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Gran Vía

Die Gran Vía ist Madrids Antwort auf den Broadway: eine gut 1,3 Kilometer lange Prachtstraße voller Prunkfassaden, Leuchtreklamen, Musicaltheater und Flagship-Stores. Zwischen 1910 und 1929 wurde sie in drei Etappen mitten durch die Altstadt geschlagen, ein radikales Projekt, dem ganze Straßenzüge weichen mussten.

Ablaufen kostet nichts und dauert eine gute halbe Stunde. Wichtiger als die Route ist die richtige Uhrzeit, und die ist später am Tag, als die meisten denken.

Gran Vía
Foto: Manuel Martín Vicente from Spain, CC BY 2.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • RegionComunidad de Madrid
  • Gebaut1910 bis 1929, in drei Abschnitten
  • LängeRund 1,3 Kilometer
  • CharakterShopping, Musicals, Architektur, Nachtleben
  • MetroGran Vía, Callao, Plaza de España

Lohnt sich die Gran Vía wirklich?

Als Spaziergang: ja. Die Prachtfassaden, Leuchtreklamen und das Großstadtgefühl bekommst du gratis, und die Straße erzählt in fünfzehn Gebäuden die Geschichte, wie Madrid im 20. Jahrhundert Weltstadt werden wollte.

Als Shopping- oder Essensziel: eher nicht. An der Straße stehen dieselben Ketten wie in jeder europäischen Innenstadt, und die Lokale direkt am Boulevard leben von Laufkundschaft. Wer einkaufen oder essen will, biegt ab: nördlich nach Malasaña mit Vintage-Läden, südlich in die Gassen Richtung Puerta del Sol.

Was du hier siehst

Die Gran Vía entstand aus einem Abrissprojekt. Um eine durchgehende Verbindung vom Osten ins Westen der Innenstadt zu schaffen, wurden ab 1910 mehr als 300 Häuser abgerissen und ganze Gassen gestrichen. Der Widerstand war erheblich, das Ergebnis prägt die Stadt bis heute.

Architektonisch ist die Straße ein Zeitstrahl. Der östliche Abschnitt ist noch französisch geprägt, mit Kuppeln und Steinfiguren. In der Mitte kommt die amerikanische Moderne dazu, allen voran das Telefónica-Hochhaus von 1929, das bei seiner Eröffnung zu den höchsten Gebäuden Europas zählte. Der westliche Teil ist am nüchternsten, hier wurde erst nach dem Bürgerkrieg fertiggebaut.

Der Rundgang

Lauf von Ost nach West, dann geht es leicht bergab und du endest am besten Punkt.

1 Metrópolis-Gebäude

Zehn Minuten an der Ecke zur Calle de Alcalá. Die schwarz-goldene Kuppel mit der geflügelten Siegesgöttin ist das meistfotografierte Motiv der Straße, mehr dazu auf der Seite zum Metrópolis-Gebäude.

2 Edificio Telefónica

Fünf Minuten. Das Hochhaus von 1929 war Madrids erster Wolkenkratzer und diente im Bürgerkrieg als Beobachtungsposten. Im Erdgeschoss gibt es einen frei zugänglichen Ausstellungsbereich.

3 Plaza del Callao

15 Minuten. Madrids kleiner Times Square mit den großen Leuchtreklamen, dazu das Edificio Carrión mit der berühmten Schweppes-Werbung. Von der Dachterrasse des Kaufhauses am Platz hast du den klassischen Postkartenblick, und sie kostet keinen Eintritt.

4 Kinopaläste und Musicaltheater

Zehn Minuten. Auf dem letzten Abschnitt reihen sich die alten Kinos und Theater, in denen heute die großen Musicals auf Spanisch laufen. Die Art-déco-Foyers lohnen einen Blick.

5 Plaza de España

15 Minuten zum Abschluss. Der neu gestaltete Platz mit dem Cervantes-Denkmal. Von hier sind es fünf Minuten zum Tempel von Debod, dem besten Sonnenuntergangsplatz der Stadt.

Das übersehen die meisten

Das Edificio Grassy an der Ecke Alcalá, dessen Rundkuppel ständig mit dem Metrópolis verwechselt wird. Beide zusammen machen den Auftakt der Straße aus.

Die Dachterrassen. Mehrere Hotels und Kaufhäuser haben öffentlich zugängliche Terrassen, von denen du die Fassaden erst richtig siehst. Die günstigste ist die des Kaufhauses am Callao.

Der Blick nach oben. Auf Höhe des zweiten Stocks sitzen Skulpturen, Türmchen und Wetterhähne, die vom Gehweg aus komplett untergehen.

Die Seitenstraßen nach Norden. Nach 200 Metern bist du in Malasaña, und der Lärmpegel halbiert sich.

Typische Fehler

Tagsüber kommen und abends nichts mehr wiedersehen wollen. Die Straße lebt vom Kunstlicht.

Direkt am Boulevard essen. Eine Querstraße weiter zahlst du weniger und bekommst mehr.

Die Taschen offen tragen. Die Gran Vía und die Metro darunter sind das Hauptrevier der Madrider Taschendiebe.

Achtung: Besonders im Gedränge an der Plaza del Callao und an den Rolltreppen der Metro wird gearbeitet. Rucksack nach vorn, Handy festhalten, mehr dazu in den Madrid Insider-Tipps.

Wann du hingehen solltest

Zur blauen Stunde, wenn die Leuchtreklamen angehen und die Fassaden angestrahlt werden. Das ist der Moment, für den die Straße gebaut wurde. Wer sie fast leer erleben will, kommt früh am Sonntagmorgen, dann gehören die Gehwege den Läufern.

Am vollsten ist es am späten Nachmittag und am frühen Abend, dann schiebt sich die halbe Stadt über die Bürgersteige. Im Hochsommer meide die Mittagszeit, die Straße ist schattenlos.

Danach: was in der Nähe liegt

Zur Puerta del Sol sind es fünf Minuten nach Süden, zur Plaza Mayor zehn. Am östlichen Ende beginnt die Calle de Alcalá Richtung Plaza de Cibeles, ebenfalls fünf Minuten.

Am westlichen Ende führt der Weg über die Plaza de España zum Tempel von Debod. Was du wo essen solltest, steht unter Essen und Trinken in Madrid.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istAm Sonntagmorgen ist die Straße fast leer. Tagsüber weichst du auf die Nordseite aus, die Gehwege dort sind breiter.
  • Wenn es regnetDie Kaufhäuser und Kinopaläste sind ideale Unterstände, und die überdachten Dachterrassen mehrerer Hotels funktionieren auch bei Schauern.
  • Mit KindernWenig kindgerecht: viel Verkehr, dichtes Gedränge, lange Gehstrecke. Besser eine kurze Etappe bis Callao und dann weiter.
  • Mit eingeschränkter MobilitätBreite, ebene Gehwege über die gesamte Strecke, allerdings mit spürbarem Gefälle Richtung Plaza de España. Die Metrostationen sind nicht alle barrierefrei.

Häufige Fragen

Lohnt sich die Gran Vía?

Ja, als Spaziergang auf jeden Fall: Die Prachtfassaden, Leuchtreklamen und das Großstadtgefühl bekommst du gratis. Plane 30 bis 60 Minuten für die komplette Strecke vom Metrópolis-Gebäude bis zur Plaza de España, mit Fotostopps und Dachterrasse auch mehr. Zum Shoppen und Essen sind die Seitenstraßen die bessere Wahl.

Wann ist die Gran Vía am schönsten?

Zur blauen Stunde, wenn die Leuchtreklamen angehen und die Fassaden angestrahlt werden. Wer die Straße fast leer erleben will, kommt früh am Sonntagmorgen. Nachmittags und am frühen Abend ist am meisten los, dann schiebt sich die halbe Stadt über die Gehwege.

Warum heißt die Gran Vía Broadway von Madrid?

Wegen der Musicaltheater und Kinopaläste, die sich seit den 1920er Jahren entlang der Straße angesiedelt haben. Bis heute laufen hier die großen Musicalproduktionen in spanischer Sprache, und die Leuchtreklamen an der Plaza del Callao erinnern an New York. Auch architektonisch orientierte sich die Straße an amerikanischen Vorbildern.

Welche Gebäude an der Gran Vía muss man gesehen haben?

Drei Klassiker: das Metrópolis-Gebäude mit seiner Kuppel an der Ecke zur Calle de Alcalá, das Telefónica-Hochhaus von 1929 und das Edificio Carrión mit der Schweppes-Leuchtreklame an der Plaza del Callao. Alle drei liegen direkt am Weg, wenn du die Straße einmal komplett abläufst.

Ist die Gran Vía gefährlich?

Nein, sie ist zu jeder Tages- und Nachtzeit belebt und gut beleuchtet. Das einzige reale Risiko sind Taschendiebe, die im Gedränge und in der Metro arbeiten. Wertsachen in Innentaschen, Rucksack nach vorn, Handy festhalten: Mit diesen Basics ist ein Besuch unproblematisch.