Diskussion vom Zaun zu brechen. Die aktuellen Zahlen und die Gesetzestexte findest du beim spanischen Kulturministerium und im Staatsanzeiger BOE.
Häufige Fragen
Ist Stierkampf in Spanien verboten?
Nein, landesweit nicht. Ein Gesetz von 2013 schützt die Tauromaquia als Kulturgut des Staates. Regionale Verbote sind daran gescheitert: Das katalanische Verbot von 2010 erklärte das Verfassungsgericht am 20. Oktober 2016 für nichtig, ein balearisches Gesetz von 2017 wurde Ende 2018 in den entscheidenden Punkten gekippt. Auf den Kanarischen Inseln verbietet ein Tierschutzgesetz von 1991 blutige Tierspektakel, dort finden seit Jahrzehnten keine Corridas statt.
Gibt es in Barcelona noch Stierkämpfe?
Rechtlich wären sie seit dem Urteil von 2016 wieder möglich, praktisch finden sie nicht statt. Die letzte Corrida in der Monumental war im September 2011. Die Arena gehört privaten Eigentümern, die sie für Konzerte und Veranstaltungen vermieten, nicht für Stierkämpfe. Ein Urteil verpflichtet niemanden, eine Arena für Corridas zu öffnen.
Wann ist Stierkampfsaison in Spanien?
Ungefähr von Februar bis Anfang November, mit deutlichen Spitzen während der Festwochen. Wichtige Termine sind die Feria de Abril in Sevilla, San Isidro in Madrid ab Anfang Mai, die Feria im Juli in Valencia, San Fermín in Pamplona vom 6. bis 14. Juli und die Feria im August in Málaga. Außerhalb dieser Wochen ist in den meisten Städten nichts los.
Kann ich eine Stierkampfarena besichtigen, ohne einen Kampf zu sehen?
Ja. Die großen Arenen in Sevilla, Málaga, Valencia und Ronda bieten Führungen mit Museum an kampffreien Tagen an. Du siehst Architektur, Ställe, Kapelle und eine Ausstellung mit Kostümen und Plakaten, kein Tier und keinen Kampf. In Córdoba gibt es mit dem Museo Taurino ein eigenes Museum zum Thema.
Wie erkenne ich im Programm, dass es um Stiere geht?
Achte auf die Wörter corrida de toros, novillada, rejones und festejo taurino für Veranstaltungen in der Arena sowie encierro, capea, vaquillas, bous al carrer, correbous und toro embolado für Straßenveranstaltungen. Sie stehen im programa de fiestas eines Ortes mit Datum und Uhrzeit. Wer die Festwoche meidet, meidet fast immer auch die Festejos.






