Baskenland · Bilbao

Essen & Trinken in Bilbao: Pintxos

Bilbao gehört zu den besten Städten Europas, um zu essen, und das Beste passiert im Stehen am Tresen: Pintxos, kunstvoll gebaute Häppchen, dazu ein Glas Txakoli. Darüber wölbt sich eine Küche, die den Bacalao, den Stockfisch der Basken, zur Perfektion gebracht hat.

Hier liest du, wie das Pintxos-Ritual funktioniert, was du bestellen solltest und in welchen Straßen die Einheimischen essen.

Auf einen Blick

  • SpezialitätPintxos, die baskischen Häppchen
  • WeinTxakoli, jung und leicht spritzig
  • KlassikerBacalao al Pil-Pil
  • Beste GegendCasco Viejo rund um die Plaza Nueva
  • Goldene Regelpro Bar ein Pintxo, dann weiterziehen

Pintxos: die Spielregeln

Pintxos sind kleine Gerichte am Tresen: belegte Brote, Spieße, Tortilla-Ecken und warme Miniportionen von der Tafel. Das Ritual dazu heißt Txikiteo, und es hat klare Regeln. Du gehst an die Bar, bestellst ein Getränk und einen einzigen Pintxo, isst im Stehen, zahlst und ziehst weiter zur nächsten Bar. Ein Abend besteht aus vier oder fünf Stationen, nicht aus einer. Jede Bar hat eine Spezialität, nach der du einfach fragst, die Antwort ist fast immer der beste Bissen des Abends. Klassiker, die fast überall auf dem Tresen liegen: die Gilda, ein Spieß aus Anchovis, Olive und eingelegter Peperoni, dazu Tortilla-Ecken und Txangurro, gratinierte Seespinne.

Gut zu wissen: Die kalten Pintxos auf dem Tresen sind nur die halbe Wahrheit. Die besten Sachen stehen als warme Gerichte auf der Tafel hinter der Bar und werden frisch zubereitet. Und: bestellen statt selbst nehmen, das gilt in vielen Bars auch für den Tresen. Schau kurz, wie es die Einheimischen machen.

Txakoli: der Wein zum Ritual

Txakoli ist der baskische Weißwein: jung, trocken, leicht spritzig und mit wenig Alkohol, wie gemacht fürs Weiterziehen von Bar zu Bar. Eingeschenkt wird er mit Show, aus der Höhe ins flache Glas, damit er kurz aufschäumt. Daneben trinken die Basken Zurito, ein kleines Bier, das genau eine Bar lang reicht, oder ein Glas Rioja, dessen Anbaugebiet gleich hinter der Provinzgrenze beginnt. Ohne Alkohol funktioniert das Ritual übrigens genauso gut, bestell einfach ein Wasser oder einen Mosto, den Traubensaft der Bars.

Bacalao: Bilbaos Nationalgericht

Kein Fisch prägt die Stadt wie der Bacalao, gesalzener und wieder gewässerter Kabeljau, ein Erbe aus Bilbaos Zeit als Handelshafen. Zwei Zubereitungen musst du probieren: Bacalao al Pil-Pil, bei dem aus Olivenöl, Knoblauch und der Gelatine des Fischs eine cremige Sauce entsteht, und Bacalao a la Vizcaína mit einer tiefroten Sauce aus Choricero-Paprika. Beides bekommst du in den klassischen Restaurants der Altstadt, oft als Teil eines Mittagsmenüs, der günstigsten Art, in Spanien groß zu essen. Daneben lohnen Marmitako, der Thunfisch-Kartoffel-Eintopf der Fischer, und im Herbst die Pilzgerichte mit Steinpilzen.

Wo die Einheimischen essen

Erste Station ist immer der Casco Viejo: Rund um die Plaza Nueva liegen einige der bekanntesten Pintxos-Bars der Stadt, unter den Arkaden stehst du abends Schulter an Schulter mit halb Bilbao. Lokaler geht es auf der anderen Flussseite zu: Die Calle Ledesma beim Bahnhof Abando ist eine einzige Bar-Zeile, und rund um die Calle García Rivero in Indautxu isst das Viertel selbst. Dritter Tipp: die Gastro-Stände im Mercado de la Ribera, der großen Markthalle am Fluss, ideal für einen Mittagsstopp mit Blick auf die Stände. Wer es jung und experimentell mag, überquert die Ría nach Bilbao La Vieja, wo neue Bars das alte Arbeiterviertel aufmischen.

Tipp: Halte dich an den Rhythmus der Stadt. Mittags füllen sich die Bars ab etwa 13 Uhr, abends geht vor halb neun wenig. Wer um sieben zu Abend essen will, steht allein vor einem müden Tresen.

Mehr als Häppchen: Menü und Asador

Wenn du einmal richtig sitzen willst: Mittags bieten viele Restaurants ein mehrgängiges Menü an, abends locken Asadores, Grillrestaurants, in denen Steaks und ganze Fische über Holzkohle liegen. Das Baskenland gilt nicht zufällig als beste Ess-Region Spaniens, die Dichte an herausragenden Küchen ist enorm. Für die bekannten Adressen reservierst du besser, gerade am Wochenende.

Süßer Abschluss

Zum Kaffee gehören in Bilbao zwei Klassiker aus der Konditorei: der Bollo de Mantequilla, ein weiches Brötchen mit Buttercreme, und die Carolina, ein Törtchen mit hoher Baiserhaube. Beides findest du in den alten Konditoreien der Altstadt. Wenn du danach tiefer in die Landesküche einsteigen willst, sortiert der Überblick Spanische Gerichte die Klassiker des ganzen Landes. Und falls das Pintxos-Fieber dich packt: In San Sebastián geht das Spiel in die nächste Runde.

Gut zu wissen: Beim Trinkgeld ist Zurückhaltung normal: Aufrunden an der Bar genügt, im Restaurant lässt du Kleingeld oder rund fünf Prozent da. Ein Bedienzuschlag steht nicht auf der Rechnung, und niemand erwartet deutsche zehn Prozent.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Pintxos und Tapas?

Tapas sind kleine Portionen, die es in ganz Spanien oft zum Getränk dazu gibt. Pintxos sind die baskische Variante: aufwendiger gebaute Häppchen, meist auf Brot oder am Spieß, die du einzeln bestellst und bezahlst. Dazu gehört das Weiterziehen: pro Bar ein Pintxo und ein Getränk, dann die nächste Adresse.

Wie bestellt man Pintxos richtig?

Stell dich an den Tresen, bestell zuerst das Getränk und dann einen Pintxo, am besten die Spezialität des Hauses oder ein warmes Gericht von der Tafel. Gegessen wird im Stehen, gezahlt beim Bestellen oder vor dem Gehen. Nimm nicht ungefragt vom Tresen, in vielen Bars ist Bestellen die Regel.

Was ist Txakoli?

Txakoli ist der Weißwein des Baskenlands: jung, trocken, leicht spritzig und mit relativ wenig Alkohol. Er wird traditionell aus der Höhe eingeschenkt, damit er im Glas kurz aufschäumt. Zu salzigen Pintxos, Anchovis und Meeresfrüchten passt er perfekt, und wegen der leichten Art übersteht man damit auch fünf Bars an einem Abend.

Was muss man in Bilbao unbedingt probieren?

Bacalao in beiden Klassiker-Versionen, al Pil-Pil und a la Vizcaína, dazu ein Gilda-Spieß aus Anchovis, Olive und eingelegter Peperoni als Pintxo-Urgestein. Trink dazu Txakoli und beende den Abend mit einer Carolina aus der Konditorei. Wer im Herbst kommt, sollte nach Pilz-Pintxos mit Steinpilzen Ausschau halten.

Ist Essen in Bilbao teuer?

Die Pintxos-Kultur ist erstaunlich bezahlbar, weil du pro Bar nur ein Häppchen und ein Getränk nimmst und die Summe über den Abend verteilst. Mittags sind die Menüs vieler Restaurants der beste Gegenwert der Stadt. Teuer wird es erst in den Gourmet-Restaurants, von denen das Baskenland überdurchschnittlich viele hat.