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Wandern in Spanien: die schönsten Touren & Regionen

Spanien ist nach der Schweiz das zweitgebirgigste Land Europas, und genau das macht es zum unterschätzten Wanderziel: Schluchtenpfade in Andalusien, Dreitausender vor Granadas Haustür, grüne Karstberge im Norden und Vulkanwege auf den Kanaren, auf denen du im Januar im T-Shirt läufst.

Hier sind die sechs besten Wanderregionen des Landes mit je einer konkreten Tour, der richtigen Saison und der passenden Stadt als Basis. Wichtig vorab: Für den Caminito del Rey und den Teide-Gipfel brauchst du Tickets beziehungsweise eine Genehmigung, beides ist schnell ausgebucht.

Wandern in Spanien: die schönsten Touren & Regionen
Foto: Cárdenas, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Umfang6 Regionen: Andalusien, Picos de Europa, Pyrenäen, Sierra Nevada, Jakobsweg, Kanaren
  • Beste ReisezeitMai/Juni und September im Norden, März bis Mai im Süden, Kanaren ganzjährig
  • Höchster PunktTeide auf Teneriffa, höchster Berg Spaniens
  • Reservierung nötigCaminito del Rey (Ticket-Slots), Teide-Gipfel (Genehmigung)
  • Anspruchvon gesicherten Familienwegen bis zu hochalpinen Touren

Die sechs besten Wanderregionen Spaniens

Die Auswahl deckt bewusst verschiedene Typen ab: zwei spektakuläre, aber leichte Schluchtenwege (Caminito del Rey, Ruta del Cares), zwei alpine Reviere (Pyrenäen, Sierra Nevada), einen Fernwanderweg in Etappen (Jakobsweg) und die Kanaren als Ganzjahresziel. Alle sechs erreichst du ohne Mietwagen-Odyssee von einer größeren Stadt aus, die jeweils als Basis genannt wird.

1 Caminito del Rey, Andalusien

Der berühmteste Wanderweg Spaniens klebt als Holzsteg an einer senkrechten Schluchtwand über dem Río Guadalhorce, an manchen Stellen hundert Meter über dem Wasser. Der einst gefährlichste Weg des Landes ist heute komplett gesichert, mit Helm und in einer Richtung begehbar, zurück bringt dich ein Shuttlebus. Schwindelfrei solltest du trotzdem sein, Kinder unter acht dürfen nicht mit.

Praktisch läuft es so: Du startest am Nordeingang bei Ardales, läufst die rund acht Kilometer durch die Gaitanes-Schlucht bis El Chorro und fährst mit Bus oder Zug zurück. Der Bahnhof El Chorro macht den Weg sogar autofrei machbar, die Nahverkehrszüge ab Málaga halten direkt dort.

Die Tickets sind an feste Zeitfenster gebunden und an Wochenenden sowie im Frühjahr und Herbst oft Wochen im Voraus weg. Alles zu Slots, Anreise per Zug und dem Ablauf vor Ort liest du auf unserer Seite zum Caminito del Rey; als Basis passt Málaga, auch Antequera mit dem Karstgebirge El Torcal liegt nah.

Tickets: Nur über den offiziellen Verkauf buchen, Zeitfenster wählen und zuerst das Ticket sichern, dann den Rest des Tages planen. Wer keinen Slot mehr bekommt, hat über geführte Touren mit Kontingent oft noch eine Chance.

Zur offiziellen Website

2 Picos de Europa, Nordspanien

Nur gut zwanzig Kilometer vom Meer entfernt ragen die Picos de Europa als graue Kalkwände über grünen Weiden auf. Die Klassikertour ist die Ruta del Cares: ein in den Fels gehauener Schluchtenpfad zwischen Poncebos und Caín, rund zwölf Kilometer pro Richtung, technisch einfach, aber lang und ungesichert am Abgrund, plane einen ganzen Tag.

Dazu kommen die Seen von Covadonga, deren Zufahrt im Sommer per Shuttlebus geregelt wird. Als Standort eignet sich Cangas de Onís am Nordrand; Städte-Basen mit Mietwagen-Anbindung sind Oviedo, Santander und südlich der Berge León. Mehr zur Region auf unseren Seiten zu Asturien und Kantabrien.

Zweiter Höhepunkt ist die Seilbahn von Fuente Dé auf der kantabrischen Seite: Sie hebt dich in wenigen Minuten in die Karstwelt über 1.800 Metern, oben beginnen Touren für jedes Niveau. Und weil die Picos so nah am Atlantik liegen, gilt: Das Wetter kippt schnell, ein sonniger Vormittag ist keine Garantie für den Nachmittag.

3 Pyrenäen: Ordesa und Co.

Die spanische Seite der Pyrenäen ist trockener, sonniger und leerer als die französische. Das Herzstück ist der Nationalpark Ordesa y Monte Perdido in Aragón: Die Tagestour durchs Ordesa-Tal zum Wasserfall Cola de Caballo führt unter kilometerlangen Felswänden entlang, im Hochsommer erreichst du den Ausgangspunkt per Shuttlebus ab Torla.

Weiter westlich lockt der Irati-Wald in Navarra, einer der größten Buchenwälder Europas, ideal im Herbst; als Stadt-Basis für die Westpyrenäen funktioniert Pamplona. Im Osten schließt Katalonien mit dem Seenpark Aigüestortes an.

4 Sierra Nevada, bei Granada

Vom Stadtzentrum Granadas bis zum Fuß der Dreitausender ist es nur eine halbe Stunde. Der Mulhacén ist mit knapp 3.500 Metern der höchste Berg des spanischen Festlands und im Sommer für Trainierte ohne Klettern machbar. Einfacher und ganzjährig lohnend: die Cahorros-Schlucht bei Monachil mit Hängebrücken und Felsdurchschlüpfen, eine perfekte Halbtagestour.

Am Südhang liegen die weißen Bergdörfer der Alpujarras mit ihren Terrassenwegen. Höhenlage, Zustiege und Jahreszeiten haben wir auf der Seite zur Sierra Nevada zusammengefasst.

5 Jakobsweg: der Klassiker in Etappen

Der Camino Francés quer durch Nordspanien ist der bekannteste Fernwanderweg der Welt. Du musst ihn nicht komplett gehen: Wer die Pilgerurkunde will, läuft die letzten gut hundert Kilometer ab Sarria nach Santiago de Compostela, dafür reicht knapp eine Woche. Unterwegs stempelst du deinen Pilgerausweis in Herbergen und Kirchen.

Wer mehr Zeit hat, hängt die Kathedralenstädte Burgos und León sowie das Etappenstädtchen Astorga mit seinem Gaudí-Palast dran. Der Küstenweg Camino del Norte ist die stillere, bergigere Alternative. Beste Monate: Mai, Juni und September, im Hochsommer sind Hitze und Herbergen das Problem.

Ein unterschätzter Einstieg für Genießer: einzelne Etappen als Tageswanderungen von einer festen Basis aus, etwa rund um Pamplona oder durch die Weinberge bei Logroño. So bekommst du das Camino-Gefühl mit Muschel-Wegweisern und Pilgergesprächen, schläfst aber jede Nacht im selben Bett.

6 Kanaren: Teide und Anaga

Auf Teneriffa wanderst du in zwei Welten: oben die Mondlandschaft des Teide-Nationalparks, unten der Nebelwald des Anaga-Gebirges mit moosbewachsenen Lorbeerbäumen und Pfaden zu Dörfern wie Taganana. Basis für beides kann Santa Cruz de Tenerife sein, das Anaga-Gebirge beginnt direkt hinter der Stadt.

Für die letzten Meter auf den Teide-Gipfel brauchst du eine kostenlose Genehmigung des Nationalparks, die Kontingente sind Wochen im Voraus vergriffen; ohne Genehmigung endet der Aufstieg an der Bergstation der Seilbahn. Auch Lanzarote lohnt für Vulkanwanderungen, die Feuerberge von Timanfaya betrittst du allerdings nur geführt. Einen Überblick gibt unsere Seite zu den Kanarischen Inseln.

Touren im Vergleich

Tour Anspruch Beste Zeit Basis
Caminito del Rey leicht, aber schwindelfrei März bis Juni, September bis November Málaga
Ruta del Cares mittel, lang Mai bis Oktober Cangas de Onís, Oviedo
Ordesa-Tal mittel Juni bis Oktober Torla
Mulhacén anspruchsvoll, hochalpin Juli bis September Granada, Capileira
Camino ab Sarria leicht, mehrtägig Mai, Juni, September Sarria, Santiago
Teide-Gipfel anspruchsvoll, Höhe ganzjährig, außer bei Schnee Santa Cruz, Puerto de la Cruz

Wann du wo wandern solltest

Die einfache Regel: im Sommer nach Norden oder in die Höhe, im Winter nach Süden oder auf die Inseln. Andalusische Schluchten wie der Caminito sind von März bis Juni und ab September ideal, im Hochsommer wird es dort brutal heiß. Die Picos und Pyrenäen haben von Juni bis September Saison, der Mulhacén ist meist erst ab Juli schneefrei. Die Kanaren funktionieren das ganze Jahr und retten jeden Wanderwinter.

Ausrüstung und Planung

Spaniens Wanderinfrastruktur ist gut, aber anders als in den Alpen: Bewirtschaftete Hütten sind selten, dafür sind die Ausgangsdörfer nah und die Markierungen der Fernwege (weiß-rot für GR-Wege) zuverlässig. Plane Touren als Tagesrunden von einem festen Quartier, das ist in Spanien fast immer die bessere Logik als Hüttentrekking.

Fürs Gepäck reichen normale Bergwanderausrüstung, Sonnenschutz und viel Wasser. Im Frühjahr gehören Regenjacke (Norden) und im Hochgebirge auch im Juni noch warme Schichten dazu. Offline-Karten sind Pflicht, in den Schluchten und im Anaga-Gebirge hast du oft kein Netz.

Achtung: Unterschätze die Hitze nicht. Auf vielen südspanischen Touren gibt es weder Schatten noch Wasserstellen, nimm pro Person deutlich mehr Wasser mit, als du aus den Alpen gewohnt bist, und starte früh am Morgen.

Tipp: Kombiniere Stadt und Berg: Granada plus Sierra Nevada, Málaga plus Caminito, Oviedo plus Picos. So wird aus dem Wanderurlaub nebenbei eine Städtereise, Ideen liefern unsere Spanien-Highlights.

Häufige Fragen

Braucht man für den Caminito del Rey Tickets?

Ja, der Zugang ist nur mit Ticket für ein festes Zeitfenster möglich, und die Slots sind an Wochenenden sowie im Frühjahr und Herbst oft Wochen im Voraus ausverkauft. Buche zuerst das Ticket über die offizielle Website und plane erst danach Anreise und Unterkunft. Geführte Touren mit eigenem Kontingent sind der Plan B, wenn die regulären Slots weg sind.

Wann ist die beste Zeit zum Wandern in Spanien?

Das hängt von der Region ab: Andalusien und das Landesinnere sind von März bis Juni und von September bis November ideal, im Hochsommer ist es dort zu heiß. Picos de Europa und Pyrenäen haben von Juni bis September Saison, hochalpine Ziele wie der Mulhacén sind meist erst ab Juli schneefrei. Die Kanaren sind ganzjährig ein sicheres Wanderziel.

Wie schwer ist die Ruta del Cares?

Technisch ist der Weg einfach, es ist ein breiter Felsenpfad ohne Kletterstellen. Anspruchsvoll machen ihn die Länge von rund zwölf Kilometern pro Richtung und die ungesicherten Abbrüche zur Schlucht, mit kleinen Kindern ist er deshalb nichts. Trittsicherheit, gutes Schuhwerk und genug Wasser reichen, dann ist die Tour ein langer, unvergesslicher Tagesausflug.

Kann man den Teide ohne Genehmigung besteigen?

Bis zur Bergstation der Seilbahn und auf den umliegenden Wegen ja. Der letzte Abschnitt zum Gipfelkrater ist aber nur mit einer kostenlosen Genehmigung des Nationalparks erlaubt, die Kontingente sind klein und oft Wochen vorher vergeben. Buche also so früh wie möglich. Ohne Genehmigung endet der Weg an der Bergstation, deren Panorama über das Wolkenmeer allerdings auch schon die Reise wert ist.

Welcher Jakobsweg eignet sich für Anfänger?

Der Camino Francés ab Sarria: die letzten gut hundert Kilometer bis Santiago de Compostela, machbar in fünf bis sechs Tagen, mit dichter Infrastruktur aus Herbergen, Cafés und Gepäcktransport. Die Etappen sind kurz, die Wege gut markiert. Wer Einsamkeit sucht, ist dort falsch, gerade das macht den Einstieg aber leicht.