Auf einen Blick
- RegionAndalusien
- LageIsla de la Cartuja, westlich des Flusses
- GegründetUm 1400 als Kartäuserkloster
- HeuteMuseum für zeitgenössische Kunst (CAAC)
- Dauer1,5 bis 2 Stunden
- Beste ZeitNachmittags, wenn die Altstadt voll ist
Lohnt sich das Kloster La Cartuja wirklich?
Ja, besonders für alle, die Sevilla schon etwas kennen. Die Mischung aus Kartäuserkloster, Fabrikruine und Museum für Gegenwartskunst ist einmalig, und du hast die weitläufige Anlage oft fast für dich. Kunstfans planen wegen der Wechselausstellungen extra Zeit ein.
Für den ersten Sevilla-Besuch mit zwei Tagen ist es dagegen zu weit weg. Der Weg kostet hin und zurück eine gute Stunde, und die Altstadt hat Dichteres zu bieten. Ab dem dritten Tag wird La Cartuja zur klaren Empfehlung.
Was du hier siehst
Das Kloster Santa María de las Cuevas war jahrhundertelang ein Rückzugsort vor den Toren der Stadt. Christoph Kolumbus verkehrte hier regelmäßig, beriet sich mit seinem Vertrauten, dem Mönch Gaspar Gorricio, und bereitete Reisen vor. Nach seinem Tod wurden seine Gebeine für rund drei Jahrzehnte in der Klosterkapelle beigesetzt, bevor ihre lange Odyssee begann, die heute in der Kathedrale von Sevilla endet.
1839 kaufte der britische Kaufmann Charles Pickman das säkularisierte Kloster und machte daraus eine Steingutfabrik. La Cartuja de Sevilla wurde zur berühmtesten Keramikmarke Spaniens. Aus dieser Zeit stammen die flaschenförmigen Brennöfen und hohen Schornsteine, die bis heute zwischen Kreuzgang und Kirche aufragen, eines der seltsamsten und fotogensten Ensembles der Stadt.
Für die Weltausstellung 1992 wurde die Anlage aufwendig restauriert und diente als Königlicher Pavillon. Seit 1997 bespielt das CAAC die Räume mit zeitgenössischer Kunst: Wechselausstellungen internationaler Künstler, dazu Werke mit Andalusien-Bezug, oft raffiniert in Kapellen und Kreuzgänge gehängt.
Der Rundgang
1 Kirche und Kapellen
Der historische Kern mit der Klosterkirche und den Seitenkapellen, in denen Kolumbus zeitweise bestattet war. 20 Minuten.
2 Kreuzgänge und Refektorium
Die Kreuzgänge sind der schönste Teil: weiße Bögen, Kacheln und Stille. Im Refektorium und den angrenzenden Sälen hängen meist Ausstellungen. 30 Minuten.
3 Brennöfen und Fabrikbereich
Zwischen den Klostergebäuden stehen die flaschenförmigen Öfen der Keramikfabrik, einige begehbar. Der Kontrast zu den Kreuzgängen ist der Höhepunkt des Besuchs. 25 Minuten.
4 Gärten und Ombú
Zum Schluss die Gärten mit Orangenbäumen und alten Mauern. Berühmtester Bewohner ist ein riesiger Ombú-Baum, den der Legende nach Hernando Colón pflanzte, der Sohn des Entdeckers. 20 Minuten.
Das übersehen die meisten
- Die Fliesenreste an den Wänden. An mehreren Stellen hängen noch originale Musterplatten der Fabrik Pickman, gewissermaßen Werkskataloge an der Mauer.
- Die Innenseite der Brennöfen. Einige Öfen kannst du betreten. Die geschwärzten Wände und die Akustik darin sind eine eigene Erfahrung.
- Die Ausstellung im Untergeschoss. Das CAAC nutzt auch Keller und Nebenräume, die von den Hauptwegen abgehen und leicht übersehen werden.
Tipp: Nimm dir Zeit für die Gärten. Viele Sevillanos nutzen das Gelände als Ruhepol, Besucher verirren sich selten hierher. Auf dem Rückweg passt ein Abstecher nach Triana, das Keramikviertel ergänzt die Geschichte perfekt.
Tickets: Tickets gibt es an der Kasse, getrennt oder kombiniert für Monument und Ausstellungen, zu bestimmten Zeiten ist der Eintritt frei. Aktuelle Ausstellungen und Konditionen nennt die Website des CAAC.
Typische Fehler
- Montags kommen. Wie viele Kulturhäuser Andalusiens hat auch das CAAC einen Schließtag, prüfe ihn vorher.
- Ohne Wasser losgehen. Auf der Insel gibt es zwischen den Expo-Flächen wenig Gastronomie.
- Nur wegen der Kunst kommen. Wenn dich die Ausstellung nicht anspricht, trägt das Monument den Besuch trotzdem.
Wann du hingehen solltest
Am Nachmittag, wenn die Altstadt am vollsten ist und du hier trotzdem Ruhe hast. Der Weg am Fluss entlang ist morgens und abends am schönsten. Im Hochsommer geh früh, weil das Gelände wenig Schatten bietet, im Winter ist es angenehm mild und fast menschenleer.
Danach: was in der Nähe liegt
- Triana, 25 Minuten. Flussabwärts liegt Triana mit seinen Keramikwerkstätten, thematisch die perfekte Fortsetzung.
- Museo de Bellas Artes, 20 Minuten. Zurück am Ostufer liegt das Museo de Bellas Artes.
- Expo-Gelände, direkt daneben. Rundherum liegen Technologiepark und Freizeitpark, ein eigenwilliger Rahmen für ein Kloster.
Wie du hinkommst, steht im Guide zum Verkehr in Sevilla, mehr Ziele unter Sehenswürdigkeiten von Sevilla.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istEin Problem, das es hier nicht gibt. Selbst an Feiertagen hast du die Kreuzgänge und Gärten weitgehend für dich.
- Wenn es regnetKirche, Kreuzgänge und Ausstellungsräume sind überdacht, die Wege zwischen den Gebäuden nicht. Bei Dauerregen ist der Ausflug wenig reizvoll, weil auch der Hinweg lang ist.
- Mit KindernDie Brennöfen und Schornsteine faszinieren Kinder, das Gelände bietet viel Platz zum Laufen. Für die Wechselausstellungen brauchen sie Geduld.
- Mit eingeschränkter MobilitätDie Wege auf der Insel sind breit und flach, die Anlage ist überwiegend ebenerdig. Einzelne historische Räume haben Schwellen, der Untergrund ist teils Kies.
Häufige Fragen
Lohnt sich das Kloster La Cartuja?
Ja, besonders für alle, die Sevilla schon etwas kennen. Die Mischung aus Kartäuserkloster, Fabrikruine und Museum für Gegenwartskunst ist einmalig, und du hast die weitläufige Anlage oft fast für dich. Kunstfans planen wegen der Wechselausstellungen extra Zeit ein.
Was hat Kolumbus mit La Cartuja zu tun?
Kolumbus war dem Kloster eng verbunden, bereitete hier Reisen vor und hinterlegte Dokumente. Nach seinem Tod ruhten seine Gebeine rund 30 Jahre in der Klosterkapelle, bevor sie nach Amerika überführt wurden. Heute liegen sie in der Kathedrale von Sevilla.
Was ist das CAAC?
Das Centro Andaluz de Arte Contemporáneo, Andalusiens wichtigstes Museum für zeitgenössische Kunst. Es nutzt seit 1997 die Klosteranlage und zeigt Wechselausstellungen sowie Sammlungspräsentationen, oft mit ortsspezifischen Installationen in den historischen Räumen.
Wie kommt man zum Kloster La Cartuja?
Vom Zentrum läufst du etwa 30 Minuten über den Fluss auf die Isla de la Cartuja, alternativ fahren Stadtbusse. Die Insel war das Gelände der Expo 92, entsprechend breit und ruhig sind die Wege.
Warum stehen Fabrikschornsteine im Kloster?
Von 1839 bis in die 1980er produzierte hier die Keramikfabrik Pickman ihr berühmtes Steingut. Die flaschenförmigen Brennöfen und Schornsteine blieben bei der Restaurierung für die Expo 92 bewusst stehen, als Zeugen dieser Industrieepoche.




